Das Mathematikstudium – mehr als Zahlenspielereien und Nerdveranstaltungen

„Mathe?!?!? Ist das nicht langweilig?“, eine häufige Reaktion auf mein Studienfach. „Nein, ist es nicht.“ Ich jedenfalls bin sehr zufrieden mit meinem Studium. Natürlich kennt man die allgemeinen Klischees in der Gesellschaft und ist in der ersten Vorlesung gespannt, ob einen da jetzt jede Menge einsame Nerds erwarten. Aber das ist nicht der Fall, Mathematiker sind (größtenteils ;)) nicht introvertiert, sondern sehr nett und sozial. Der Männeranteil bei uns ist zwar sehr hoch, im Vergleich zu anderen Fakultäten, was ich sehr schade finde, aber ich denke, gerade als Mädchen hat man den nötigen Ehrgeiz, um so ein Studium zu schaffen.

Das Studium an sich besteht nicht aus irgendwelchen Zahlenspielereien, wie viele denken, sondern es geht um logische und eigenständige Denkweisen. Was mich auch immer wieder an der Mathematik fasziniert ist, dass es Aufgaben gibt, für die jeder einen anderen Lösungsweg hat. Es gibt nicht immer einen vorgefertigten Lösungsweg, der zum Ziel führt.

 

Wie kam ich zur Entscheidung Mathe zu studieren?

Für mich war schon früh klar, dass ich Mathe studieren möchte. (Fotografin: Lili Hofmann/TU Chemnitz)

Mir hat schon immer logisches Denken Spaß gemacht. Ich habe in der Schulzeit schon an vielen verschiedenen Mathewettbewerben teilgenommen und es hat mir Spaß gemacht, mich auch in meiner Freizeit mit mathematischen Aufgaben zu beschäftigen. Deswegen war für mich schon sehr früh klar, dass ich Mathe studieren möchte. Für das Studium sind Matheolympiade-Erfahrungen sicherlich hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Man lernt während des Studiums alle notwendigen mathematischen Werkzeuge kennen und anzuwenden.

Das Studium in Chemnitz zeichnet sich dadurch aus, dass die Fakultät eher klein ist und so das Verhältnis zwischen Professoren, Dozenten und Studierenden sehr familiär ist. Man kann jederzeit Fragen stellen, wenn man etwas nicht verstanden hat.

 

Wie ist der Bachelorstudiengang Mathematik aufgebaut?

Die Regelstudienzeit beträgt (wie für die meisten Studiengänge üblich) sechs Semester. Zuerst einmal hat man die Wahl der Studienrichtung. Die Auswahl, ob es Mathematik, Mathematik mit vertiefter Informatik, Technomathematik, Finanzmathematik oder Wirtschaftsmathematik sein soll, erfolgt später unbürokratisch nach Studienbeginn. Bei mir fiel die Wahl auf Mathematik. Ein Wechsel von / zu einer Studienrichtung während des Studiums ist auch möglich. Denn oft merkt man erst während des Studiums, wo genau die eigenen Interessen liegen.

Das Studium baut eine solide mathematische Grundausbildung aus, die man nach eigenem Interesse zum Master hin vertiefen kann. Das heißt, die ersten beiden Semester hat man die Grundmodule Lineare Algebra und Analysis. Die nächsten Semester hat man sukzessive mehr Wahlmöglichkeiten. Zu den Basismodulen Optimierung, Numerik, gewöhnliche Differentialgleichungen und Stochastik kommen dann  noch die für die Studienrichtung spezifischen Fächer hinzu, bei mir zum Beispiel Funktionalanalysis, Diskrete Mathematik und Vektoranalysis. Außerdem gibt es noch ein paar Ergänzungsmodule, wobei man aus so ziemlich allen Veranstaltungen der Fakultät wählen kann, oder auch verschiedene Sprachen besuchen kann.

Daneben hat man noch die ersten beiden Semester Informatik, wobei man die Grundlagen für das Programmieren beigebracht bekommt. Zusätzlich muss man noch ein Nebenfach wählen. Aus Chemie, Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Medizintechnik, Physik und Wirtschaftswissenschaften fiel die Wahl bei mir auf Physik. Dabei lernt man in den ersten Semestern auch die Grundlagen eines anderen Fachbereiches kennen.

Ihr seht, man hat große Flexibilität, was die Gestaltung des Studiums angeht. Da aber die ersten beiden Semester aus Grundvorlesungen bestehen und die Wahlmöglichkeiten mit der Zeit mehr werden, kann man erst einmal anfangen zu studieren und dann sehen, in welche Richtung es geht.

In den ersten Semestern ist das Arbeitspensum sehr hoch, denn neben Vorlesungen und Übungen, die man sich ähnlich wie Schulunterricht vorstellen kann, gibt es auch Hausaufgaben, denn nur durch selbst machen lernt man Mathematik. Dadurch merken auch einige Studenten, dass ein Mathestudium nicht das ist, was sie sich darunter vorgestellt haben, denn es ist einfach anders als der Mathematikunterricht in der Schule.

 

Was ist das Besondere am kombinierten Bachelor-/Masterstudiengang Mathematik?

Im kombinierten Studiengang kann man sich schon ab dem vierten Semester Leistungen für das Masterstudium anrechnen lassen, was in anderen Studiengängen bzw. an anderen Unis nicht geht. Diese Regelung verhindert Verzögerungen im zeitlichen Ablauf des Studiums, die sonst bei der Organisation des Übergangs von Bachelor zu Master entstehen können. Das ist auch aus dem Grund sehr sinnvoll, da es an unserer Fakultät viele spezialisierte Vorlesungen zu aktuellen Forschungsthemen gibt, die aufgrund der kleinen Menge an Studenten nicht jedes Jahr angeboten werden können.

 

Was kann man nach dem Studium machen?

Das werde ich oft gefragt, wenn mein Studienfach zur Sprache kommt. Dabei werden Mathematiker überall gebraucht. In der modernen Welt baut alles in der neuesten Technik auf Mathematik auf, was einem meist nicht bewusst ist.

Absolventen des Bachelorstudiums finden daher in vielen Bereichen interessante Einsatzmöglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel Informationstechnik, Softwareentwicklung, Banken und Versicherungen, Unterhaltungselektronik, sowie Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrttechnik. Absolventen des Masterstudiums haben zusätzlich die Möglichkeit in der Forschung an der Uni zu bleiben, oder und auf weitere Qualifizierung im Hochschul- und Universitätsbereich.

 

Eintrag von Laura, Bachelorstudium Medienkommunikation, 19.08.2019

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