Zu Besuch in der „goldenen Stadt“ Prag

10428173_775552959231271_1128686925220102224_o

Die Stadt an der Moldau, mit ihren vielen verwinkelten Gässchen und historischen Bauten in der Altstadt, zaubert mir jedes Mal wieder ein Leuchten in die Augen. Die Stadt, die in der Vergangenheit bereits so oft Schauplatz bedeutender Ereignisse war und zeitweise sogar als politisches und kulturelles Zentrum Mitteleuropas galt, wirkt so faszinierend auf mich, sodass ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen sollte, mein zukünftiges Leben vielleicht in Prag zu verbringen. 😉

Im Studiengang der Europäischen Geschichte an der Technischen Universität Chemnitz ist eine mehrtägige Exkursion an einen besonders geschichtsträchtigen Ort fester Bestandteil des Studienablaufplans. Dieses Mal ging es für fünf Studierende der Europäischen Geschichte und der Europa-Studien für drei Tage in die Landeshauptstadt der Tschechischen Republik. Initiiert und geleitet wurde diese von Dr. Alice Hanáková, Lektorin für tschechische Sprache an der TU Chemnitz.

Frau Hanáková, die erst seit diesem Sommersemester an unserer Universität lehrt, ist insbesondere für alle Studierende, die großes Interesse an Tschechien hegen, eine Bereicherung. So können Studierende der Europa-Studien oder der Europäischen Geschichte und auch Interessierte anderer Studiengänge dieses Semester verschiedene Seminare zu Themen wie Landeskunde und Geschichte Tschechiens oder Tschechische Literatur besuchen. Des Weiteren lehrt sie am Zentrum für Fremdsprachen ihre Muttersprache Tschechisch.

Wenn man sich daher mit der Tschechischen Republik sowohl auf der sprachlichen als auch auf der geschichtlichen und kulturellen Ebenen beschäftigt, liegt es nahe, eine Exkursion in deren Landeshauptstadt zu planen, um all das theoretische Wissen auch mit selbstgewonnenen Eindrücken zu untermauern: So fuhren fünf Teilnehmer des Kurses Landeskunde und Geschichte Tschechiens kurzerhand am Wochenende nach Prag.

Dafür trafen wir uns am Freitag pünktlich um 8:00 Uhr am Chemnitzer Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach Dresden. Nach einer kurzen Aufenthaltsdauer stiegen wir dann in den Student Agency Bus und kamen am späten Vormittag am Prager Busbahnhof an. Dort erwartete uns unsere Dozentin bereits und führte uns zu unserem nahegelegenen Hotel, um einzuchecken. Danach ging unsere Erkundungstour durch die Prager Altstadt los. Frau Hanáková, die bereits seit vielen Jahren in der Tschechischen 11406155_775551269231440_1936683166720745314_oLandeshauptstadt wohnt und deren Herz sichtlich für diese Stadt schlägt, führte uns durch viele kleine Gässchen und zeigte uns so manch historische Bauten, an denen man als ganz normaler Tourist sicher einfach vorbeilaufen würde. Nach dem Mittagessen, das wir in einem Restaurant mit typisch tschechischem Essen zu uns nahmen, besuchten wir Josefov (zu deutsch: Josefstadt), einen Stadtteil der Prager Altstadt, der im 13. Jahrhundert per Königserlass zum Jüdischen Viertel bestimmt worden war. Dort besichtigten wir neben der Spanischen Synagoge, der Pinkas-Synagoge und der Altneu-Synagoge, die die älteste unzerstört erhaltene Synagoge in Europa ist, auch den alten Jüdischen Friedhof.

Am Abend gingen wir dann wieder zusammen zum Essen und bestellten neben deftigem Essen natürlich České pivo (tschechisches Bier). 🙂 Auch Frau Hanáková leistete uns bis zum Ende des Abends Gesellschaft und trotzte der Müdigkeit mehr als so manch einer von uns Studierenden.

Am nächsten Tag besuchten wir erneut die historische Altstadt mit ihren beeindruckenden Bauten. Von den must-have-seen-places wie dem Altstädter Ring, auf dem das Altstädter Rathaus mit seiner Astronomischen Uhr seine Besucher immer wieder zu jeder vollen Stunde in den Bann zieht oder der historisch bedeutenden Karlsbrücke aus dem 14. Jahrhundert trugen uns unsere Füße auch in die kleinsten Gässchen, in der wir viele interessante Sehenswürdigkeiten bestaunen konnten und auch den ein oder anderen Drehort der amerikanischen Hollywoodproduktion xXx – Triple X wiedererkannt haben wollen. 😉

Auch den Königsweg, den all die Könige in den letzten Jahrhunderten auf dem Weg zu ihrer Krönung zurückgelegt haben, um sich vom Volk bejubeln zu lassen, beschritten wir andächtig und zum Teil jedoch etwas außer Atem – wir sind halt doch nicht mehr die Jüngsten. 🙂 Die Aussicht, die wir danach auf dem Hügel der Prager Burg auf die Stadt hatten, ließ uns jedoch die mühevolle Wanderung unter der heißen Junisonne sofort wieder vergessen.

Fazit: Man kann noch so oft in ein und dieselbe Stadt reisen – in meinem Fall war es jetzt der neunte Besuch innerhalb des letzten Dreivierteljahres in der tschechischen Landeshauptstadt – und dennoch sieht man die Stadt jedes Mal aufs Neue aus einem anderen Blickwinkel. Prag hat für mich noch lange nichts an Attraktivität eingebüßt und ich werde sicher bald wieder ein Wochenende dort verbringen. Dann werde ich mich allerdings erst gegen Abend auf den Weg zur Burg machen. Erst bei Sonnenuntergang leuchten die Türme der Prager Burg wunderschön, die Kaiser Karl IV. vor Jahrhunderten vergolden ließ, und auch all die Dächer funkeln dann im Abendrot. Dieser Blick über die Dächer Prags ist unbezahlbar. Deshalb wird die Stadt Prag wahrscheinlich auch als die Goldene Stadt bezeichnet. Wir Studierende vom Kurs waren uns jedoch einig, dass die Stadt Prag auch bereits aufgrund ihres leckeren Bieres diesen Titel verdient hat. Das tschechische Bier leuchtete nämlich auch in der dunkelsten Kneipe golden und ließ unsere Gesichter jeden Abend aufs Neue erstrahlen.

 

Eintrag von Lisa, Bachelorstudium Europäische Geschichte, 02.07.2015

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.