Bye Bye Orientierungslosigkeit zum Studienstart

– Meine Erfahrungen mit dem Mentoringprogramm START SMART

Mein allergrößter Wunsch: Psychologiestudium. Nächster Schritt: Bewerbungen schreiben.
Juli: Warten. August: Weiter warten. September: Immer noch warten. Na endlich: Chemnitz also.

Wenn ich mich daran zurückerinnere, dann war es eine ziemlich aufreibende Zeit. Hinter mir lagen viele Wochen des Zitterns, weil die Rückmeldungen von den Unis auf sich warten ließen. Dann der anstehende Umzug in eine fremde Stadt, die ganze sieben Zugstunden von meiner Heimat entfernt lag und schließlich die immer größer werdende Aufregung vor der ersten richtigen Uni-Woche.
Ein ganz schön mulmiges Gefühl, in einen neuen Lebensabschnitt zu gehen.

Auf der Website der Uni habe ich, gleich als die Zusage kam, gesehen, dass es ein Mentoren-programm für die neuen Erstis (Studierende im ersten Semester) gibt. Wow. Das kannte ich von meiner vorherigen Uni nicht.
Das vergangene Jahr studierte ich nämlich in meiner Heimatstadt und fühlte mich dort ehrlich gesagt noch bis zum Schluss ziemlich verloren. Meine Bezugspersonen dort: Meine 5 – 6 Kommilitoninnen aus der O-Woche (auch Orientierungswoche genannt, die erste Uni-Woche), alle ebenfalls Erstis und genauso orientierungslos wie ich. Nie werde ich vergessen, wie viele Stunden wir mit der Erstellung unseres Stundenplans verbracht haben und wie verzweifelt wir zu dritt vor dem Drucker standen und einfach nicht rausgefunden haben wie und wo wir unser Druckerkonto aufladen konnten. (Letzteres mag sich zwar lächerlich einfach anhören, ist für Uni-Neuankömmlinge aber gar nicht so selbsterklärend wie es klingt.) Berührungspunkte mit höheren Semestern hatte dort keiner von uns – die Hemmungen jemanden zu fragen waren dementsprechend groß.

Diesmal sollte es also anders werden.

Ich meldete mich direkt als Mentee (Studienanfängerin) bei START SMART für die Human- und Sozialwissenschaften an. Sofort wurden mir viele Profile von Studis aus meinem Fachbereich angezeigt, die sich als Mentor/-innen (erfahrene Studierende höheren Semesters) angemeldet haben: Mal aus dem 3. Semester, mal aus dem 5. Semester und zum Teil so herzlich formuliert, dass mir die Entscheidung wirklich schwergefallen ist.

„[…] Ich freu mich schon riiiiiesig drauf dich kennen zu lernen“. Das hat mich schließlich überzeugt. So viele „iiii“s konnten nicht täuschen und tatsächlich hat Marie, meine neue Mentorin, sich noch am gleichen Tag bei mir gemeldet. Besonders schön fand dich damals, dass Marie und ich schon einige Zeit vor Unistart in Kontakt standen. Wir lernten uns durch das Programm nämlich schon drei Wochen vorher kennen.

Und dann passierte etwas ganz komisches: Auf einmal fühlte es sich nicht mehr so an, als würde ich in die totale Fremde ziehen – fremde Stadt, fremde Uni, fremdes Studienfach mit fremden Menschen. Denn ich kannte ja bereits Marie. Sie gab mir Tipps, wo es sich als Studi am besten wohnt und als ich kurze Zeit später dann tatsächlich vor Ort war, zeigte sie mir die Stadt. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass ich sie einfach alles fragen kann – selbst, wenn meine Fragen ganz zufällig auch das Aufladen meines Druckerkontos betreffen (Check: Eine Sorge weniger!). Wir haben uns gleich zusammen an meinen Stundenplan gesetzt und es war so wertvoll ihren Erfahrungen zu lauschen. Durch sie bekam ich Insiderwissen zu den Veranstaltungen und auch zu den Prüfungsvorlieben der Dozenten – diese Infos hätte mir keine Studienordnung der Welt liefern können.

Durch START SMART fühlte sich der Beginn meines Studiums an der TU Chemnitz ganz anders an, als ich es bisher kannte und mit Marie bin ich auch heute noch gut befreundet. Das Programm beeinflusst aber auch das große Ganze:

Weil beinahe jede/r Psychologie-Ersti sich auch als START SMART-Mentee anmeldet und sich zugleich so viele Studis aus den höheren Semestern als Mentor/-innen engagieren, wird diese Grenze zwischen den Jahrgängen (anders als ich es früher kannte) aufgebrochen. Während man an meiner alten Uni in der O-Woche höchstens die anderen Erstis seines Fachsemesters kennenlernte, werden durch das Mentoring unterschiedliche Fachsemester miteinander vernetzt – und dieser Prozess läuft schon seit dem Projektstart vor einigen Jahren. Die Früchte dieses jahrelangen Netzwerkens sind in Form einer besonders wertschätzenden und hilfsbereiten Atmosphäre selbst für Außenstehende spürbar.

Eines unserer „Special Events“ – Kurven drehen auf der Eisfläche in Chemnitz

Inzwischen bin ich bereits das dritte Jahr in Folge selbst Mentorin bei START SMART HSW (der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften). Aus der anderen Perspektive sehe ich noch weitere Gründe, weshalb die Vernetzung von Studienanfängern mit Studis aus höheren Semestern essenziell wichtig ist. Neben der Unterstützung bei der ersten Orientierung sorgt es nämlich auch vor allem für den Abbau von Ängsten, und durch den Erfahrungsaustausch für realistischere Erwartungen – an die Klausuren, an die Anforderungen in der Uni, an die Stadt. Realistische Erwartungen an das Studium, der Erfahrungsaustausch mit Studis höherer Semester und schließlich die gelungene akademische Integration wirkt neben anderen Faktoren maßgeblich auf den Studienerfolg ein. Diese Art des Eins-zu-Eins-Mentorings halte ich daher für enorm wichtig – ganz besonders für Studiengänge, die (laut den Studis) besonders in den ersten Semestern von Prüfungsangst und Panik gezeichnet sind.

Leider ist das Mentoringprogramm START SMART HSW im Wintersemester 2019/20 mit beinahe 150 Mentor/-innen und Mentees in die vorerst letzte Kohorte gestartet. Die Zukunft des Programms ist bislang ungewiss, da die Förderung im Rahmen des „Qualitätspakt Lehre“ zum Ende des Jahres 2020 ausläuft. Der Wunsch START SMART für die Human- und Sozialwissenschaften zu erhalten ist von allen Seiten groß. Der Einsatz der Studierenden, der Studierendenvertreter und der Projektleitung, eine Lösung zu finden, ist enorm. Aktuell wird auf Hochtouren daran gearbeitet diesem Wunsch nachzukommen.

 

Eintrag von Alica, Masterstudium Psychologie, 09.03.2020

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