Auslandserfahrungen in der Heimat

„Do you want to join us?“ Dieser Satz war die Eintrittskarte für eine Reise in eine andere Kultur, ohne aber tatsächlich die Koffer zu packen. Nachdem ich ein Semester im Ausland studiert hatte, war ich der festen Überzeugung, dass es keine andere Möglichkeit gäbe, fremde Länder und Kulturen zu erkunden. Doch ein Jahr später wurde ich tatsächlich eines Besseren belehrt.

 

Wie alles begann

Der Master Germanistik bietet die Möglichkeit Anglistik als Ergänzungsmodul zu wählen, womit meine Geschichte schon vor ungefähr zwei Jahren ihren Anfang nahm. Ich plante damals ein Semester im englischsprachigen Ausland, weshalb es naheliegend war, Vorlesungen des English Department zu besuchen. Am Tage des dafür vorgesehenen Placement-Tests begann mein erst einmal kurzer Ausflug in eine fremde Kultur, auf die sich kaum einer meiner Kommilitonen einließ. Nur wenige Minuten nach dem Einstufungstest fand ich mich mit einigen Erasmus-Studentinnen aus der Türkei in der Mensa wieder, was der Beginn einer langen Freundschaft war. Umso mehr überraschte mich am Ende ihres Aufenthalts die traurige Feststellung, ihre einzige deutsche Freundin zu sein. Ich konnte bereits zu diesem Zeitpunkt Erfahrungen mit Werten und Bräuchen der türkischen Kultur sammeln, die sich durch so viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit auszeichnet, wie sie in Deutschland vergleichsweise nur selten zu finden ist. Die traurige Stimmung, als der Abschied gekommen war, brauchte wohl niemand zu leugnen. Doch nun stand das langersehnte Auslandsstudium bevor und ich verbrachte die nächsten Monate in Irland – ein Erlebnis, das ich um keinen Preis missen möchte. Es war, als ob ein neues Leben begonnen hätte und ich tauchte in eine andere Kultur ein, begann sie Schritt für Schritt zu verstehen und vor allem zu schätzen. Solche Möglichkeiten, die Lebensweisen und den Alltag hautnah auf mich wirken zu lassen, konnte es doch in Deutschland gar nicht geben, ungeachtet meiner türkischen Freunde. Das dachte ich zumindest.

 

Ein Jahr später

Istanbul_Blog

Die Blaue Moschee in Istanbul

Seitdem ist ein Jahr vergangen, in der Zwischenzeit war ich ein weiteres Mal in Irland, aber auch in der Türkei, um meine in Chemnitz gewonnenen Freunde zu besuchen.

Ich schaue auf das Handy und glaube, meinen Augen nicht zu trauen: „I´m leaving Turkey now and I will reach Germany in two hours!!“ Im ersten Augenblick war ich einfach nur sprachlos, um dann einen Tag später der Einladung zu folgen „Do you want to join us?“. Ehe ich mich versah, begleitete ich Güliz zu Freunden von ihr und realisierte erst wenige Meter, bevor wir unser Ziel erreichten, dass mich gleich Menschen, die ich noch nie gesehen hatte, beköstigen und mir mit einer unglaublichen Freundlichkeit und Offenheit gegenüber treten würden, womit ich an diesem Abend ganz und gar nicht gerechnet hatte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wie das indische Gericht zu essen ist und einer kurzen Einführung, wie der türkische Tee zubereitet wurde, entwickelten sich diese Stunden zu einen der unvergesslichsten in diesem Semester.

Wenn ihr mit Offenheit und einer Spur Neugier für fremde Kulturen über den Campus der TU lauft, werdet ihr Menschen treffen, deren Bekanntschaft ihr am Ende um keinen Preis missen möchtet…

 

Eintrag von Beatrice, Masterstudium Germanistik, 02.03.2015