Lange Suche, schnelles Glück

Hamburg, meine Perle – Zwei Monate Hansestadt!

Das allseits bekannte Pflichtpraktikum kann für viele Bachelorstudierende gleichsam als belastende Zusatzforderung auf dem Weg zum angestrebten Abschluss oder aber als willkommene Abwechslung zu all jenen Theorie-Predigten des Uni-Alltags wahrgenommen werden. Zum Beginn stellt sich stets die Frage des wo, wie und wann. Nach zahlreichen Recherchen, Bewerbungsschreiben und Beratungsveranstaltungen des Internationalen Universitätszentrums (IUZ) sah ich mich vor allem einer zentralen Frage konfrontiert: Sollte ich vielleicht doch von vornherein den Sprung in eine global aktive Organisation – obendrein vielleicht mittels des renommierten Faktors „Auslandserfahrung“ – wagen? Im Berufsfeld der Politikwissenschaft gibt es bekanntlich einige Standorte, welche die Sehnsucht nach einem Einblick in das aktuelle politische (Welt-)Geschehen erfüllen können. Doch egal ob Berlin, Brüssel oder gar Übersee: Für meinen Wunsch eines forschungsorientierten Praktikums, kombiniert mit der sympathischen Atmosphäre einer weltoffenen Stadt, konnten all diese Standorte das Profil meines persönlichen Wunschpraktikums nicht erfüllen. Aus heutiger Sicht schätze ich mich daher sehr glücklich, dass sich mein Blick weg von der teilweise vielleicht verengten Suche nach einem „Prestige-Praktikum“ hin in den Norden unserer Republik bewegte – hinein in das „Venedig des Nordens“, der Hansestadt Hamburg.

Und so sitze ich nunmehr seit zwei Wochen in einem Büro des „Institutes für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (IFSH)“ und analysiere die zurückliegende Medienberichterstattung zur Ukraine-Krise. Zugegebenermaßen mehr durch Zufall als durch zielgerichtetes Interesse bin ich hier in Hamburg-Altona gelandet, in einem eher kleinen Forschungsinstitut mit umso größerer Wirkungskraft. Egal wo in der Welt politische oder ethnische Konfliktherde auszubrechen drohen und zielgerichtete, interdisziplinäre Konfliktanalysen mehr Entscheidungsspielraum bieten können als rohe militärische Reaktionen, ist das IFSH als einer der führenden Ansprechpartner auf diesem Gebiet in beratender Funktion zur Stelle. Für mich als an der Dynamik internationaler Beziehungen Interessierten gewährt diese Arbeit eine äußerst wertvolle Horizonterweiterung im Hinblick auf das tägliche Weltgeschehen. Egal ob die Nichtverbreitungsstrategien bezüglich Nuklearwaffen, das schmerzlich aktuelle Thema maritimer Sicherheit und Flüchtlingspolitik oder ein sich wandelndes Bild der Kriegsführung hin zur Verwendung von Informationstechnik („Cyberwarfare“) – all solchen Themengebieten gilt der Versuch, neue Einordnungskonzepte und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

Hamburg_Blog

Der Hamburger Hafen

Heimliches Highlight meiner Zeit hier in Hamburg ist jedoch bereits jetzt die Stadt selbst. Sieht man vom katastrophalen Umgang im Straßenverkehr und dem unüberbrückbar scheinenden Konflikt zwischen Auto- und Radfahrern einmal ab, stellt die Hansestadt die mir persönlich bis dato liberalste und offenste Gesellschaft dar. Berührungsängste oder die doch so bekannte städtische Anonymität bekommt hier niemand zu spüren, der es nicht unbedingt darauf anlegt, denn: Angesprochen wird man immer, abgewiesen nie. So kann es schon einmal passieren, dass man bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel mehr über einen fremden Menschen kennenlernen darf, als dies bei einem längeren Kneipenbesuch der Fall ist. Positiv auf die alltägliche Stimmung wirkt sich jedoch auch die Lebendigkeit Hamburgs aus. Ein stimmungsreicher Abend auf der Reeperbahn, ein Spaziergang entlang der Landungsbrücken, ein frühmorgendlicher Ausflug auf den zu zehntausenden gefüllten Fischmarkt – es stellt sich trotz des oft kalten Windes ein sofortiges Wohlgefühl ein. Einziger Wehrmutstropfen bleiben die vergleichsweise hohen Miet- und Lebenshaltungskosten. Hat man die langwierige Suche nach einem relativ kurzzeitigen Quartier erfolgreich beendet, bleibt es offen einen für den durchschnittlichen studentischen Geldbeutel angemessenen Lebensstil einzurichten. Hierzu offeriert die Stadt Hamburg jedoch hilfreiche Ratschläge etwa zur Wohnungssuche unter http://www.hamburg.de/wohnen-auf-zeit/. Auch gezielte Beratungsangebote der TU Chemnitz bezüglich Art und Ort von Praktika erweisen sich rückblickend als wertvolle Entscheidungs- und Motivationshilfe. Nahende Veranstaltungen des IUZ wie „Auslandspraktikum mit Erasmus+“ am 20.Mai sowie „Wege ins Ausland – Auslandssemester und –praktikum“ am 17.Juni könnt ihr etwa unter https://www.tu-chemnitz.de/international/ einsehen.

Zurückblickend auf meine bisherige Zeit muss ich eine dringende Empfehlung aussprechen für all jene Studierende der TU Chemnitz, welchen den Sprung ins Ausland oder die ganz großen „Hotspots“ noch nicht unternehmen wollen oder nicht können. Die Hansestadt bietet viel für jeglichen Fachbereich, vor allem jedoch ihren unverwechselbaren Charakter und eine unbestreitbar hohe und erfüllende Lebensqualität!

 

Eintrag von Benedict Wendler, Bachelorstudiengang Politikwissenschaft, 13.05.2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.