Diskriminierung von HIV-Infizierten – Zusammenfassung einer eigenen Erhebung

(Quelle: https://pixabay.com/de/vectors/welt-aids-tag-baum-klinik-heilung-3176796/)

Meine Bachelorarbeit (Foto: Natalie Rödel)

Als Soziologiestudierende ist es durchaus üblich, als Bachelorarbeit eine eigene Studie (oft Vignettenstudien) durchzuführen. Da meine Spezialisierung während des Bachelorstudiums bereits auf der Gesundheitsforschung lag, entschied ich mich für ein Thema, was sowohl mit Gesundheit im weitesten Sinne als auch mit einem soziologischen Phänomen zusammenhängt. Kampagnen, die Diskriminierug von HIV verhindern wollen, begegnet man regelmäßig um den Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember. Dies brachte mich auf die Idee, HIV-Diskriminierung beziehungsweise -Stigmatisierung in meiner Bachelorarbeit näher zu untersuchen. Diesbezüglich wollte ich erforschen, ob Studierende und SchülerInnen der Gesundheits- und Krankenpflege eine geringere Bereitschaft zu einer Beziehung zu einer HIV-positiven Person haben als Studierende nicht-medizinischer Studiengänge. Der Hintergrund dieser Annahme ist, dass es Fälle von HIV-positiven Krankenhauspersonal gibt, wo dieses mit beruflichen Tätigkeitseinschränkungen oder gar Kündigungen zu rechnen hatte. Und aus der Angst der Selbstinfizierung und entsprechenden Konsequenzen könnten Personen aus der medizinischen Branche eine geringere Beziehungsbereitschaft aufweisen. Wichtig zu wissen ist auch, dass diese beruflichen Einschränkungen dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz widersprechen und dass HIV-Infizierte, die eine optimal eingestellte Medikation bekommen und regelmäßig zu Kontrollterminen gehen, nicht ansteckend sind und beinahe dieselbe Lebenserwartung und -qualität wie Nicht-Infizierte haben. Somit ist selbst bei einer partnerschaftlichen Beziehung eine Übertragung des Virus um ca. 96 % reduziert.

Darauf aufbauend habe ich einen Fragebogen erstellt, in dem ich hypothetische HIV-positive Personen beschreibe und frage, wie sehr die Befragten mit dieser Person eine Beziehung eingehen wöllten. Der Weg der Infizierung, der Ansteckungsgrad, das Alter und die Bildung hat bei den Personenbeschreibungen von Fragebogen zu Fragebogen variiert. Eine geringe Beziehungsbereitschaft sollte als Indikator für Diskriminierung gelten. Am Ende wurden noch einige demografische Informationen und Details über die eigene Gesundheit abgefragt.
Befragt wurden letztlich Studierende der TU Chemnitz und Zahnmedizinstudierende der TU Dresden, sowie SchülerInnen der Gesundheits- und Krankenpflege des Uniklinikums Dresden.
Heraus kam, dass generell der Trend zu einer geringen Beziehungsbereitschaft ging, unabhängig vom medizinischen Hintergrund. Der zukünftige Kinderwunsch hatte einen starken Einfluss auf die Beziehungsbereitschaft, sowie der Infektionsstatus, der Ansteckungsgrad und die Bildung der beschriebenen Person.

Aus der Literatur ist außerdem zu schließen, dass in der HIV-Stigmatisieringsprävention vor allem auf Informationsvermittlung zurückgegriffen werden sollte, um die Übertragungswege bei Behandlung der Viruserkrankung der Allgemeinbevölkerung offenzulegen. Nur somit können Diskriminierung und Stigmatisierung nachhaltig in den Griff bekommen werden.

 

Eintrag von Natalie, Bachelorstudium Soziologie, 27.12.2019

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