Vier Tage Hauptstadt der Mathematik

Ausgerechnet in Chemnitz trafen sich dieses Jahr vom 12. bis 15. Mai die besten 197 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland zur Bundesrunde der 58. Mathematikolympiade. Es ist eine ganz besondere Ehre, wenn man zu einer Bundesrunde fahren darf, denn man gehört zu den Besten der Besten und vertritt sein eigenes Bundesland.

Für viele kaum vorstellbar: Die Schüler der Klassen 8 bis 12 stellen sich freiwillig zwei 4,5-stündigen Klausuren, in denen es nicht um pures Rechnen geht, sondern vor allem um logisches Denken, Knobeln und kreative Lösungsfindungen. Denn für die Aufgaben der Bundesrunde reichen die Kenntnisse aus dem Schulunterricht nicht aus. Die meisten der Schüler werden extra gefördert, in Korrespondenzzirkeln, Mathe-AGs, Seminaren, etc. Man kann Mathe sehr gut mit Sport vergleichen: Man braucht etwas Begabung, viel Ehrgeiz und vor allem viel Training, damit man gut wird.

Wie kommt man zur Bundesrunde? Über drei Stufen müssen sich die Schüler für die Bundesrunde qualifizieren. Die Schulrunde findet häufig als Hausaufgabenwettbewerb statt, während bei der Regional- und Landesrunde jeweils Klausuren zu absolvieren sind. Die Bundesrunde ist dann sozusagen das Highlight, denn man bekommt vier Tage, in denen man eine Stadt besuchen kann und viele gleichgesinnte Schüler kennenlernen kann, um sich mit ihnen auszutauschen. Auch für die ca. 100 Korrektoren ist die Bundesrunde ein alljährliches Zusammentreffen zum Austausch mit anderen Mathematikern.

Ich selbst konnte nach zwei erfolgreichen Teilnahmen in meiner Schulzeit und einer Teilnahme als Korrektorin dieses Jahr als Helferin tätig sein und hautnah miterleben, wie viel Organisation in so einer großen Veranstaltung steckt. Schließlich gibt es neben den Klausuren ein gut gefülltes Rahmenprogramm, sodass sich die Schüler nicht langweilen. So konnten sie am Nachmittag Chemnitzer Unternehmen besuchen und sich Chemnitzer Museen anschauen, während die Korrektoren über die Lösungen der Schüler diskutierten. Denn oftmals geht es eben nicht nur um ein richtiges Ergebnis, sondern darum, ob ein Beweis einwandfrei ist oder er logisch nicht schlüssig ist.

„Ich habe erwartet, dass hier in Chemnitz überall AfD-Plakate hängen, aber das ist ja gar nicht so. Es ist ja sehr schön hier.“, erzählte mir ein Schüler. Erschreckend, welch schlechte Meinung über Chemnitz die letztjährige Presse in ganz Deutschland hinterlassen hat. Die Bundesrunde hat sicherlich dazu beigetragen, diese Meinung bei den Schülern zu ändern. So werden einige nach Hause gekommen sein mit den Worten: „Dieses Spülmittel, das wir haben, hat die Form vom Roten Turm in Chemnitz.“

Die Siegerehrung fand im größten Hörsaal der TU statt. Dabei wurden die besten Schülerinnen und Schüler mit Preisen und Anerkennungen geehrt. Das Wichtigste dabei ist sicher nicht das Preisgeld, sondern die Ehre und auch die Erfahrungen, die man während der Olympiade sammeln konnte, wenn es doch nicht für einen Preis gereicht hat. Neben Reden des sächsischen Ministerpräsidenten, Michael Kretschmer, und des Rektors der TU, Gerd Strohmeier, sorgte die TU Big Band für die musikalische Gestaltung der Veranstaltung.

Zusammenfassend war die Bundesrunde sicher für alle Beteiligten eine einprägsame Erfahrung. Jetzt kann man der Bundesrunde nächstes Jahr in Bonn entgegenfiebern. Und vielleicht kommt ja der ein oder andere Schüler nach dem Abitur nach Chemnitz zurück, um hier zu studieren mit dem Grund: Ich war in Chemnitz zur Bundesrunde und es hat mir sehr gut gefallen.

 

Eintrag von Laura, Bachelorstudium Medienkommunikation, 27.05.2019

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