„Wenn’s knallt und stinkt und nichts gelingt“

Aus Versehen hergestellte Kristalle

Jeder Student steht früher oder später vor der ersten großen Abschlussarbeit, bei mir die Bachelorarbeit. Auch ich musste diese Hürde nun als erstes Zwischenziel auf meinem Weg zum Masterabschluss bewältigen und möchte euch gern an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Die Bachelorarbeit ist die erste eigenständig geplante und durchgeführte wissenschaftliche Arbeit an der Universität. Natürlich bekommt man einen Betreuer an die Seite gestellt, der unterstützend für den Bacheloranden da ist. Welchen Betreuer man bekommt hängt von der Wahl seiner Professur und seines Themas ab. Meine Wahl fiel auf die Professur für Anorganische Chemie, da mich die Synthese von neuen Verbindungen zur Anwendung in der Bio- und Elektrochemie interessierte.

Über einen Zeitraum von 5 Monaten stellte ich im Labor verschiedene Substanzen her, die ich eingehend untersuchen und charakterisieren sollte. Dabei traten so einige zum Teil recht witzige Probleme auf, weswegen der Spruch „Wenn’s knallt und stinkt und nichts gelingt“ sinnbildlich für meine Arbeit steht.

Die ersten Versuche meiner Arbeit verliefen zunächst noch recht unproblematisch. Mein Betreuer erklärte mir zunächst, wie ich am besten arbeitete und half mir anfangs noch bei der Durchführung meiner Synthesen. Die grundlegenden Arbeitstechniken erlernte ich ohnehin schon im Laufe des Bachelorstudiums. So weit, so gut.

Kleinere Pannen wie zerbrochene Kolben oder Bechergläser (aber immer erst, wenn man sie sauber gemacht hat) sind normal und gehören praktisch zum Laboralltag. So lange man sich dabei nicht verletzt ist das auch überhaupt nicht schlimm. Ärgerlich wird es erst, wenn im Kolben eine mühsam hergestellte Verbindung ist, die man dann auf dem ganzen Fußboden verteilt. Davon bin auch ich leider nicht verschont geblieben.

Größere Pannen passierten mir erst nach circa 3 Monaten. Weil ich die meisten Versuche bereits durchgeführt hatte, wurde ich beim Wiederholen der Synthesen unachtsam. Dadurch passierte es mir sogar zwei Mal, dass ich einen großen Kolben zu schnell erwärmte, sodass der Stopfen mit einem lauten Knall durch den zu hohen Druck im Gefäß abgesprengt wurde und der Inhalt des Kolbens sich im gesamten Abzug verteilte. Da ich stets unter allen möglichen Sicherheitsvorkehrungen arbeitete, ist zum Glück nichts Schlimmes passiert, doch das Putzen des Abzugs war sehr mühsam und anstrengend. Man sollte ja denken, dass sowas nur einmal passiert, weil man aus solchen Fehlern lernt. Bei mir war das jedoch nicht der Fall (Asche auf mein Haupt).

Eine weitere Panne passierte mir bei einem anderen Versuch, den ich vorher noch nie gemacht hatte. Dabei musste Ammoniak-Gas aus einem Kolben entfernt und in Wasser eingeleitet werden. Wie Ammoniak riecht, wisst ihr ja vielleicht (es ist nicht besonders angenehm). Da ich eine große Menge Ammoniak entfernen musste, leitete ich das Gas in einen großen Eimer mit Wasser ein. Dummerweise tritt dabei ein Effekt ein, der das Wasser durch den Schlauch in den Kolben saugt („Ammoniak-Springbrunnen“), wodurch der ganze Tag Arbeit umsonst gewesen war. Zusätzlich zu dieser frustrierenden Tatsache musste ich nun auch noch einen ganzen Eimer voll stinkender Ammoniaklösung entsorgen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass ich noch Stunden danach quasi keinen Geruchssinn mehr besaß. 😀 Beim zweiten Versuch jedoch wusste ich, worauf ich zu achten hatte und sie Synthese glückte mir diesmal.

Manchmal bringen solche kleinen „Unfälle“ sogar etwas Gutes hervor. Auch diese Erfahrung durfte ich machen. Bei einer Synthese zur Erzeugung einer Vorstufe meiner Zielverbindung ist es mir „aus Versehen“ gelungen, direkt meinen gewünschten Stoff herzustellen, quasi über Nacht. Eigentlich wollte ich nur eine Probe zur Untersuchung fertig machen, weswegen ich meine vermeintliche Vorstufe in etwas Lösungsmittel löste. Nach der Analyse war ich zunächst sehr frustriert, weil offenbar nicht meine gewünschte Verbindung entstanden war. Dafür bildeten sich wunderschöne orange Kristalle aus (siehe Bild oben). Aber was nützt einem das, wenn es nicht die richtige Substanz ist? Mein Betreuer riet mir deshalb eine andere Analysemethode zu verwenden, um den Stoff eindeutig zu identifizieren. Dabei stellte sich heraus, dass zwar nicht meine gewünschte Vorstufe entstanden war, dafür aber das Molekül, das ich aus dieser Vorstufe erzeugen wollte, also mein Zielprodukt. Nun musste ich mir natürlich überlegen, was da wohl passiert sein mag. Die Lösung des Rätsels war, dass ich aufgrund eines Fehlers bei der Arbeit eine Reaktion herbeiführte, wodurch meine Zielverbindung entstehen konnte. Ihr seht also, dass Pannen auch manchmal zu etwas Gutem führen können.

In der Forschung und im Laboralltag ist es nicht unüblich, dass kleinere und größere Pannen passieren. Davon bleibt niemand verschont, egal wie viel Erfahrung man hat. Daher sollte man sich nicht entmutigen lassen, auch wenn mal was schief geht. Vielleicht bringen kleine Pannen sogar ab und zu Glück. 😉

 

Eintrag von Melissa, Masterstudium Chemie, 08.02.2017

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