Globale Diplomatie hautnah: Das Chemnitz Model United Nations 2016

Resolutionen, Mandate, Komitees: Die Vereinten Nationen rücken nicht nur interessierten Zuschauerinnen und Zuschauern von Tagesschau, Tagesthemen und Co. ins tägliche Blickfeld. Wann immer sich global bedeutsame Themenfelder auf der Agenda dieser Organisation wiederfinden, kommt man nicht umhin, internationale Konfliktzonen auf sich wirken zu lassen. Wir halten einen kurzen Moment inne, wenden uns alsbald jedoch wieder ab, nachdem offizielle Vertreterinnen, Vertreter sowie allerlei Prominenz dringliche Appelle an die Mitgliedstaaten gerichtet haben. Das eigentliche Konstrukt „Diplomatie“, dessen Regularien, Verfahren und Hintergründe bleiben dem hingegen oft unterbelichtet. Umso wichtiger also zu erfahren, in welcher Weise Entscheidungen über uns alle betreffende, komplexe Angelegenheiten wie den Klimawandel oder Menschenrechte getroffen werden.

Ebendiesem Zweck dienen sogenannte „Model United Nations (MUN’s)“. Rund um den Globus erweitern solche Simulationen den Horizont von Studierenden im Selbstversuch. Als offizieller Repräsentant eines Staates müsst ihr euer Verhandlungsgeschick, eure Kompromissbereitschaft sowie fachliche Kompetenz in einem themenspezifischen Komitee beweisen. Die Auswahlmöglichkeit an zu vertretenden Ländern sowie zu behandelnde Themenspektren variieren dabei je nach Größe und Standort der Simulation. Zwar können die meisten Ableger bezüglich Umfang und Teilnehmerzahl nicht mit der Atmosphäre eines „National Model United Nations (NMUN)“ in New York oder “The Hague International Model United Nations (THIMUN)” in Den Haag konkurrieren. Dennoch muss man nicht gleich eine lange und zum Teil kostspielige Reise antreten, um einer solchen Simulation aktiv beizuwohnen.

So bietet zum wiederholten Male auch die TU Chemnitz dank studentischer Unterstützung das sogenannte „Chemnitz Model United Nations (ChemMUN)“ an. Vom 14. bis 17. Januar nächsten Jahres habt ihr hier an der Universität die Möglichkeit, eigene Lösungsvorschläge für anspruchsvoll ausgearbeitete Problemfelder zu erarbeiten. Zwar stehen die genauen Themen noch nicht fest, mit gleich vier Komitees sowie ca. achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern verspricht das Chemnitz Model United Nations jedoch eine äußerst authentische Präsentation. So besteht je nach Ressortpräferenz die Möglichkeit, sich in der „General Assembly“ (UN-Vollversammlung), dem „Security Council“ (UN-Sicherheitsrat) oder zwei spezifischer „Joint Crisis Committees“ zu registrieren. Letztere kreieren bezogen auf die nahe Zukunft fiktive, jedoch nicht minder anspruchsvolle Konfliktszenarien im südwestasiatischen Raum.

Selbstverständlich ist Interesse an globalen politischen, ökonomischen sowie kulturellen Strukturen bei der Erarbeitung solcher Thematiken von großem Vorteil. Nicht abzusprechen ist ebenso eine grundlegende Kenntnis der englischen Sprache, zumal während der Sitzungen ausschließlich mittels dieser kommuniziert wird. Perfektes Diplomatenenglisch erwartet dennoch niemand! Vielmehr ist eine englischsprachige Organisation angesichts des angestrebten internationalen Teilnehmerpools sowie zu Gunsten von Authentizität und professionellem Anspruch unabdingbar. Die wahre Herausforderung beziehungsweise der eigentliche Reiz liegt ohnehin an anderer Stelle: Ebenso wie in realen Sitzungen der Vereinten Nationen müssen offizielle Regularien bezüglich Ablauf, Abstimmung sowie Verhandlung, die sogenannten „Rules of Procedure“, eingehalten werden. Selbige erscheinen anfangs recht komplex, etwa die korrekte Anwendung prägnanter Formulierungen. Alles in allem vermitteln solche Regularien jedoch das nötige Handwerk, um konstruktiv an einer anspruchsvollen Debatte teilzunehmen. Habt ihr diese „Hürden“ gemeistert, könnt ihr schließlich all eure gesammelten Ideen und Standpunkte in Form einer Resolution nach Vorbild der Vereinten Nationen manifestieren.

Sicher, Simulationen solchen Anspruchs und Umfangs erfordern nicht nur bloßes Interesse, sondern auch reichlich Engagement und Einsatz. Sobald ihr euren zu repräsentierenden Staat in Verbindung mit einem der genannten Komitees erhaltet, beginnt die themenspezifische Recherche. Ziel ist es ja schließlich, Interessen des eigenen Landes zur Sprache zu bringen und schlussendlich wenigstens in Teilen durchzusetzen. Selbstverständlich erhaltet ihr auch hierbei Hilfe. So arbeitet das Organisationsteam sognannte „Background-Guides“ zu jedem Thema und Komitee aus, welche euch anhand allerlei Hintergrundinformation an die Materie heranführen und somit den Einstieg erleichtern.

Euch genügt das Argument inhaltlicher und prozessualer Kompetenzgewinnung im Rahmen der Konferenz nicht? Wie wäre es mit weiteren, in deren Ablauf automatisch abgefragten „soft Skills“: Fairer Umgang mit Andersdenkenden, rhetorisches Auftreten, Verhandlungskompetenz. Das Chemnitz Model United Nations bietet einen umfangreichen, realitätsnahen und somit professionellen Einblick in die Arbeit der Vereinten Nationen und lässt euch all jene Facetten internationaler Diplomatie entdecken, welche Seminare und Medienwelt nicht vermitteln können!

Informationen bezüglich Registrierung, Themen, Ablauf und Unterbringungsmöglichkeiten sind unter folgendem Link zusammengefasst: https://www.tu-chemnitz.de/chemmun/. Weitere Fragen, egal ob allgemein zur Idee des Models United Nations oder speziell in Bezug auf die ChemMUN, beantworte ich euch sehr gerne! Aufgrund meiner eigenen, äußerst positiven Erfahrung mit MUN’s kann ich euch unabhängig der Studienrichtung eine Registrierung für das Chemnitz Model United Nations schlussendlich dringend empfehlen.

 

Eintrag von Benedict, Bachelorstudium Politikwissenschaft, 12.11.2015

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