Vom Äquator zum Polarkreis

Nach dem Abitur in NRW im Sommer 2013 ging es nach einem Monat Taizé in Frankreich mit „Musiker ohne Grenzen“ für einen musikalischen Freiwilligendienst nach Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. Kurz nach meiner Ankunft brach ich schon zur ersten Reise in die Hauptstadt nach Quito auf und von dort machten wir einen Tagestrip zu einem bekannten Touristenziel. Ende Oktober 2013 konnte ich also stolz von mir behaupten, die „Mitad del Mundo“ (span. ‚Mitte der Welt‘) besucht zu haben.

Hätte mir damals jemand erzählt, dass ich beinahe exakt drei Jahre später den Polarkreis im finnischen Lappland überschreite, hätte ich dieser Person vermutlich erstmal einen Vogel gezeigt und dann gefragt, wie ich denn zu diesem Glück komme. Doch genau so war es!
Nach einer wunderbaren Zeit in Ecuador ging es im Frühjahr 2014 zurück nach Deutschland, pünktlich zum Maifeiertag saß ich bei meinen Eltern im Münsterland und genoss Spargel mit Patacones (das sind frittierte Kochbananenscheiben). Leider hatte mich im Ausland kein Geistesblitz überkommen, was ich denn studieren sollte. Das war enttäuschend, hatte ich doch so sehr darauf gehofft, nach dem Ausland mit guten Ideen dazustehen. Falsch gedacht! Man muss nämlich ganz schön aktiv recherchieren, was es alles für Studiengänge gibt. Beziehungsweise muss man einen Weg finden, irgendwie mit der Informationsflut umzugehen, die einem nach dem Schulabschluss von Seiten der Lehrer, Zeitschriften, Eltern, Geschwister, älteren Freunde und dem Internet entgegenkommt. Letztendlich saß ich mit meiner Familie im Urlaub und schickte wild Bewerbungen an Universitäten, die quer über Deutschland verteilt lagen. Ich hatte kein Spitzenabi, doch trotzdem bekam ich ausschließlich Zusagen als Antwort, also musste ich doch noch selbst entscheiden. Wie soll das bitte gehen? Der Bauch! Ja, genau. Ich las mir die Beschreibungen durch, checkte Mietpreise sowie ein paar Seiten im Internet und am Ende blieb Interkulturelle Kommunikation in Chemnitz auf dem nun sehr chaotischen Blatt stehen, welches zur Lösungsfindung beitragen sollte. Genau so chaotisch wie dieses Blatt war auch meine Wohnungssuche. Ohne zu wissen, wie groß und vielfältig die Auswahl in Chemnitz ist, setzte ich mich an einem Wochenende in eine Mitfahrgelegenheit gen Osten und fuhr von zuhause in Warendorf zum ersten Mal die etwa viereinhalb Stunden in meine zukünftige Heimat. Ich nahm mir zu viele Besichtigungstermine vor, war völlig verwirrt von den Bussen, es regnete und mir war kalt. Am Ende gab es jedoch eine Liste mit einigen schönen Zimmern und netten Leuten, mit denen ich gerne zusammenwohnen würde. Gut einen Monat später begann dann das Studium. O-Woche, meine erste und einzige Semesterauftaktparty in der Mensa, Zimmer einrichten, Freunde finden, Lieblingsseminare küren, im StraNa-Gebäude umherirren, Wohnheimparties, Club der Kulturen

Fun Fact: In Wahrheit steht das Monument etwa 240m vom wirklichen Äquator entfernt. 1736 war GPS wohl noch nicht so verbreitet. 😉

Es galt so viele neue Orte und spannende Menschen kennenzulernen, da merkte ich gar nicht, wie das erste und dann das zweite und dann auch das dritte und vierte Semester davonflogen. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt, neue Dinge ausprobiert, neue Gedanken gedacht und neue Länder bereist. Und dann, obwohl es ja von Anfang an in der Studienordnung stand, lag das Auslandssemester in Oulu, im Norden von Finnland, vor mir. Wie wunderbar, ich konnte es kaum abwarten, wieder für eine längere Zeit im Ausland zu leben! …Oooder? Irgendetwas nagte da an mir. Wieder meine Freunde, meine Familie und meinen Freund in der Heimat lassen. Wieder eine neue Sprache lernen, mich wieder extremen Temperaturen aussetzen? Ach, diese Gedanken waren doch Spielverderber! Auf, auf ins Abenteuer! Tatsächlich waren die letzten Wochen hier eine große Bereicherung für mich. Nicht nur akademisch, sondern vor allem menschlich. Im Scandinavian Studies Programm, an dem ich hier teilnehme, sind ausschließlich Austauschstudierende, doch ich lebe mit zwei Finninen und einem Portugiesen in einer WG, singe im Unichor und erlebe somit auch einen kleinen Teil des finnischen Alltags.

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Fun Fact: In Rovaniemi sitzen zwei „echte“ Weihnachtsmänner etwa 200m voneinander entfernt.

Ach, ich hab es beinahe vergessen − der Polarkreis! Während meines Auslandaufenthalts ging es für mich nämlich auch schon ganz schön viel auf Tour und so war ich schon zwei Mal beim *echten* Weihnachtsmann in Rovaniemi im Weihnachtsdorf, in dem eben auch der Nordpol verläuft. Es lag zwar noch kein Schnee, die Weihnachtsdekoration hing aber schon und besinnliche Musik passt doch auch eigentlich immer! 😉

Falls ihr gern weitere Bilder von meinem derzeitigen Aufenthalt in Finnland sehen mögt, dann schaut einfach mal auf meiner instagram-Seite „allemallekrillekralle“ vorbei!

Eintrag von Almuth, Bachelorstudium Interkulturelle Kommunikation, 30.11.2016

6 Responses

  1. Philipp 2. Dezember 2016 / 11:28

    Sehr schöner Artikel. Du kommst ja ganz schön herum in der Welt 🙂

    • Almuth Kreutz 2. Dezember 2016 / 12:30

      Vielen Dank! Ja, es hat sich alles so ergeben!
      Und um es mit den Worten Loren Eiseleys zu sagen
      „Wir werden soweit reisen, wie wir können,
      aber wir können in einem Leben nicht alles sehen,
      was wir gerne sehen wollen oder alles lernen,
      was wir gerne wissen würden.“

  2. Christian 2. Dezember 2016 / 23:37

    Schöner Text, find ich auch. Danke für die kurze Bemerkung zu Zweifeln vorm Auslandssemester – den Teil lassen die meisten unter den Tisch fallen. (Natürlich sind Auslandsaufenthalte trotzdem toll!) Viel Spaß noch in Finnland! 🙂

    • Almuth Kreutz 3. Dezember 2016 / 1:31

      Danke auch dir! Unsicherheit gehört doch zu so einer Entscheidung dazu, das muss mit rein! 😉 Grüße aus dem dunklen, kalten und wunderschönen Finnland, haha!

  3. Toni 5. Dezember 2016 / 16:22

    Ich kann mich dem nur anschließen, ein guter Artikel! Klingt super in Finnland, muss ich unbedingt mal hin :-). Ganz viel Spaß und tolle Erlebnisse wünsche ich dir noch.

    • Almuth Kreutz 5. Dezember 2016 / 17:27

      Danke, Toni! Ja, Finnland hat mich den Winter lieben gelehrt, aber ich möchte auf jeden Fall auch nochmal im Sommer her, wenn die Sonne gar nicht mehr untergeht…

      Die offizielle Tourismusseite von Finnland ist übrigens echt cool, falls du wirklich Interesse an einem Besuch hast! 🙂

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