Russland ist mehr als Wodka, Matroschkas und Putin!

Als Europastudentin 5 Tage Politikerin in Russland sein

Vor dem Roten Platz_Roter Platz im Hintergrund_Michael Kubitscheck

Roter Platz im Hintergrund (Foto: Michael Kubitscheck)

„Was kann ich überhaupt mit meinem Studium der Europastudien später mal anfangen?“ – Diese Frage stellt sich höchst wahrscheinlich jeder Europastudent früher oder später im Laufe seines Studiums und schon bei der Auswahl des Studienganges ist dies oft ein wichtiger „Faktor“. Ich kann euch beruhigen: Durch die Interdisziplinarität des Studiengangs und der Möglichkeit, diesen individuell durch die große Auswahl an Lehrveranstaltungen auf euch selbst zuzuschneiden, stehen euch nach dem Studium viele (Berufs-)Türen offen :-). Eine Möglichkeit wäre, die politische Karriereleiter zu erklimmen. Und wie in jedem anderen beruflichen Bereich auch, ist es nur von Vorteil, sich dort schon während des Studiums zu engagieren und aktiv miteinzubringen. – Doch wie?

Diese Frage stellte ich mir auch und machte mich in den unendlichen Weiten des Internets auf die Suche nach Projekten, die mich interessierten. Ich stieß auf das von der „Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch“ organisierte Projekt „11. Deutsch-Russisches Jugendparlament“, das vom 15. bis 20. November 2015 in Moskau stattfinden sollte. Moskau?! Russisch?! Parlament?! Klingt ja alles sehr verlockend – aber verstehen die anderen mich überhaupt, mit meinen nicht mal drei Semester alten Russischkenntnissen? Ich klickte zögerlich auf „Flyer Ausschreibung Jugendparlament_russisch“ und war ziemlich verblüfft, als ich sogar bei der russischen Version der Ausschreibung zwar natürlich nicht alles, aber dennoch die wichtigsten Fakten verstand.

Noch ein Vorteil der Europastudien also: Die Sprachkurse – egal, für welche der drei osteuropäischen Sprachen Tschechisch, Polnisch oder Russisch, man sich entscheidet – auch hier lernt man gezielt das Vokabular, was im Zusammenhang mit Studium, Ausrichtung und eventuellem späteren Beruf wichtig ist, um sich in solchen bestimmten Situationen verständigen zu können.

Ich beschloss also, mich für das Jugendparlament zu bewerben. Und siehe da: Der Aufwand hat sich gelohnt! Nach ein paar Wochen flatterte die Zusagemail in mein Postfach und ich durfte als eine von insgesamt 50 Jugendlichen aus Deutschland und Russland nach Moskau fliegen, um am 11. Deutsch-Russischen Jugendparlament teilzunehmen.

Blick auf den Roten Platz

Blick auf den Roten Platz (Foto: Julia Pfeiffer)

Wir teilten uns in Parteien und Ausschüsse auf und arbeiteten einen Gesetzesentwurf aus. Die zentrale Frage dabei war, wie die Jugendbeteiligung erhöht und gestärkt werden kann. Bei der Arbeit in den einzelnen Parteien und Fraktionen lernten wir die russische Sichtweise auf bestimmte, aktuelle Themen und die anderen Teilnehmenden an sich besser kennen.

Auch, wenn letztendlich der Gesetzesentwurf des Jugendparlaments mit 21 Zustimmungen, 21 Gegenstimmen und vier Enthaltungen nicht angenommen wurde, hat sich das Projekt allemal gelohnt:

Geschichtsmuseum (Foto: Julia Pfeiffer)

Geschichtsmuseum (Foto: Julia Pfeiffer)

Unabhängig von der Nationalität kam man miteinander ins Gespräch, diskutierte auch außerhalb der Plenarsitzungen und knüpfte neue Kontakte. Durch die Besichtigung der Staatsduma und die Treffen mit Vertretern der Gesellschaftskammer der Russischen Föderation, der Moskauer Stadtduma und des Zentrums für Jugendparlamentarismus waren direkte Einblicke in die politische Arbeit möglich und wir konnten Fragen zur Arbeit in der Politik und insgesamt zum Thema Jugendbeteiligung stellen.

Roter_Platz_Basilius-Kathedrale

Roter Platz, Basilius-Kathedrale (Foto: Julia Pfeiffer)

Beim Treffen mit Rüdiger von Fritsch, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, war schließlich noch viel Raum für die Diskussion über die aktuelle politische Situation und das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Insgesamt hat mir die Arbeit im Jugendparlament sehr viel Spaß gemacht und ich hatte dadurch die Möglichkeit, Einblicke in die Parlamentsarbeit, aber auch die russische Kultur, zu gewinnen sowie mein theoretisches Wissen aus dem Studium praktisch anzuwenden. In den Gesprächen mit den russischen Jugendlichen stellte man natürlich oft fest, dass die Weltbilder, Meinungen oder Auffassungen, was politische und kulturelle Fragestellungen angeht, sich oft von den westlich geprägten unterscheiden. Doch genau dadurch hat man die Möglichkeit, seine eigenen Gedanken neu zu hinterfragen und seinen Horizont zu erweitern.

 

Eintrag von Julia, Bachelorstudium Europastudien, 15.06.2016

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