Run pug, run!

Was würde man sich als typisch nüchterner Deutscher vorstellen, wenn man hört, dass jemand zu einem Mopsrennen gegangen ist? Man würde wahrscheinlich verwundert lachend den Kopf schütteln und sich fragen, ob der Gesprächspartner noch alle Tassen im Schrank hat. Doch nach mehrmaligem Beteuern und aussagekräftigen Bildbeweisen desjenigen, dämmert einem vermutlich langsam, dass es kein Scherz, sondern die leicht verrückte, aber doch sehr amüsante Wahrheit  ist. 😉

Denn ihr Lieben, es ist wahr! In Chemnitz gibt es nun schon seit vier Jahren ein Mopsrennen. Und es ist wirklich so simpel, wie man sich das vorstellt: Möpse rennen. Das wars. 😀 Nachdem ich es letztes Jahr leider nicht geschafft hatte, das Rennen zu besuchen, war es dieses Jahr aber höchste Eisenbahn. Also war lange im Voraus klar, dass ich und meine Freunde am Samstag, den 28. Mai 2016 auf diesem Hundeplatz in Wittgensdorf (ca. 20 Minuten mit dem Auto vom Campus) stehen und Zeuge dieses einmaligen Spektakels rennender Vierbeiner werden würden.

Als der Tag gekommen war, machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein zu fünft auf den Weg. Und was war das für ein Auflauf?! Insgesamt 2700 Besucher strömten in Scharen zum Eingangszelt, in dem einem passenderweise mit einem Mops-Stempel Einlass gewährt wurde.

Mopsrennen1

Unsere Mops-Stempel (Foto: Merle Spaan)

Wir konnten es anfangs gar nicht fassen, dass wirklich so viele Leute angereist waren (nach Autokennzeichen zu urteilen sogar aus Österreich!), um hier ihre Möpse rennen zu lassen oder als Zuschauer mitzufiebern. Insgesamt 183 Rennmöpse traten an diesem Tag in unterschiedlichen Altersklassen an. Wir kamen rechtzeitig zur Siegerehrung der „Babyklasse“, in der die jüngste Teilnehmerin (die kleine Hilde) gerade einmal drei Monate alt war. Sehr knuffig!

Bevor das nächste Rennen in der Altersklasse „Jungspunde“ beginnen sollte, schauten wir uns mal genauer an, was hier am Rande der Rennbahn so alles geboten war. Es gab natürlich Verpflegung für Herrchen und Besucher, aber auch für die Rennmöpse selbst, zum Beispiel Mops-Eis (gefrorenes Fleisch und Gemüse) zur Abkühlung bei dem heißen Wetter. Dabei half sicher auch das Planschbecken-Bällebad für die Vierbeiner. Außerdem gab es eine Spielwiese, an der die teilnehmenden oder auch nur besuchenden Hunde sich ohne Leine austoben durften, eine Unmenge an Ständen mit Produkten für Mops und Herrchen aller Art (also wirklich ALLER Art), eine Verhaltenstherapeutin für Hunde (da habe ich mir als Psychologin natürlich gleich an den Kopf gefasst) und einen Stand, in dem man seinen Mops auf einem barocken Hundesofa fotografieren lassen konnte. Kein Scherz. Was mich persönlich auch sehr amüsierte, waren die Fan-Teams von einzelnen Möpsen, die sogar mit einheitlichen Mops-Fanshirts zum Anfeuern angereist waren. Da merkt man erstmal, wie viel Leidenschaft hinter so einem kleinen, rundlichen, faltigen Hund doch stecken kann. 😉

Als es dann losging mit der Rennerei der „Jungspunde“, positionierten wir uns am Rande der 50-Meter-Rennbahn. Hier wurde meine Vorstellung erstmal nicht erfüllt: Ich dachte ursprünglich, dass die Möpse in einer Klasse alle gleichzeitig nebeneinander rennen würden. So war es aber nicht − das hätte höchstwahrscheinlich auch nie geklappt, weil sich die Teilnehmer dann alle gegenseitig abgelenkt hätten. Die Wirklichkeit sah dann so aus, dass jeder antretende Mops alleine rannte und seine Zeit gestoppt wurde. Naja wirklich alleine rannten sie dann doch nicht, da ihre Besitzer meist wegweisend mitsprinteten. Oder sie positionierten sich hinter der Ziellinie und animierten ihren kleinen Rennmops per Stimme oder in einigen Fällen auch mit einem zweiten Lock-Mops − und Leckerli natürlich. Diese fanden sich eigentlich in jeder Hand der anfeuernden Herrchen und Frauchen. Es gab also sehr unterschiedliche Varianten, wie das Team aus Mensch und Hund sich zusammensetzte, um gemeinsam die Bestzeit auf den 50m rauszuholen.

Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß, lachten und klatschten kräftig mit. Nach den „Junsgpunden“ kamen dann die „Halbstarken“, immer aufgteilt nach Weibchen und Männchen. Ach und was waren sie süß und drollig, die Möpse. 🙂 Man erkannte schnell, dass einige der vierbeinigen Teilnehmer dies nicht zum ersten Mal machten und auf jeden Fall eine vorbereitende Trainingsphase hinter sich hatten. Andere nahmen es dann doch nicht ganz so ernst, schnüffelten nach dem Startschuss erstmal an der Startlinie rum, ließen sich vom Publikum und den Fotografen ablenken und einer rannte kurz vor Erreichen der Ziellinie wieder ganz zum Anfang zurück. Seine Zeit lag dann bei über 30 Sekunden, aber dafür hatte er die Lacher natürlich auf seiner Seite. 😉 Der schnellste Mops meisterte die Strecke übrigens in nur 6,25 Sekunden − das würden wir Zweibeiner ziemlich sicher nicht schaffen!

Das Wetter machte den Hunden mit ihrem zerknautschten und nicht mehr vollfunktionalem Schnauzenbereich ein wenig zu schaffen. Man war also stets von Röcheln, Keuchen und Hächeln umgeben. Auf dem Hinweg trafen wir auf einen Mops, der Geräusche von sich gab, die ungelogen wie die einer Ente klangen. Es kam der Vorschlag auf, dass es bei so einer sportlichen Betätigung in Kombination mit der eingeschränkten Atmungsfähigkeit doch eigentlich eine Notfallstation mit Sauerstoffmasken für die Möpse hätte geben sollen. 😉

Apropos Wetter: Im fortgeschrittenen Stadium des Rennens erblickten wir am Himmel eine bedrohliche dunkle Wolkenwand, die schnell auf uns zuzog. Da machten wir uns wie viele andere Besucher ganz fix auf zum Auto, um vor dem aufziehendem Gewitter zu flüchten. Wir schafften es noch gerade rechtzeitig, während wir aus Chemnitz schon Berichte von Flüssen auf Straßen und Hagelkörnern erhielten. Unerklärlicherweise schafften wir es, auf dem Heimweg das Unwetter zu umfahren und kamen bei erneutem Sonnenschein wieder in Chemnitz an.

Ach, was war ich froh, auch endlich mal Beiwohner eines solch lustigen Mops-Spektakels gewesen zu sein! Ich kann es jedem nur empfehlen, der ein wenig Humor hat und Möpse einfach knuffig findet. Falls ich nächstes Jahr zu der Zeit nicht mehr in Chemnitz sein sollte, überlege ich mir wirklich, dass ich für dieses Ereignis extra anreise, um wieder Zeugin der rennenden Möpse sein zu können. 🙂

Übrigens: Bilder zum Mops-Rennen findet ihr auf folgenden Seiten:

→ https://www.facebook.com/PhotographiesAndMore/photos/?tab=album&album_id=625882920893164

→ http://www.loco-stylez.de/referenzen/projekte/mopsrennen-2016/

 

Eintrag von Elisabeth, Bachelorstudium Psychologie, 17.06.2016

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