Hilfswissenschaftler an der TU Chemnitz – ein wertvoller Einblick in die Praxis

Liebe Studieninteressierte, liebe Studenten, liebe Leser,

im Folgenden möchte einmal auf eine Möglichkeit eingehen, welche gleich zweierlei Problemstellungen gerecht wird. Zum einem das Thema Geld bzw. Finanzierung des Studentenalltags und zum anderen das Thema der beruflichen Zukunft. Gerade in den ersten Jahren des Ingenieurstudiums ist es aufgrund der notwendigen Legung von physikalischen und mathematischen Grundlagen sehr schwer auszumachen, was genau unter einem Ingenieur zu verstehen sei.

Ich möchte im Folgenden ein wenig über meine Zeit als Hilfswissenschaftler sprechen und dabei einige Highlights an Stellen setzen, welche für definitiv jeden von Interesse sein könnten.

Wann habe ich meine „Karriere“ als Hilfswissenschaftler begonnen?

Nun, das war direkt zu Beginn meines ersten Semesters. Wenig konnte ich mir damals darunter vorstellen, was ich einmal mit den Fächern anstellen sollte, die mich in den kommenden Jahren erwarten. Weder wollte ich Mathematiker, Physiker oder gar Informatiker werden. Jedoch und das macht wohl wahrlich einen erfolgreichen Ingenieur aus, ist notwendig Wissen und Erfahrung aus eben diesen und vielen mehr Teilgebieten der Wissenschaft verbinden zu können.
Noch direkt während der Einführungsveranstaltung bzw. einer Führung durch eine unsere Laborhallen erkundigte ich mich also nach einer Möglichkeit die Praxis in mein Studium einziehen zu lassen. Wenig euphorisch war ich dabei. Schließlich hatte ich ja keinerlei Ahnung von irgendwas. Umso mehr war ich demnach überrascht, dass mir direkt eine Stelle als Hilfswissenschaftler angeboten wurde und ich bereits eine Woche später mit meinen ersten Projekten beschäftigt wurde.

Zugegeben – alleine konnte ich keines dieser Projekte bearbeiten. Auch war die Programmierung eines Umrichters für mein Know-How jenseits von Gut und Böse.
Nichtsdestotrotz habe ich viel Erfahrung mitgenommen.
Aber nicht nur das! Neben der Arbeit an sich lernt man unweigerlich die neuen Kollegen und zukünftigen Dozenten kennen. Klingt gut? UND ist Gold wert!
Vitamin B wird euch nicht nur fachlich im weiteren Studium helfen oder später bei der Praktika-Suche. Viel mehr werdet ihr auch von dem sozialen Aspekt profitieren.
Oft bezeichne ich unsere Uni bzw. unsere elektrotechnische Fakultät als große Familie.
Denn es ist leicht sich gegenseitig kennenzulernen und nach bereits relativ kurzer Zeit hilft einem dies, die tägliche Motivation zu generieren in den teils harten Unialltag zu starten.

Auch der Aspekt Vergütung spielte für mich immer eine Rolle und wird es vermutlich auch für euch tun. Dabei einfach ein paar nackte Zahlen und Fakten, aus denen ihr euch selber Rückschlüsse ziehen könnt. Mit einer stündlichen Vergütung von 8 – 9 € (steigt immer weiter) werden zumeist 20h bis 40h pro Monat vertragsmäßig festgehalten. Dabei liegt es zumeist am Studenten selbst wann er, natürlich in Absprache mit dem Betreuer, die vereinbarten Stunden arbeiten möchte. Bezüglich der flexiblen Gestaltung meiner Arbeits-Uni-Tage hatte ich nie Probleme, da es immer irgendwo Lücken gab, die man so effektiv nutzen konnte. Des Weiteren gibt es noch einige Regularien bzgl. Versicherung und Steuern zu beachten, auf welche ihr mich auch gerne noch einmal separat ansprechen könnt.

Im Laufe meines dreijährigen Studiums habe ich insgesamt vier mal meine Hilfswissenschaftler-Tätigkeit gewechselt. Warum? Zum einen, weil ich mir zu Beginn meines Studiums gesagt habe, dass ich alle unsere relevanten Professuren der Energietechnik besucht haben möchte und zum anderen, weil ich mir nie sicher war, was mir einmal wirklich gefallen könnte.
Im Gegensatz zu meiner Befürchtung, dass man nach dem Wechsel einer Professur mit der „zurückgelassenen“ Professur auf Kriegsfuß steht, ist es vielmehr so, dass die ehemaligen Kollegen einen ermutigen sich und seine Fähigkeiten/Interessen auszutesten.
Natürlich berechtigterweise macht jede Professur ihre einzigartigen Vorteile  deutlich und es somit schwer den Wechsel durchzuziehen, aber letztlich ist es mit der nötigen Vision vor Augen bzw. Motivation Neues kennen zu lernen problemlos möglich.

Begonnen habe ich an der Professur für Elektrische Energiewandlungssysteme und Antriebe mit der Bearbeitung von verschiedenen Themen im Bereich des Linearmotors. Darunter gab es Exkursionen zur besagten Umrichterprogrammierung, zum Schaltplanentwurf, aber auch zur praktischen Versuchsstand-Inbetriebnahme. Auch das meist von Theoretikern verhasste löten war nicht zu umgehen. Gehasst habe auch ich es, bin jedoch froh meinen Kenntnisstand unter professioneller Anleitung auf ein zuverlässigeres Level bringen zu können.

Die Professur für Leistungselektronik und elektromagnetische Zuverlässigkeit konnte mich im Folgenden mit Fallstudien zum Thema Elektromobilität gewinnen. Abgelöst von einiger Einarbeitung in die Welt der FEM-Simulation.

Auch um mein bereits erwähntes Vorhaben zu erfüllen, besuchte ich kurz vor Ende meines Bachelorstudium die Professur für Energie- und Hochspannungstechnik. Hier hatte ich ein Projekt zur solaren Einstrahlung zu bearbeiten und letztlich schrieb ich auch meine Bachelorarbeit.

Kurz bevor ich meinen Auslandsaufenthalt zu Beginn des Masterstudiums angetreten habe, ging ich jedoch wieder zurück zur Leistungselektronik, wo ich mich weiterhin mit der FEM-Simulation beschäftigte.

Wie Ihr seht habe ich mich in einigen Bereichen eingearbeitet und war mir dabei nie sicher, ob es wirklich einmal das sein könnte, was ich mal machen möchte.
Letztlich fühlte ich mich jedoch an der leistungselektronischen Professur am meisten Zuhause und beabsichtige auch dort meine verbleibende Zeit im Masterstudium zu verbringen.

Ja. Dies soll nur einmal ein kurzer Einblick in meine Erfahrung mit dem Thema Hilfswissenschaftler gewesen sein. Vermutlich habe ich viele Fragen offen gelassen oder gar neue eingeräumt.
Nicht zuletzt deswegen würde ich mich sehr über persönliche Anfragen euerseits freuen.
Natürlich stehen euch auch immer die Dozenten und Professoren mit Rat und Tat zur Seite.

Willkommen an unserer Universität. Ich wünsche euch eine akademisch bereichernde, jedoch doch auch anderweitig einzigartige Zeit.

Beste Grüße,

Christian

 

Eintrag von Christian, Masterstudium Regenerative Energietechnik, 26.01.15