Vergangenheit und Zukunft der Stromerzeugung − Eine Physik-Exkursion

Wie reißt man ein Kernkraftwerk ab? Wie sieht ein Kernreaktor von innen aus? Wie erzeugt man in Zukunft unseren Strom?

Diese drei Fragen wollten die Physikstudenten der TU bei der diesjährigen Exkursion beantworten.

Also machten wir uns auf den Weg nach Greifswald. Zum einen steht da das größte Kernkraftwerk (KKW) der DDR, zum anderen forschen Wissenschaftler dort an einem Fusionsreaktor.

Das KKW ist wirklich besonders: Es deckte ein Zehntel des Strombedarfs der DDR, liegt direkt am Meer und besitzt ganze sechs Reaktorblöcke. Der Letzte wurde zwar gebaut, aber nie benutzt. Deshalb können wir ihn gefahrlos besichtigen. Vorher allerdings hören wir noch einen Vortrag, der unsere erste Frage (Wie reißt man ein Kernkraftwerk ab?) beantwortet: Das Kraftwerk ist mittlerweile stillgelegt und wird abgerissen. Dafür hat man ein großes Zwischenlager direkt auf das Gelände gebaut. Dort werden die Materialien dekontaminiert und dann größtenteils wiederverwendet. Nur ein Prozent ist dann radioaktiver Abfall. Und selbst von diesem ist nur ein kleiner Teil stark radioaktiv. Dieser muss dann endgelagert werden. Wo? Das weiß man noch nicht.

Anschließend können wir auch unsere zweite Frage (Wie sieht ein Kernreaktor von innen aus?) beantworten. Bei einer Führung über das Gelände inspizieren wir die verschiedenen Anlagen und dürfen schließlich auch das Herz des Kraftwerks von innen bestaunen: Den Reaktorblock. Normalerweise wäre man hier innerhalb von Sekunden tot. Wir jedoch lernen in aller Ruhe die Funktionsweise der Kernspaltung kennen. Insgesamt gibt uns das KKW aber zu denken: Die Technik ist veraltet. Die Betonkonstruktionen sind baugleich mit denen in Fukushima. Überall erinnern große Schilder an die permanente Gefahr einer Katastrophe. Wir können kaum glauben, dass solche Anlagen anderswo noch in Betrieb sind.

Am zweiten Tag der Exkursion wollen wir auch noch unsere letzte Frage (Wie erzeugt man in Zukunft unseren Strom?) beantworten. Dazu besichtigen wir das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. Hier befindet sich der Fusionsreaktor Wendelstein 7-X. Die Idee ist simpel: Anstatt wie im KKW große Atomkerne zu spalten, versuchen die Wissenschaftler hier kleine Atomkerne miteinander zu vereinigen. Dabei wird ebenfalls Energie frei. Im Plasma der Sonne geschieht dies ständig.  Also einfach das Plasma anzünden und schon produziert man Energie? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. In Greifswald wurde schon 2015 das erste Plasma erzeugt. Allerdings benötigen die Forscher zurzeit noch mehr Energie zum Betreiben des Reaktors, als dann wirklich genutzt werden kann. Das Projekt lohnt sich trotzdem, denn Fusionsreaktoren gelten als die Energiequellen der Zukunft: Es besteht kein Risiko eines GAUs, man muss die Abfälle nicht endlagern und kann praktisch unendlich viel Energie produzieren.

Als wir am Abend wieder in Chemnitz ankommen haben wir jede Menge neue Eindrücke gewonnen. Wir wissen jetzt wie ein KKW funktioniert, wie man die Probleme der Atomkraft bewältigt und wie in Zukunft vielleicht unser Strom erzeugt wird. Egal, ob als Studienexkursion, Schulklassenfahrt oder privat im Ostseeurlaub: Ich kann euch beide Anlagen sehr empfehlen! Und zwischen den Besuchen könnt ihr ja noch einen Halt am Meer einlegen.

 

Eintrag von Tom, Bachelorstudium Physik, 21.06.2017

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