Innovativer Automobilrennsport trifft TU Chemnitz

Interview

mit Marie Gefke (Mitglied des Moduls „Akku“), Sean Mendy (Modulleiter „Akku“) und Luise Matthes (Modulleiterin „Management & Human-Ressource (HR)“) des studentischen, gemeinnützigen, universitätsnahen Vereines T.U.C.-Racing e.V.

 

  1. Könnt ihr in drei Sätzen euren Verein beschreiben, was genau eure Zielstellung ist?

Sean: In einem Satz: Wir müssen ein Rennauto bauen. Ne, ok, drei Sätze, wir sind Teilnehmer des Formula Student-Wettbewerbs und repräsentieren die Uni Chemnitz, wir bauen einen vollelektrischen Formelrennwagen, das heißt open-wheel, open cockpit, auch single seater, genannt. Das Ziel ist es… – das kann ich so jetzt nicht in drei Sätzen beschreiben.

Marie: Also ich denke, einmal diesen Formelrennwagen zu bauen, aber andererseits würde ich auch sagen, im Team zu arbeiten, interdisziplinäres Arbeiten.

Sean: Das Hauptziel der Formula Student ist es aus uns Studenten industrietaugliche Ingenieure zu machen.

Luise: Es geht quasi darum, das, was wir halt in der Uni in der Theorie immer lernen, anzuwenden, sei es in den technischen Bereichen oder eben auch in den Wirtschaftsbereichen, unser Wissen zu vertiefen und wirklich anzuwenden

  1. Wie sieht bei euch ein typischer Tag im Verein aus und wie oft finden Treffen statt?

    Rahmen und Kart (fotografiert von: T.U.C.-Racing e.V.)

Luise: Wir sind ja im Verein in Module unterteilt, also in verschiedene Bereiche, da kann ich jetzt am besten über den Wirtschaftsbereich sprechen, weil ich im „Management und HR“ arbeite. Wir treffen uns einmal im Monat, am Monatsanfang im großen Team-Meeting. Und dann haben wir noch kleinere Meetings in unseren Modulen einmal pro Woche und auch das Modulleiter-Meeting einmal pro Woche.

Sean: Konkret der Tag bei mir, natürlich sind wir hauptsächlich noch Studenten, das heißt wir sind vormittags in der Uni und dann, wenn ich fertig bin, gehe ich in die Werkstatt… eigentlich jeden Tag.

  1. Luise, du bist Leiterin des Moduls „Management & HR“, was kann man sich genau darunter vorstellen, wofür bist du zuständig?

Luise: Man arbeitet an verschiedenen Projekten im Büro oder wenn man will, auch von Zuhause aus. Man bereitet Events vor und macht die Organisation für das Team. Das größte Event, was demnächst ansteht ist Ende Mai, das ist das Roll-out unseres Fahrzeugs, also das heißt, unseren Sponsoren und Unterstützern zeigen wir, was wir zusammengebaut haben. Da geht’s eben darum die Location abzusprechen, Catering zu organisieren, Einladungen zu schreiben und so… Wie gesagt, einmal eben die allgemeine Teamorganisation, es geht aber auch darum Teambuilding-Maßnahmen zu organisieren und bei Problemen oder Streitigkeiten die Happiness im Team wieder zu verbreiten.

  1. Marie, was sind deine Aufgaben als Mitglied des Moduls „Akku“?

Marie: Bis jetzt habe ich mich hauptsächlich um das Kabel-Management im Akku gekümmert. Also halt die Kabel so geplant, wie sie verlegt werden sollen und wie wir die befestigen wollen. Wir mussten jetzt ein Dokument abgeben, wo wir auf maximal 100 Seiten das gesamte elektrische System vom Fahrzeug einmal beschreiben, berechnen und visuell darstellen sollten.

Sean: Der Fokus lag einfach darauf, dass die Richter von der Formula Student, das sind ja amtlich angestellte Ingenieure, die dann im Rahmen der Events kurz freigestellt werden von der Arbeit und dann prüfen, was wir machen. Einfach um sicher zu gehen, dass das Regelwerk beachtet wird. Unser Regelwerk beruht größtenteils auf Industrienormen, die wir später als Ingenieure im Arbeitsleben auch beachten müssen.

Marie: Auf jeden Fall habe ich dafür die Schaltpläne gemacht, ja eigentlich haben alle aus den elektrischen Modulen in letzter Zeit daran gearbeitet.

  1. Sean, worin unterscheiden sich deine Zuständigkeiten als Modulleiter von den Aufgaben von Marie?

Sean: Nicht grob. Wo ich jetzt ins Spiel komme: Marie hat jetzt die Aufgabe, das Kabelmanagement zu optimieren für die Elektronik, die in unserem Akku verbaut ist und dann sagt sie mir: „Hey, Sean, ich brauche Kabel, die das und das können und noch die und die Teile, wo kriege ich denn so etwas her?“ Dann ist es meine Aufgabe, die Sponsoren anzufragen oder zu gucken wo wir diese Kabel akquirieren können. Also hauptsächlich eher Koordination, was meine Aufgaben von Maries unterscheidet.

  1. Welche weiteren Module gibt es noch?

Sean: Bei den technischen Modulen haben wir einmal „Electronics“, dann haben wir natürlich Team „Akku“, dann noch Team „Drivetrain“- also Getriebe, dann noch „Powertrain“, das ist dann der Antriebsstrang, also unser Motor. Dann noch „Body & Frame“, also der Rahmen und dann noch die Verkleidung, noch „Cockpit“, also das Lenkrad, die Ergonomie vom Sitz und die Pedalerie, dann noch „LV & Harness“, also der ganze Kabelbaum im Auto für alle elektrischen Systeme und dann noch die nicht-technischen Module „IT“, „Management & HR“, „Sponsoring & Finance“ und „Public Relations“.

Luise: Und gerade IT ist eben so ein Bereich, wo gerade nur einer alleine arbeitet und so unsere ganze IT verwaltet und da sind wir auf der Suche nach Nachwuchs.

  1. Auf eurer Homepage steht, dass ihr sehr wohl auch Studenten geisteswissenschaftlicher Studiengänge beschäftigt. Was käme zum Beispiel auf eine Soziologiestudierende, wie ich es bin, zu?

Luise: Sie oder er sieht sich dann wahrscheinlich in den Wirtschaftsbereichen, man kann sich bei „Management & HR“ einbringen, Ideen für Teambuilding-Maßnahmen finden sich ja immer, aber auch im Bereich „Public Relations“ kann man sich auch Soziologiestudierende vorstellen. Ein großes Projekt von unseren PR-Leuten war jetzt das Aufhängen der Plakate und das Verteilen der Getränkedosen. Man kann sich also auch beim Planen von PR-Aktionen mit einbringen und man kann genauso bei der Sponsoren-Akquise mithelfen.

  1. Wie kamt ihr denn überhaupt auf die Idee, euch T.U.C.-Racing e.V. anzuschließen?

Sean: Mich sollte man außen vor lassen, weil ich bin allgemein ziemlich motorsportbegeistert und sobald ich von der Existenz des Teams in der O-Woche erfahren habe, war ich schon drin.

Luise: Also, ich bin genauso durch die O-Phase damals auf das T.U.C.-Racing-Team aufmerksam geworden und mir war klar, dass ich mir einen studentischen Verein suchen wollte und da ist ja dann das Racing-Team draus geworden.

Marie: Ich habe das auch bei der O-Phase kennengelernt und hab dann halt die Vorträge gehört und habe mir halt gedacht, genau deswegen bin ich hier, weil ich ja auch Elektromobilität studiere und ein bisschen autoaffin bin und dann habe ich das halt so gehört und das hat sich ganz gut angehört.

  1. Was hat euch am meisten überzeugt, einzusteigen?

Marie: Ich war ein paar Tage später bei einem Team-Meeting dabei und ich fand die Atmosphäre ganz cool und ich fand es ganz interessant. Also wir saßen alle in diesem Raum und es war nicht so, dass einer vorne stand und gesagt hat: „So, wir machen jetzt das und das und das…“, sondern es war wirklich ein Team und das fand ich halt ganz cool. Das hat mir gut gefallen.

Luise: Ja und außerdem kann eben gerade das Racing-Team den Kontakt zu vielen Sponsoren geben und man kann da für das spätere Arbeitsleben Kontakte aufbauen und Networking betreiben, das ist natürlich auch ganz interessant.

  1. Gibt es „vereinsintern“ Berufsaussichten, also wäre ein Karriereeinstieg bei einem eurer Partner oder Sponsoren möglich?

Sean: Das ist tatsächlich einer unserer größten Trumpfkarten, was Sponsoren angeht, denn die meisten Unternehmen, die sich mit der Formula Student einlassen, sind eigentlich gar nicht interessiert an ihrem Sticker auf dem Auto oder einem Link auf der Website, denen geht es wirklich darum, sich direkt die fähigen Leute abzugreifen, denn man wird da wirklich mit anderen Herausforderungen konfrontiert als ein normaler Student. Ich kann jetzt nur von mir in der E-technik reden, man lernt irgendwas Theoretisches und weiß, wie es funktionieren soll und wenn man es dann zum Funktionieren bringen muss, ist das nochmal eine ganz andere Geschichte. Und die meisten Studenten setzen sich damit nicht auseinander bis sie anfangen zu arbeiten und wir haben das schon alles hinter uns. Deswegen sind wir halt sehr gefragt. Also kurz gesagt, ja.

Luise: Also, dass man für sich persönlich viel dazu lernt, kann ich auf jeden Fall bestätigen und wenn es einfach nur ist, dass man sich an ein gewisses Stresslevel gewöhnt und dass man lernt, sich zu organisieren und mehrere Aufgaben zu übernehmen und dazwischen zu erledigen. Das macht man eben auch sehr gerne. Und zu lernen, wie man ein Team verwaltet und wie man mit Menschen umgeht, das bringt einen natürlich weiter.

  1. Apropos Sponsoren…wer von den regionalen Unternehmen ist denn in euer Vorhaben involviert?

Sean: Ja, ich kann ja ein paar aufzählen: BASELABS, Meyer Burger noch, WIR electronic, Weißbach Metallbau. Wir haben viele Unterstützer im Raum Sachsen, auch tatsächlich in Chemnitz, wir haben aber auch internationale Sponsoren, zum Beispiel ein Unternehmen aus den Niederlanden, dann haben wir noch einen Sponsor für ein Ladegerät für unseren Akku aus China, also das Sponsorennetz streut sich über die ganze Welt, aber es ist eher regional verankert.

  1. Luise, du als Human-Ressource-Expertin, kannst mir doch bestimmt sagen, wie es bei euch um die Vereinsmitglieder bestellt ist. Wie viele seid ihr insgesamt und wie stark sind Frauen bei euch vertreten?

    T.U.C.-Racing-Team (fotografiert von: Trendsetter Fotografie)

Luise: Wir sind so um die 50 Mitglieder, manche sind mehr, manche sind weniger aktiv. Ich kann bei den Zahlen hauptsächlich für das Wirtschaftsteam sprechen, da sind wir so um die 15 Leute maximal. Da sind wir auch gerade extrem am Nachwuchs suchen, weil auch viele langsam aufhören, ihr Studium beenden und in andere Städte gehen und da ist jetzt auch die perfekte Zeit, sich als neues Mitglied einzubringen. Ja, ansonsten, wir haben schon einen Frauenanteil, der höher ist als man sich es vielleicht vorstellt bei einem Team, was ein Rennauto baut. Wie viel sind wir an Mädels?

Marie: Also im technischen Bereich sind wir drei.

Luise: Ja, und im Wirtschaftsbereich sind wir fünf bis sechs.

Sean: Wenn man bedenkt, bis vor der letzten O-Phase war es tatsächlich nur ein Mädchen. Ist ja schon mal ein ganz guter Anstieg der Frauenquote.

Luise: Aber man muss sich jetzt als Mädchen keine Sorgen machen, dass man hier als Frau nicht willkommen ist.

Sean: Ne, auf gar keinen Fall! Ganz im Gegenteil.

  1. Sicherlich gibt es ab und zu besonders große Herausforderungen. Welche sind dies?

Sean: Also Herausforderung an sich ist immer die Zeit. Man arbeitet immer gegen den Projektplan, das Datum rückt immer näher, wann das Auto fahren muss. Die größten Probleme sind Kommunikationsschwierigkeiten oder wenn Sponsoren, von denen ein kritisches Teil abhängt, sich nicht melden und man muss irgendwas fertig bauen und kriegt keine Rückmeldung, das ist auch noch schlimm. Die einzige Herausforderung ist also die Zeit und die Koordination der Mitglieder.

Luise: Was auch noch eine große Herausforderung für das Team war, die Qualifikation für die Formula Student. Da gibt es nämlich ein Quiz, was man machen muss. Wir saßen halt alle zusammen in einem Raum und haben die Fragen gemeinsam bearbeitet und ja, es fängt damit an, dass man koordinieren muss, wie man die Fragen verteilt und beantwortet, dann natürlich das Wissen war eine Herausforderung und die Übungen fanden zu einer Zeit statt, wo so langsam auch die Vorbereitungen auf die ersten Prüfungen losgingen. Und da war der Januar eigentlich schon so ein ziemlich stressiger Monat für uns.

Sean: Und noch eine weitere Herausforderung ist, dass man immer mit Situationen konfrontiert wird, mit denen man noch nie zuvor in Verbindung war. Man ist immer gezwungen, aus seiner Komfortzone rauszugehen und wird immer ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen.

Luise: Das gibt einem dann immer selber einen übelsten Push, wenn man etwas geschafft hat, sei es einfach, wenn eine Woche rum ist und man alle To-dos abhaken konnte oder wenn man einen Anruf hinter sich gebracht hat. Dann ist man auch ein Stück weit stolz auf sich.

  1. Was genau ist eigentlich unter der Formula Student zu verstehen?

Auf dem Sachsenring (fotografiert von: Trendsetter Fotografie)

Sean: Das ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Ingenieursstudenten mit dem Ziel, einen open-wheel, open cockpit-Rennwagen zu bauen. Im Gegensatz zu der Formel 1 geht es nicht darum, wer kann das schnellste Auto bauen, sondern wer baut das Auto am besten mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen.

  1. Zum Schluss noch: könnt ihr euch vorstellen, dass zukünftig auch von euch an einem unbemannten, autonomen Rennwagen getüftelt wird?

Sean: Ja, auf jeden Fall. Seit diesem Jahr ist in der Formula Student eine neue Klasse hinzugekommen: „driverless“, davor gab es nur „Verbrenner“ und „Elektro“. Und sobald wir halt eine gute Basis geschaffen haben, wird wahrscheinlich eins der älteren Modelle zum autonomen Fahrzeug werden. Die Professoren und Sponsoren unterstützen uns dabei auch, also das wird auf jeden Fall kommen. Das ist nur eine Frage der Zeit… zwei bis drei Jahre würde ich schätzen.

Vielen Dank euch dreien für das tolle Interview!

Kontaktmail: kontakt@tuc-racing.de

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Eintrag von Natalie, Bachelorstudium Soziologie, 08.05.2018

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