Erfahrungsbericht: Lohnt sich ein Praktikum?

Hallo liebe Studenten,

viele von euch müssen oder wollen sicherlich ein Praktikum als Teil ihres Studiums absolvieren. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich die Möglichkeiten und den Nutzen eines Praktikums völlig unterschätzt hatte. Damals dachte ich noch, dass ich mein Studium so schnell wie möglich beenden möchte. Als ich meinen Master begann, suchte ich mir einen Hiwi-Job an der Uni und später war noch ein 5-monatiges Praktikum geplant. Ich dachte, dass ich somit ganz gut auf das Berufsleben vorbereitet bin. Doch weit gefehlt! Ein Praktikum ist meiner Meinung nach einfach nicht ausreichend. Heutzutage gibt es unzählige Berufe, welche sich in vielen Aspekten unterscheiden. Hier also meine Empfehlung: Versucht, mehrere Praktika bei verschiedenartigen Firmen zu absolvieren. Nur so könnt ihr herausfinden, welche Unternehmen zu euch passen. Das ist nämlich die Voraussetzung dafür, dass ihr später einen Beruf findet, der euch Spaß macht und bei dem ihr euch wohl fühlt.

Ich absolviere derzeit bei Tower Automotive in Zwickau mein Praktikum (Fotograf: Philipp Spindler)

Ich zum Beispiel habe letztes Jahr ein 6-monatiges Praktikum in Frankfurt am Main bei der DB Netz absolviert. Zurzeit bin ich am Anfang meines zweiten 5-monatigen Praktikums bei Tower Automotive in Zwickau. Für mich als Ingenieur sind Branchen wie Bahnverkehr bzw. Automobilindustrie sehr interessant, deswegen ging ich diesen Weg. Doch eigentlich will ich euch Folgendes sagen: Ich habe mich für zwei längere Praktika entschieden, man kann aber genauso gut auch kürzere Praktika nutzen. Freunde von mir absolvierten zum Beispiel Praktika über zwei oder drei Monate. Die Hauptsache ist, dass man ein paar Wochen in einem Unternehmen arbeitet, die Unternehmensphilosophie kennenlernt, die internen Abläufe versteht, den Umgang mit Kollegen übt und Arbeitsalltag erlebt. Dafür reichen zwei Monate aus. Am Ende weiß man, ob sowohl die Branche als auch das Unternehmen den persönlichen Interessen und Bedürfnissen entsprechen, eine sehr wichtige Erkenntnis! In meinem Beispiel habe ich nun den Vergleich zwischen Bahn und Automobilindustrie sowie den Vergleich zwischen Großkonzern und Mittelständler. Welches Unternehmen besser zu mir passt, muss ich dann jeweils an den Vor- und Nachteilen abwägen. Wer weiß, vielleicht entscheide ich mich auch für eine ganz andere Branche oder absolviere noch ein weiteres Praktikum. Heute hat man viele, wenn nicht sogar zu viele Möglichkeiten. Deswegen ist es umso wichtiger, durch Praktika seine eigenen Erfahrungen zu sammeln und so eine möglichst gute Möglichkeit für sich auszuwählen.

Nun möchte ich auf die Möglichkeiten und den Nutzen eines Praktikums eingehen. Zum einen lernt man natürlich unheimlich viel über den Arbeitsalltag, welcher sich teilweise deutlich von dem Alltag als Student unterscheidet. So fängt es mit der einfachen Tatsache an, dass man jeden Tag auf Arbeit erscheinen muss. Weiterhin muss man im Normalfall auch jeden Tag acht Stunden am Stück anwesend sein. Mit dieser Belastung muss man als „verwöhnter“ Student erst einmal klarkommen. Ja, ich sage bewusst verwöhnt, da man wohl selten in seinem Leben so flexibel und ungebunden ist wie im Studium. Ein wichtiger Punkt ist außerdem die Kommunikation mit Kollegen. Anders als im Studium kann man sich nicht aussuchen mit wem man zusammenarbeitet. Am besten ihr seid immer höflich, freundlich und aufgeschlossen, so kommt ihr mit den meisten Kollegen gut klar. Bei der Arbeit muss man sich außerdem um seinen Arbeitsplatz kümmern, schließlich verbringt man den Großteil seines Tages an diesem. Es ist wichtig, dass er funktional ist und effektive Arbeit ermöglicht. Viele Menschen hauchen ihren Arbeitsplätzen durch persönliche Gegenstände wie Fotos oder Figuren zusätzlich Leben ein. Man sollte sich ja schließlich auch auf Arbeit wohl fühlen.

Es liegt wohl auf der Hand, dass man durch ein Praktikum ein Unternehmen kennenlernt. Doch was steckt genau dahinter? Nun, zum einen bekommt man früher oder später einen Überblick wie das Unternehmen organisiert ist. Von der Anzahl der Mitarbeiter, über die Standorte zu den einzelnen Hierarchieebenen gibt es jede Menge Unterschiede in der Arbeitswelt. Besonders letzteres ist sehr interessant, denn so erkennt man die Zuständigkeitsbereiche und Kommunikationswege. Gerade diese internen Abläufe sind sehr unterschiedlich. Es gilt diese schnell zu erkennen, sodass man zum einen Grenzen einhält und zum anderen zügig Informationen erhält. Außerdem gibt es noch die Unternehmensphilosophie, welche das Unternehmen als solches besonders macht. Einige Unternehmen legen Wert auf Umweltschutz, bei anderen hingegen stehen Mitarbeiterzufriedenheit und deren Arbeitsbedingungen im Vordergrund. Wieder andere sind vielleicht ausschließlich auf den Unternehmensgewinn fixiert und vernachlässigen andere wichtige Dinge. Ja, nicht überall herrschen paradiesische Verhältnisse. Es gehört auch dazu, negative Erfahrungen zu machen, welche meist sogar wichtiger als positive sind. Lasst euch also nicht entmutigen, falls ihr am Ende wisst, dass ihr später nicht wieder einen solchen Beruf ausüben wollt. In diesem Sinne möchte ich mich mit folgendem Spruch verabschieden, welchen ich in den letzten Tagen aufgeschnappt habe:

Es ist ein Fehler, keine Fehler zu machen.

 

Eintrag von Philipp, Master Regenerative Energietechnik, 03.04.2018

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