Authentizität auf europäischer Bühne: Ein Erfahrungsbericht

Blofartikel_1Am Ende jedes meiner bisherigen Semester konnte ich auf ein langwierigeres Projekt zurückblicken, welches sich wie ein teils aufregender, teils anstrengender roter Faden durch mein Studentenleben zog. Mal war es das NMUN-Projekt des Instituts für Politikwissenschaft, das mir eine tolle Zeit in den USA bescherte, mal das (fast schon Standard gewordene) illusorische Vorhaben, tatsächlich die drei anstehenden Hausarbeiten fristgerecht abzuarbeiten. Eines hatten all solche Erfahrungen gemeinsam: Sie waren zeitaufwändig, nervenaufreibend und doch wichtige Puzzle-Stücke auf meinem weiteren Weg zum Bachelor.

Ein sehr großes dieser Puzzlestücke wollte ich in diesem Semester finden – in Form meines Pflichtpraktikums. Besonders das Berufsfeld des Consultings auf europapolitischer Ebene hatte es mir angetan und so suchte ich in den zahlreich vorhandenen Praktika-Börsen nach passenden Stellen. Gefühlte 100 Stunden erfolglose Recherche später wollte ich mein Glück dann aber nicht ausnahmslos nur Suchmaschinen und Erfahrungsberichten überlassen, sondern meinen Wunscharbeitgeber direkt per Initiativbewerbung kontaktieren.

„Bleiben Sie authentisch!“, diesen Leitspruch meines Bewerbungsratgebers las ich schließlich drei Wochen später inmitten Geschäftsreisender auf einem Linienflug nach Brüssel. Mein telefonischer Ansprechpartner hatte sich zuvor durch Umschreibungen wie „3D-Meeting“ aus irgendeinem Grund gescheut, dem Treffen seinen tatsächlichen Anspruch zuzuordnen. Tatsächlich sah ich mich mit meinem ersten (persönlichen) Vorstellungsgespräch konfrontiert – und das gleich auf der europäischen Bühne. Blofartikel_2Am Flughafen angekommen führte mich mein Weg direkt in das Brüsseler Diplomatenviertel, vorbei an den mehrsprachig-beschrifteten Straßenschildern hin zum Objekt meines Interesses: Dem Büro der BMW Group Konzernrepräsentanz.

Fast zwei Stunden später konnte ich zufrieden auf das Gespräch zurückblicken. Gelöst, aufgeschlossen und sympathisch hatten sich die fünf Interviewer mir zugewendet und ich hatte meinerseits versucht, mir treu zu bleiben und authentisch zu wirken. Die Entscheidung für oder gegen mich sollte am nächsten Abend fallen und so nutzte ich die Chance und nahm mir ein Zimmer in einem kleinen Hotel im Stadtzentrum. Der Bummel durch die Innenstadt, vorbei am Grand-Place und dem Trubel in den kleinen Seitengassen, den Pubs, den Frittenbuden und nicht zuletzt dem spürbar akzeptierten multikulturellen Leben überzeugte mich schnell, dass diese Stadt der „place to be“ für alle Politik- und Kulturinteressierte ist.

Blofartikel_3Nichtsdestotrotz musste ich schon am nächsten Tag mit Rollkoffer und Anzug („Im Koffer wäre der doch nur zerknittert!“) die Heimreise antreten. Daheim angekommen wartete ich auf den Entschluss des Konzernbüros, welches mich letztendlich aber enttäuschen musste. Hatte ich irgendwas falsch gemacht? Wohl kaum, denn authentisch war ich ;-).

Das Puzzle-Stück konnte ich dennoch vor ein paar Wochen finden – und zwar in Form eines Praktikums in einem Hamburger Forschungsinstitut für sicherheitspolitische Fragen. Mein diesjähriges Projekt hatte mir somit wieder einmal einen interessanten roten Faden beschert!

Eintrag von Benedict, Bachelorstudium Politikwissenschaft, 09.02.2015