Wo steht diese grüne Bank?

Wo steht diese grüne Bank? (Fotografin: Josephine Döring)

Bei herrlichem Wetter verbrachte ich statt 20 Minuten, knapp zwei Stunden auf dieser Bank. Aber mit wem?

Mit der Inhaberin des Buchladens Monokel. Ich verabredete mich vergangenen Mittwoch mit ihr zu einem Interviewtermin. Vor ca. einem halben Jahr bin ich dank einer Freundin auf diesen kleinen, mit Herzen und Büchern gefüllten Buchladen aufmerksam geworden. Eine Schatztruhe für alle Schmökeronkels und Lesetanten; Kinder und Jugendlichen; angehenden und fertigen Lehrer;  Muttis und Vatis, die ihren Kindern etwas Guten tun wollen; Omas und Opas, die noch ein Geschenk brauchen und alle, die das Lesen lieben und schätzen.

Ein Blick ins Innere (Fotografin: Josephine Döring)

Diesen Buchladen gibt es schon seit ca. 8 Jahren und er ist ein Herzensprojekt der Inhaberin. Sie beschreibt es selbst als Geschenk für sich und die Stadt Chemnitz. Bücher gibt es für die ganz Kleinen bis zu den ganz Großen. Wer sagt, ein Buch brauche ich gerade nicht, findet auch tolle Postkarten und kleine Spiele in diesem Laden. Und eins ist gesagt: Raus geht man trotzdem mit einem Buch ;).

Für mich war es interessant zu wissen, was es mit dem Namen „Monokel“ auf sich hat. „Dieser Buchladen ist eine Sehhilfe für bemerkenswerte Bücher.“, erklärte die Inhaberin Diana Winkler. Sie legt vor allem besonderen Wert auf tolle und ergreifende Illustrationen und bewundert das Spiel mit der Sprache. Sie selbst sagt, sie liebt das Einzelne, jedes Buch für sich: „Mir macht es Freude, wenn Kinder vier besondere, ergreifende Bücher im Jahr lesen, als 20 angesammelte ohne echte Resonanz im Herzen.“

Als ich den Laden das letzte Mal betrat, war gerade ein Vertreter da, sodass mir die Frage in den Sinn kam, wie die Bücher ausgewählt werden. Die Verlage schicken ihre Kataloge zu, sodass die Inhaberin schon eine Vorauswahl trifft, die für sie interessant klingt. Dann kommen die Vertreter mit schweren vollen Koffern zu ihr und präsentieren ihr die Bücher. Da es kein Lager gibt, ist es für Diana Winkler besonders wichtig, dass sie jedes Buch liebt, welches sie verkauft und eine gute und genaue Auswahl trifft.

Bei der Frage nach ihrem aktuellen Lieblingsbuch oder Illustrator schüttelte sie kurz den Kopf und lachte. Na klar, alle Bücher in ihrem Laden liebt sie. Nach kurzer Überlegung kam sie mit dem Buch „Mama“ von  Hélène Delforge (Autor) und Quentin Gréban (Illustrator) aus ihrem Laden. Die Botschaft bewegt sie: „Es ist toll zu sehen, wie es jeder Frau gelingt, ihrem Kind einen Platz anzubieten und zeigt wie wichtig es ist, jeden Weg zu achten.“ Dieses Buch ist ein tolles Geschenk, welches frisch gebackene Väter ihrer Frau machen können, glückliche Kinder in jedem Alter ihren Eltern und Mamas ihren kleinen Wundern.

Als ich ihr mit meiner Frage nach ihrem Lieblingsort in Chemnitz einen Geheimtipp zum Lesen entlocken wollte, musste ich schmunzeln. „Ihr Küchentisch“, war ihre Antwort. Ja, den hat jeder zuhause. Ihr könnt also alle probieren, ob euer Küchentisch auch euer Lieblingsleseort werden könnte. Außerdem liest sie sehr gern in Cafés, da sie diese Atmosphäre mag und die Gemeinschaft schätzt.

An dieser Stelle wären eigentlich meine Fragen zu Ende gewesen, jedoch ergab sich ein so tolles Gespräch über Kinder und ihre Ehrlichkeit, ihre Lust am Entdecken, sodass mir die Frage in den Sinn kam, ob sie das bestätigen kann, was in den Medien oft gesagt wird: „Die heutigen Kinder lesen weniger, lesen nicht mehr gern, lesen schlecht.“ Sie musste lachen und sagte: „Manchmal muss man einfach mal die Klappe halten.“ Es gab in ihrer Klasse eine Hand voll Schüler, die es geliebt haben, zu lesen, und die gibt es auch heute noch. Der Kinderbuchmarkt boomt. Ihr geht es vor allem um die Lesemotivation, sodass Bücher wie „Die Kackwurstfabrik“ oder „Der Yark“, der besonders gern brave Kinder frisst, in ihrem Buchladen zu finden sind. „Nach einem neun Stunden Tag sollen die Kinder nicht auch abends das Gefühl haben, sie gehen mit einem Schulbuch ins Bett.“, ist ihre Auffassung.

Für sie sind Texte auch nicht alles: „Die Sprache der Seele sind Bilder.“ Auch Bilderbücher können wundervoll sein. Kinder können selbst erzählen, was sie sehen und fühlen.

Wenn sie einen Wunsch ans Universum frei hätte, würde sie Antolin abschaffen, lachte sie. Auf dieser Plattform können Kinder Bücher lesen, dazu dann Fragen beantworten und Punkte sammeln. Ein geliebtes Projekt der Lehrer, über die Sommerferien. Für Diana Winkler ist es unverständlich, Lesen zu einem Wettbewerb zu machen. Die Kinder sollen nicht massenhaft Bücher „lesen“, sondern sich über ihre kleinen Schätze im Bücherregal freuen, sie immer und immer wieder zur Hand nehmen und eintauchen.

Ich kann euch nur empfehlen in der Webergasse 2 (wochentags zwischen 9 Uhr und 19 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr) mit einem leeren Rucksack oder großen Beutel vorbeizuschauen und mit einem vollgepacktem wieder nach Hause zu gehen, euch an den Küchentisch zu setzen und zu lesen.

Gerade jetzt in der Vorbereitung zur Prüfungszeit solltet ihr dringend auch mal was anderes als Skripte, Folien und Aufzeichnungen lesen.

Ich wünsche euch für die kommenden Wochen Kraft, Durchhaltevermögen und ein neues Buch im Regal.

Alles Liebe
Josephine

 

Eintrag von Josephine, Studiengang Lehramt an Grundschulen, 12.07.2019

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