Mein Umzug oder: Ich mache da mal lieber eine Liste.

Da ich mich in meinem sechsten Bachelorsemester und somit auf der Zielgeraden zu meinem ersten akademischen Abschluss befinde, standen diesen Sommer einige Entscheidungen an: Master – ja oder nein? Und wenn ja: in Chemnitz oder in einer anderen Stadt? Nach  einem enormen Aufwand für Masterbewerbungen in 10 Städten und stundenlangen Kriegsgesprächen mit meinem Freund, habe ich – oder besser gesagt wir – uns für einen Master in Chemnitz entschieden. Welch Erleichterung! Doch dies zog eine weitere Frage nach sich: Bleiben wir in einer WG wohnen oder ziehen wir zu zweit zusammen? Inspiriert durch die schier endlose Auswahl an passenden und erschwinglichen Angeboten auf dem Chemnitzer Wohnungsmarkt war dieser Entschluss kein schwerer. Und so unterschrieben wir Mitte August den Mietvertrag für unsere neue Wohnung zu zweit. Was war ich froh, als wir zwei so große, schwerwiegende Entscheidungen für die nahe Zukunft getroffen hatten. Ich dachte, jetzt ist die ganze Entscheiderei endlich vorbei und es kommt nur noch der Umzug. „Nur noch“, genau.

Die Planung

Unsere neue, renovierte Wohnung wurde uns wie ein unbeschriebenes Blatt übergeben – schön weiß, aber sonst vollkommen blank. Wir konnten natürlich einige Dinge und Möbel aus der WG mitbringen, doch schnell verlängerte sich die Liste mit noch benötigten Dingen. Schon viele Wochen vorher fingen wir also an, Teile unserer neuen Einrichtung über ebay Kleinanzeigen zusammenzusuchen. Wir sind schließlich Studenten und somit ständig auf der Suche nach Schnäppchen – gerne auch gebraucht. Doch besonders die Suche nach einer Einbauküche gestaltete sich recht schwer und zeitaufwendig. Im Endeffekt fanden wir dann aber sowohl eine Küche als auch einen Esstisch, vier Gartenstühle und zwei Schränke über das Portal. Wie viel Zeit wir dafür wohl investiert haben , die wir beim Geld eingespart haben? Ich denke es hat sich auf jeden Fall gelohnt. 🙂

Einige Dinge – wie ein Sofa – bestellten wir aber auch neu. Ich muss sagen, ein bisschen Rücklagen sind für so einen Umzug schon nötig, sonst sind einem da schnell die Hände gebunden. Man hat ja schließlich auch bestimmte Vorstellungen und Wünsche für die erste richtige Wohnung. Und der obligatorische Ikea-Einkauf schlägt ja meistens auch stark zu Buche (ja ich gebe zu, ich konnte mich in dieser Situation auch nicht zurückhalten 😀 ). Aber manchmal hat man dann ja auch noch ein paar nette Eltern in der Hinterhand, die einen ein wenig unterstützen.

Es mussten außerdem Nachmieter für unsere WG-Zimmer gefunden werden. Dafür mussten die Zimmer aber ja erstmal aufgeräumt, Wohnungsbilder bei Sonnenschein geschossen (das macht so viel mehr her 😉 ) und Anzeigentexte geschrieben werden. Da unsere WG aber sehr gemütlich und uninah ist, löste sich dieses Problem zum Glück schon nach wenigen Tagen in Form von zwei Nachmieterinnen in Luft auf. Wieder ein Punkt von der Liste zum Abhaken! Doch neben den Zimmern mussten auch die Verträge der WG (Strom und Internet), die auf meinem Namen liefen, gekündigt werden. Sowas nervt mich ja immer besonders, da ich eigentlich gar keine Lust habe, mich mit Bürokratiekram und Kündigungsfristen auseinanderzusetzen. Aber was muss, das muss! Und so brachte ich in Zusammenarbeit mit den anderen WG-Mitgliedern auch diese Hürde hinter mich.

Das Abschließen der neuen Verträge überließ ich größtenteils meinem Freund – eine gerechte Arbeitsteilung sollte in einer guten Beziehung denke ich schon drin sein 😉

Ein weiterer Planungspunkt war natürlich der Zeitpunkt und die Gestaltung des Umzugs selbst. Ab wann können wir in die neue Wohnung und wann müssen wir aus der alten raus? Zum Glück wurde uns ein recht großes Zeitfenster zwischen Aus- und Einzug ermöglicht – somit hatten wir hier schonmal keinen Zeitstress. Das konkrete Datum für den Umzug stand bald fest: Das Wochenende vom 16. und 17. September. Was fehlte dafür noch? Richtig: Umzugshelfer. Ein paar starke Arme – inklusive eines VW-Busses, dem Himmel sei Dank – erklärten sich kurz vorher zur Mithilfe bereit.

Ab dem 12. September konnten wir in die neue Wohnung und ab dann wurden fleißig Kisten gepackt. Unglaublich wie viel Kram sich in den dreieinhalb Jahren, die ich in der WG gelebt hatte, angesammelt haben! Ich verbrachte wesentlich mehr Zeit mit Aussortieren, Abbauen und Packen, als ich erwartet hatte.

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Hier sieht man übrigens die Entwicklung meines alten Zimmers – von prä- bis post-Umzug.

Eine generelle Erkenntnis dieses Umzugs war: Alles dauert in Realität länger, als man dafür einplant. Immer. Das lässt sich übrigens auch auf das Schreiben einer Bachelorarbeit übertragen, deren Abgabedatum ich jetzt schon dreimal nach hinten verschoben habe. Ich schiebe es auf den Umzug. 😉

Am Freitagabend, den 16. September, befand sich der Großteil meines Zimmers bereits in der neuen Wohnung. Es sollte die letzte Nacht in der WG sein. Schon ein komisches Gefühl, wenn man die meiste Zeit seines bisherigen Studentenlebens in dieser WG gelebt und darin so viele schöne Dinge erlebt hatte – und dann ist das auf einmal vorbei! Klar freute ich mich sehr auf die neue Wohnung, aber ein bisschen überfielen mich Nostalgie und Melancholie dann doch. Ich denke das ist aber erlaubt und solange man sich trotzdem Neues traut, ist ja alles gut. 🙂

Der Umzug

In den Tagen vor DEM Umzugswochenende schafften wir schon einige Teile mit dem Auto meines Freundes in die neue Wohnung. Ohne Auto kein Umzug, ganz klar – also war ich sehr froh, dass ich einen Autobesitzer an meiner Seite hatte. 😉 Am Samstag, den 17. September, holten die Umzugsjungs dann mit Auto und VW-Bus die Einbauküche ab. Sie hätte wohl keinen Millimeter größer sein dürfen! Ich baute währenddessen schon Möbel in der Wohnung auf und räumte Kisten aus. Insgesamt schafften wir übrigens mindestens 15 Kisten an Zeug rüber – wer hätte das gedacht?! Die Wände der Wohnung machten uns allerdings schnell einen Strich durch unseren Zeitplan: Man konnte nicht einfach mal schnell bohren, etwas aufhängen und sich dann freuen – oh nein! Die unberechenbaren Wände trieben Jungs und Bohrer fast in die Verzweiflung. Doch nach stundenlangem Fluchen und Versuchen wurde mittels spezieller Dübel und viel Spachtelmasse eine Lösung gefunden. Hurra! Ich hielt mich aus der ganzen Sache lieber raus, da ich sonst wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erlitten oder eine Schimpftirade gestartet hätte. Beides eher suboptimal an so einem stressigen Tag. Im Endeffekt schafften wir es aber doch bis zum Abend die Wohnung einigermaßen bewohnbar zu machen. Meine Mama spendierte den Helfern eine Runde Pizza und wir verbrachten eine gute erste Nacht in unserer ersten Wohnung.

Die „Nachwehen“

Ich schreibe diesen Artikel einige Tage nach unserem großen Umzugstag. Ich dachte, in der darauffolenden Woche könnte ich dann vielleicht ENDLICH mal wieder an meiner BA weiterschreiben. Aber Pustekuchen! An jedem Tag gab es etwas in der Wohnung zu erledigen. Das hatte ich so komplett falsch einkalkuliert – es soll mir eine Lehre sein! Eine ganze Wohnung einzurichten nimmt eben doch mehr Zeit und Mühe in Anspruch als ein einzelnes WG-Zimmer. Es ist immer noch nicht alles fertig (die Wände warten noch darauf, durch meine abertausenden an Bildern und Karten verziert zu werden), aber wir können kochen, duschen und haben WLAN – das muss erstmal reichen. 😀

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Wohnzimmer neue Wohnung

Doch nicht nur die neue Wohnung kostete meinen Freund und mich in den letzten Tagen farbspritzerviel Zeit, nein, auch die alte Wohnung beanspruchte noch etwas Zuneigung. Die Zimmer mussten geputzt, teilweise gestrichen und vom letzten Kram befreit werden. Das alles erledigten wir mit mehreren Autofahrten und meinen Streich- und Putzskills. Welch Triumph, als die Zimmer dann endlich sauber und leer waren! Wie groß der Raum, in dem man so viel Zeit verbracht hatte, plötzlich wirkte. Nach diesem langen Abnabelungsprozess fiel es mir dann aber nicht mehr schwer Abschied zu nehmen. 🙂

Ein schöner Nebeneffekt

katerWas ich bis jetzt gar nicht erwähnt hatte, aber was eigentlich das Schönste während der letzten Wochen war, sind unsere beiden kleinen Kater, die seit Ende August bei uns wohnen (erst in der WG und jetzt in der neuen Wohnung). Sie sind zum Glück sehr unkompliziert und haben auch die neue Wohnung sofort als ihr Zuhause angenommen. Die Streichelpausen mit den beiden und ihr lustiges Gemüt machten diese stressige Phase des Entscheidens, Planens, Packens, Umziehens und Einrichtens dann definitiv ein wenig erträglicher. 🙂

Ich kann also jedem für seinen nächsten Umzug raten: Immer mehr Zeit einplanen, als man denkt. Und immer schön Listen schreiben. 😉 Ich habe noch nicht alle Punkte auf meiner abgehakt, aber ich arbeite jeden Tag weiter daran!

 

Eintrag von Elisabeth, Bachelorstudium Psychologie, 30.09.2016

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