Human Factors – Was ist das?

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Seit etwas über einem Jahr studiere ich nun schon an der TU Chemnitz den Studiengang Human Factors und wie gefühlt auch bei jedem anderen Studiengang begegnen mir Fragen wie „Was ist das denn?“ oder „Was macht man dann später damit?“. Aber auch ich wusste damals noch nicht so recht, was genau ich mir unter diesem Studiengang vorstellen kann. Nachdem ich nun Vorlesungen, Seminare und Bücher zu dem Thema durchgearbeitet habe, würde ich wie mein „go-to“ Podcast in diesem Bereich „humanfactorscast“ sagen: „it depends“. Es lassen sich Human Factors-spezifische Themen in so gut wie jedem technikverbundenen Bereich finden. Hauptsächlich wird ein Augenmerk auf die Interaktion von Technik und Mensch gelegt, wofür es wichtig ist die menschlichen kognitiven Prozesse, aber auch die technischen Vorgänge nachvollziehen zu können, um diese Interaktion analysieren und verbessern zu können.

Das klingt jetzt alles noch sehr hochgestochen und ich möchte versuchen es für dich mit etwas mehr Leben zu füllen. Nehmen wir zum

Beispiel dein Handy, treuer Helfer und Begleiter in jeglicher Lebenssituation. Wenn nach der Party des Jahres deine WhatsApp Gruppe über Nacht eskaliert und >50 neue Nachrichten eingehen während du krank Zuhause im Bett liegst, wirst du dann über jede neue Nachricht per Klingelton informiert oder bist du eher Team „bitte nicht stören“-Modus?

Human Factors Praktizierende überlegen sich hier z.B. auf welche Weise dir die App mitteilen soll, dass du neue Nachrichten erhalten hast und welche Möglichkeiten der Anpassung dieser Benachrichtigungen sinnvoll sind. Psychologisch müssen hier menschliche Eigenarten wie der „Cry Wolf Effekt“ berücksichtigt werden. Benannt nach der Fabel „Der Schäfer und der Wolf“ besagt dieser Effekt, dass keine Alarme gemeldet werden sollten solange ein Grund fehlt, da sonst ein echter Alarm mit triftigem Grund nicht ernst- oder wahrgenommen wird. Auch physiologisch muss einiges beachtet werden. So z.B., dass der Ton nicht zu laut oder zu leise ist und auch in verschiedenen geräuschbelasteten Umgebungen wie der Mensa oder der Straßenbahn noch gut von dem sog. „Hintergrundrauschen“ unterschieden werden kann.

Daneben ist die Gestaltung der App an sich aus Human Factors Sicht interessant. Ich erinnere mich noch an das Gefühl der Erlösung, als eine Freundin mir damals zeigte, dass mit dem neuen Update Gruppenchats auf WhatsApp stumm geschaltet werden können. Solche Einstellungsmöglichkeiten beeinflussen die sog. „Usability“, zu Deutsch „Gebrauchstauglichkeit“, einer App immens. Diese setzt sich aus „Effektivität“, „Effizienz“ und „Zufriedenheit“ zusammen und bildet das Credo für jeden „User-Experience“-Forscher – was wiederum auch einen Teilbereich des Human Factor Bereichs ausmacht.

Auf der anderen Seite finden sich aber auch sog. „Dark Patterns“, die eine Art und Weise des Designs beschreiben, bei der es einem Nutzer so umständlich wie möglich gemacht wird Einstellungen zu ändern oder Abos zu kündigen. Jeder, der schon mal sein Amazon-Abo kündigen wollte, weiß denke ich, was hier gemeint ist 😉. Für Interessierte gibt’s hier noch mehr Dark Patterns und Beispiele.

Natürlich existieren noch viele weitere Interaktionsschnittstellen von Mensch und Technik, die für Human Factors relevant sind, z.B. Roboterinteraktionen, das (teil-)automatisierte Fahren inklusive des Designs der Funktionen im Armaturenbrett und auch Aspekte wie digitale Arbeit und deren Gestaltung.

Ich hoffe du konntest einen kleinen Einblick in das große Feld von Human Factors gewinnen und hast vielleicht sogar Interesse selbst etwas in diesem Bereich zu lernen.

 

Eintrag von Marie, Masterstudium Human Factors Master, 29.10.2019

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