Einmal auf der anderen Seite stehen

Geldmangel ist bei Studenten keine seltene Sache. Auch, wenn man nicht auf BAföG angewiesen ist, kann eine Arbeit neben dem Studium sinnvoll oder sogar notwendig sein, wie bereits erläutert wurde.

Auf eine dieser Möglichkeiten möchte ich etwas näher eingehen. Wie wäre es denn beispielsweise, wenn man eine Lehrveranstaltung besucht, jedoch diesmal nicht zwischen den Reihen sitzt, sondern vorn steht?

Die Suche nach solch einer Gelegenheit führt in den meisten Fällen zu den richtigen Mitarbeitern. In meinem Falle gab es sehr rasch einen Treffer: Unser Fakultätsrechen- und Informationszentrum hält die Veranstaltung „Grundlagen der Informatik“. Über dessen Leiter und den FSR habe ich bereits mehrmals die Gelegenheit erhalten, anderen Studenten mit dem Lehrstoff behilflich zu sein. Nun jedoch ergab sich die Möglichkeit, eine Übung selbst durchzuführen.

Vom Stoff her ist es zumindest aus meiner Sicht kein Problem und die Stelle als HiWi (Wissenschaftliche Hilfskraft) wurde vom Verantwortlichen der Lehrveranstaltung schnell bewilligt. Der bürokratische Teil des Ganzen sei an dieser Stelle ausgeklammert.

Wie aber funktioniert das genau, eine Übung zu leiten? Normalerweise sitzt man als Student nur drin und lässt sich berieseln. Der da vorne macht das schon irgendwie, also kann das ja nicht so schwer sein. Es sieht doch ganz einfach aus.

Zunächst einmal ist es natürlich wichtig, sich vorzubereiten. Auch, wenn man den Stoff noch so gut verstanden hat, ist es bei weitem nicht dasselbe, wie wenn man diesen nun vermittelt. In „meinem“ Fach geht es um eine grundlegende Einführung in die Programmierung. Daher sind hier beispielsweise ein paar Vorbereitungen am Rechner sinnvoll, die sich an der Tafel ergänzen lassen.

Der Gedanke jedoch, das Ganze nun ernsthaft zu unterrichten, ist dann doch etwas überwältigend: Ich als kleiner Student mal eben als Lehrkraft! Jede Woche vor so vielen Leuten? Ich bin froh, wenn ich so etwas einmalig für 30 Minuten schaffe. Jetzt plötzlich wöchentlich 90 Minuten lang.
Wenn ich das nicht richtig erkläre, fallen die Studenten durch die Prüfung. Wenn sie durchfallen, haben sie keinen Abschluss. Wenn sie… gut, lassen wir das.

Die positiven Aspekte haben dann doch überwogen. Es ist immerhin eine tolle Möglichkeit, Leute kennenzulernen und sich weiterzuentwickeln – oder wie der Dozent sagte, „souveräner“ zu werden. So war es dann auch im Laufe des Semesters. Anfangs lief es noch ganz schön holprig, wurde aber immer besser. Dieser Eindruck wurde mir am Ende des Semesters auch bestätigt. Wenn man gut vorbereitet ist, gibt es ja objektiv keinen Grund, panisch zu werden.

Die Fähigkeit, mit solch einer Situation umzugehen, lässt sich nicht erwerben, indem man nur Bücher darüber wälzt. Auch ein (eventuell kostspieliges) Seminar ist, so finde ich, nur bedingt eine Lösung. Der reale Einsatz ist etwas anderes als eine Simulation. Doch gerade sich nicht von der erhaltenen Aufmerksamkeit aufregen zu lassen (na gut, meine Übung war 7:30 Uhr) hilft mit der Zeit automatisch, tatsächlich souveräner zu werden: Beim Überlegen, wie man den Stoff verständlich macht; beim Erklären, ohne ständig auf die Notizen zu gucken; und vor allem beim Umgang mit Fragen.

Zum Semesterende blieb noch die Ehre der Klausuraufsicht und die Arbeit war getan. Alles in allem werde ich nächstes Jahr versuchen, die Stelle wieder anzutreten. Euch kann ich definitiv raten, eine Gelegenheit wie diese zu nutzen und es auszuprobieren. Es hilft, sich menschlich weiterzuentwickeln und man verdient sogar Geld dabei.

 

Eintrag von Michael, Masterstudium Informatik, 20.04.2016

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