„Soziologie ist doch sowas wie Psychologie, oder?!“

Campus TUschlerin Naomi Lins (Foto: Maria Köhne)

Werde ich danach gefragt, was ich studiere und ich antworte „Soziologie“, erhalte ich meist Reaktionen wie „Aha, mhh, also sowas mit Psychologie, was?!“. Generell mache ich im Alltag häufig die Erfahrung, dass Viele nicht so recht wissen, was unter Soziologie zu verstehen ist bzw. mit welchen Dingen und Themen sich diese beschäftigt. Es kommt auch oft vor, dass Soziologie mit Sozialpädagogik oder Sozialer Arbeit in Verbindung gebracht oder gar gleichgesetzt wird.

Soziologie hat besonders mit Letzterem nichts zu tun, aber immerhin lässt sich bezüglich der Psychologie sagen, dass die Sozialpsychologie das Schnittfeld zwischen Soziologie und Psychologie bildet. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, Soziologie ist nichts für diejenigen, die gerne direkt mit Menschen zusammenarbeiten wollen, im Sinne von Streetworker, Psychotherapeut, o. Ä.

Was ist denn nun Soziologie?

Werde ich gefragt, was denn Soziologie nun genau ist, antworte ich meist: „Psychologie beschäftigt sich mit dem einzelnen Menschen – die Soziologie mit der Gesellschaft.“ In der Soziologie geht es darum, soziale Phänomene und Probleme zu erkennen und zu erklären. Es gilt die sozialen Verhältnisse, in denen die Menschen leben und arbeiten zu verstehen. Dieser Aspekt umfasst unendlich viele Bereiche. Das fängt bei Familien oder Paarbeziehungen an bis hin zu den Strukturen am Arbeitsplatz, in Organisationen oder Unternehmen. Weiterhin wird sich auch mit Gesellschaften beschäftigt, im nationalen oder globalen Kontext sowie auch mit kollektivem Verhalten. Explizit geht es in diesem Zusammenhang um Fragen wie, „Was hält die Gesellschaft zusammen?“, „Was bedeutet eigentlich Familie? Lässt sich Familie auf biologische Verwandtschaft reduzieren?“, „Was hält Partnerschaften zusammen?“, „Wie lassen sich Fluchtpaniken wie auf der Loveparade erklären?“. Das Feld der Soziologie ist daher sehr umfassend und es gibt noch viele weitere Bereiche mit denen sich die Soziologie beschäftigt.

„Soziologen  bleiben Arbeitslos oder enden als Taxifahrer“

Diese Aussage scheint eine weit verbreitete Meinung zu sein, dabei handelt es sich jedoch um einen Mythos. Es gibt viele Bemühungen diesem Mythos vor allem mit Studien und Untersuchungen entgegenzuwirken, die sich mit dem Berufseinstieg und Werdegang von Soziologieabsolventen beschäftigen. Generell kommen diese zu dem Befund, dass sich der Berufseinstieg für Soziologen, im Vergleich zu Absolventen anderer Studienfächer, etwas länger und unbeständiger verhält. Es gibt jedoch im Feld der Soziologie vielfältige Möglichkeiten bzw. Wege, die man nach seinem Abschluss einschlagen kann. Wie breit sich die Berufsmöglichkeiten gestalten wird besonders durch die sogenannten Bindestrichsoziologien deutlich wie die Religionssoziologie, Stadtsoziologie, Entwicklungssoziologie, Kriminalsoziologie, Rechtssoziologie, Technik- und Internetsoziologie, Migrationssoziologie etc. Auf diese kann man sich teilweise bereits während des Studiums spezialisieren. Gerade bei der Technik- und Internetsoziologie handelt es sich um ein neues und vielversprechendes Feld. Hier geht es beispielsweise darum, wie sich die Internetnutzung auf die Gesundheit auswirkt, wie die neue digitale Technik die Gesellschaft beeinflusst oder welche Arten der Überwachung und Datenverwertung es gibt und welche Veränderungen diese in der Gesellschaft hervorrufen.

Vielleicht konnte ich den ein oder anderen dazu motivieren, Soziologie zu studieren. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

Eintrag von Naomi, Masterstudium Soziologie, 28.06.2017

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