Motivation, wo bist du?

„Ahhh, wie fange ich an?“. Diese Frage hat sich wahrscheinlich jeder Student schon hundertmal im Verlauf seines Studiums gestellt. Egal, ob sich dieses Anfangen darauf bezieht, dass man für eine Klausur lernen, eine Hausarbeit schreiben oder eine Präsentation vorbereiten sollte − immer wieder entpuppt sich der Prozess des Loslegens als Hürde, die es erstmal zu meistern gilt.

Um das zu beweisen, bedarf es lediglich eines Blicks in die Tiefen des Internets. Auch hier, in der Hochburg der Prokrastination, wird sich mit dem Problemkind Motivation beschäftigt. Einige Auszüge zur Verdeutlichung:

„Manchmal vermisse ich meine Motivation ja schon irgendwie. Ich hoffe es geht ihr gut da, wo sie jetzt ist…“

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„Meine Motivation und ich haben Beziehungsprobleme und leben gerade getrennt.“

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„Oh, da läuft meine Motivation nackig mit ’nem Cocktail über die grüne Wiese.“

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Ja und kann man sich selbst dann tatsächlich für das Überschreiten der Schwelle „Anfangen“ applaudieren, kommt einem schon die nächste Herausforderung in den Weg: Durchhalten. Wir Studenten haben es schon schwer. Aber irgendwie schaffen wir es ja dann doch, sonst hätte wohl noch niemand seinen Abschluss geschafft. Also, wie funktioniert das mit dieser mysteriösen Motivation? Ich kann hier nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, vielleicht läuft das bei anderen Studenten auch ganz anders ab. Jeder hat schließlich einen individuellen Schweinehund, den es auszutricksen gilt.

Meine momentane Aufgabe trägt den großen und mit vielen Erwartungen behafteten Titel „Bachelorarbeit“. Im sechsten Fach- und achten Hochschulsemester habe nun also auch ich die Abschlussphase meines Bachelorstudiums Psychologie erreicht. Zu meiner Erleichterung bin ich durch ein Forschungsprojekt sozusagen in mein Thema reingerutscht und musste nicht erst von Professur zu Professur ziehen und nach einem Thema plus Betreuung betteln. Mein erster Schritt in Richtung Bachelorarbeit bestand in der Transkription von Video- und Audiodaten, die als Basis für eine qualitative Analyse dienen sollten. Meine Aufgabe war damit zum Glück relativ eindeutig und eingegrenzt, was den sonst so gefürchteten Einstieg einfacher gestaltete. Das war aber auch schon das Beste an der ganzen Sache. Erstens bekam ich von meinem Betreuer eine recht knackige Deadline angesetzt und zweitens war die Aufgabe nunmal Transkribieren. Alle unter euch, die schon einmal selber die Freude einer solchen Aufgabe hatten, können mich vielleicht verstehen. Sechs Stunden Tonmaterial nicht allzu guter Qualität warteten also darauf, in Textform umgewandelt zu werden. Ich startete hochmotiviert mit Kopfhörern in den Ohren und Fingern an der Tastatur. Und dann kam mir der sächsische Akzent der Teilnehmer in die Quere. 😉 Am ersten Tag schaffte ich in vier Stunden gerade mal eine halbe Stunde des Tonmaterials. Da konnte ich mir die Gesamtdauer ja schnell ausrechnen und mich gruseln. Und es war nicht nur die Dauer, sondern auch die Natur der Aufgabe, die mich vor die Herausforderung stellte: Wie halte ich das durch und motiviere mich jeden Tag wieder aufs Neue?

  • Mein erster Schritt war meiner Meinung nach ein ganz wichtiger:
    Ich schreibe mir einen Zeitplan, wie viele Stunden ich an welchem Tag schaffen möchte bzw. sollte − meistens sogar mit einer ganz konkreten Zeitspanne. Alles habe ich natürlich ausgerichtet auf die Deadline und meine Arbeitsgeschwindigkeit (, die recht ernüchternd war und sich auch nicht steigerte). Da ich nebenher auch noch arbeite und sich vielerlei andere Termine in meinem Kalender tummeln, war dieser Schritt absolut notwendig. Somit wusste ich jeden Tag, was mein Pensum für heute sein würde, Anfang und Ende waren damit ganz klar abgegrenzt. Das Tolle an dieser Methode ist, dass man sich nach Erfüllen seiner angesetzten Stunden zufrieden und befreit fühlen kann. Ich wusste dann: Heute habe ich schon etwas für die BA geschafft, ich liege im Zeitplan und ich muss jetzt nicht mehr den ganzen Tag darüber nachdenken. Man sollte diesen Plan allerdings nicht zu straff ansetzen, sondern sich selbst realistisch einschätzen und auch genügend Pausen einplanen. (Also zum Beispiel nicht: Am Mittwoch schaffe ich acht Stunden.)
  • Ein weiterer wichtiger Punkt zum Erhalten der Motivation ist, dass man sich andere schöne Dinge vornimmt. Damit die Tage und Wochen nicht mehr nur noch aus Arbeiten und fleißig sein bestehen. Wir sind ja alle Menschen, deren Bedürfnis nach freier Gestaltung der eigenen Zeit sowie nach Unterhaltung zu einem bestimmten Grad ausgeprägt ist. Keiner ist ein reines Arbeitstier − und, wenn mir eine solche Person mal über den Weg laufen sollte, dann wäre ich äußerst misstrauisch. Also: Es ist vollkommen ok, nicht 24/7 nur zu arbeiten. Man darf bzw. man soll auch Freizeit haben, in der man sich mit anderen Dingen beschäftigt und seine Arbeit auch mal vergisst. Für viele Leute ist das zum Beispiel Sport. Da ich selber zugegebenermaßen nicht so die Sportskanone bin, bestand meine Freizeitgestaltung in den Wochen des Transkribierens eher aus Lesen, sich mit Freunden treffen, kochen und bei gutem Wetter in die Natur gehen. Also ich persönlich fand es ganz wichtig mir Highlights und Dinge vorzunehmen, auf die ich mich dann freuen konnte. Und nicht jeden Abend nur mit der Aussicht auf rasantes Tippen und unverständliche sächsische Sätze ins Bett zu gehen. 😉
  • Ein großer Motivator ist bei mir persönlich das schlechte Gewissen. Dieses treibt mich immer wieder an, auch wenn sich die Lust und Laune gerade irgendwo unten im Keller befindet. Andere Leute schaffen es ja anscheinend teilweise sehr gut, ihr schlechtes Gewissen auszuschalten oder zu verdrängen. Mir gelingt das als Durchschnittsstudent glaube ich relativ schlecht, was mir in solchen Angelegenheiten aber zu Gute kommt. Deswegen quäle ich mich auch am Wochenende vor acht Uhr aus dem Bett und setze mich an den Laptop. Natürlich nicht jedes Wochenende, sondern wenn es eben nötig ist und sich das schlechte Gewissen aufgrund der Umstände ein großes Mitspracherecht einräumt. Man könnte sagen, es ist so etwas wie eine Hass-Liebe mit dem schlechten Gewissen und mir: Es hilft mir dabei, so etwas wie eine Deadline einzuhalten, aber es ist schon auch ein anstrender Begleiter, der einem die Freizeit ein bisschen vermiesen kann und sich gerne im Kopf einnistet. Ich denke ein gutes Verhältnis zwischen Tolerieren und Verdrängen ist dann doch manchmal ok. 😉
  • Ich habe einige motivierende Sprüche und Karten in meinem Zimmer hängen, die ich mir entweder selber gekauft oder geschenkt bekommen habe − wenn dann mal wieder eine Prüfungsphase anstand. Diese helfen mir tatsächlich manchmal, mich doch wieder aufzuraffen und an die Arbeit zu setzen. Das kann ich also nur jedem empfehlen − damit man sich eine motivierende Stimmung an seinem Arbeitsplatz schafft.
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  • Was insgesamt denke ich wichtig ist, ist es, sich ein gutes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen. Man sollte sich konkrete Zeiten zum Arbeiten vornehmen, aber auch immer genug Zeit für sich selbst und seine anderen Beschäftigungen einplanen. Wichtig: Sich dann auch mal belohnen, wenn man Arbeitsziele erreicht hat. 🙂 Der Schlüssel ist also denke ich vor allem ein gutes Zeitmanagement.

Ich bin mittlerweile mit dem Transkribieren fertig und bei einer anderen Aufgabe im Prozess meiner Bachelorarbeit angekommen. Und auch hier gilt es wieder sich zu motivieren und in kleinen, aber konstanten Schritten sein Ziel zu erreichen. 🙂

 

Eintrag von Elisabeth, Bachelorstudium Psychologie, 25.05.2016

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