Das Erste Staatsexamen – Ein Erfahrungsbericht (Teil 1)

Lange gab es keinen Beitrag mehr von mir und das hat auch einen Grund. Der Stress, der für viele mit Beginn der Prüfungsphase begann, begleitet mich schon seit März, denn ich stecke Hals über Kopf im Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Grundschulen.

Doch wie umfangreich sind die Examensprüfungen? Wie läuft das Examenssemester ab und was sollte man beachten? Das sind Fragen, die sich sicherlich jeder Lehramtsstudierende oder jene, die es gerne werden möchten, stellen. Ich hatte damals niemanden, den ich um Ratschläge fragen konnte. Darum möchte ich dich in meiner Beitragsreihe an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

… und danach ins Referendariat (Foto: Cindy Nakoinz)

Die rechtliche Grundlage

Das Studium des Lehramts an Grundschulen schließt in Sachsen mit dem Ersten Staatsexamen im achten Fachsemester ab. Dieses wird inhaltlich und formal durch die Lehramtsprüfungsordnung I (LAPO I) geregelt. Wenn das Staatsexamen näher rückt, solltest du unbedingt einen Blick in diese rechtliche Grundlage werfen.

Erfahrungsgemäß ist sie leider an einigen Stellen etwas „schwammig“ formuliert. Ebenso sei vorweggenommen, dass ich persönlich noch einigen Verbesserungsbedarf in der Konzeption der LAPO I sehe, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Prüfungen und Prüfungszeitraum

Das Bachelor-Master-System gibt es in Sachsen für das Lehramt nicht mehr. Generell ist das Staatsexamen auch nicht damit vergleichbar. Aber beginnen wir von Anfang an …

Du kannst das Erste Staatsexamen in jedem Semester ablegen. In der Regel ist das im Sommersemester, dein achtes Fachsemester. In diesem Fall liegt der zentrale Anmeldezeitraum der Sächsischen Bildungsagentur im März. Einmal angemeldet, musst du alle Prüfungen einschließlich der wissenschaftlichen Arbeit im folgenden Semester ablegen.

Das bringt uns zum nächsten Punkt, den Prüfungen des Ersten Staatsexamens. Diese umfassen:

  • eine wissenschaftliche Ausarbeitung
  • eine bildungswissenschaftliche Klausur
  • vier mündliche Prüfungen

Näheres über den Inhalt und Umfang der einzelnen Elemente erfährst du in den folgenden Teilen dieser Beitragsreihe. Vorab aber schon so viel:

Da all diese Prüfungen in einem Semester absolviert werden müssen, bist du gezwungen, dich parallel darauf vorzubereiten.

Das ist meiner Meinung nach die größte Herausforderung des Ersten Staatsexamens.

Deine Prüfungstermine bekommst du von der Sächsischen Bildungsagentur zugeteilt. Sie sind über den gesamten Zeitraum von Juni bis September verteilt. Solltest du eine Prüfung nicht bestehen oder krankheitsbedingt ausfallen, geht die Welt natürlich nicht unter. Du kannst die entsprechende Prüfung im folgenden Semester nachholen, dein Studium verlängert sich also nur um ein halbes Jahr. Eine Wiederholung innerhalb deines „ursprünglichen“ Examenssemesters ist aufgrund des engen Zeitplans jedoch unwahrscheinlich. Du hast jeweils einen Fehlversuch frei, um eine Prüfung erfolgreich zu absolvieren.

Die Gesamtnote

Die Leistungen innerhalb deines Studiums hast du natürlich nicht umsonst abgelegt. Sie fließen mit 70% maßgeblich in die Gesamtnote des Ersten Staatsexamens ein. Diese 70% lassen sich noch detaillierter aufschlüsseln:

  • Durchschnittsnote der Grundschuldidaktiken: 35%
  • Durchschnittsnote des studierten Faches: 21%
  • Durchschnittsnote der Bildungswissenschaften und Schulpraktischen Studien: 14%

Nachdem du alle Modulprüfungen abgelegt hast, werden diese Teilnoten in deiner Notenübersicht aufgeführt. Nach Adam Ries machen daher die Noten der Examensprüfungen 30% deiner finalen Gesamtnote aus. Aber auch diese sind unterschiedlich gewichtet:

  • Note der wissenschaftlichen Arbeit: 12%
  • Note der bildungswissenschaftlichen Klausur:  6%
  • Note der mündlichen Prüfung im studierten Fach: 6%
  • Note der mündlichen Prüfungen in den Grundschuldidaktiken: 6% (jeweils 2%)

So, das war’s jetzt aber mit der Mathematik. 😀

Und obendrauf den Bachelor …

Wenn die Macht mit dir war und du dich erfolgreich durch das Examenssemester gekämpft hast, kannst du Ende September endlich einen dicken Haken hinter dein Lehramtsstudium machen. Du bist deinem Berufsziel einen großen Schritt näher gekommen.

Übrigens, wenn du dein Erstes Staatsexamen an der Technischen Universität Chemnitz absolvierst, erhältst du nach erfolgreichem Abschluss zusätzlich den Bachelor of Education.

Wie passt das denn zusammen? Nun, an Anspruch und Umfang bemessen, liegt das Staatsexamen natürlich deutlich über jenem des Bachelors und ist eher mit einem Master-Abschluss vergleichbar. Auch für die Zulassung zum Vorbereitungsdienst ist das Erste Staatsexamen ausreichend. Allerdings ist es mit einem akademischen Grad wie dem Bachelor leichter, eine Anstellung an der Universität zu finden, wenn man dort in die Lehre und Forschung gehen möchte.

Das Lehramtsstudium ist also keine Einbahnstraße … 😉

 

Du willst Näheres über die einzelnen Prüfungsbestandteile wissen und erfahren, wie es mir damit ergangen ist und welche Ratschläge ich dir geben kann? Dann klick dich für den nächsten Beitragsteil kommende Woche wieder rein …

 

Eintrag von Linda, Studiengang Lehramt an Grundschulen, 21.08.2017

1 Response

  1. Yvonne 22. August 2017 / 11:55

    Danke für deine Schilderungen! Ich komm mal wieder vorbeigetuschelt.

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