Künstliche Intelligenz – Wie sich das Leben als Mensch verändern wird

Springe2020

Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz zur Frühjahrsakademie in Springe

Was erwartet mich? Wie sind die Leute dort? Was lerne ich dort? Bringt es mir überhaupt etwas? Mit solchen Fragen im Gepäck fuhr ich nach Springe zu einer Frühjahresakademie der Studienstiftung des Deutschen Volkes. „Springe? Wo soll das sein?“, hörte ich öfter vor meiner Abreise. Zugegeben, die 30.000 Einwohner Stadt bei Hannover ist nicht wirklich bekannt, aber für Veranstaltungen oder Tagungen ist das Tagungszentrum echt sehr gut geeignet.

Künstliche Intelligenz (KI) interessiert mich und wird auch in der heutigen Zeit immer wichtiger. Deswegen freute ich mich sehr, als ich eine Zusage zur Frühjahrsakademie der Studienstiftung mit dem Thema „Künstliche Intelligenz – Wie sich das Leben als Mensch verändern wird/soll “ bekam. Durch mein Mathestudium lernt man zwar ein paar mathematische Grundlagen, aber über die gesellschaftlichen Aspekte der KI hatte ich mir bis dahin keine Gedanken gemacht. So fuhr ich vom 8. bis 14. März nach Springe, um mich überraschen zu lassen, was alles auf mich zukommt.

Gleich am ersten Tag stellte ich fest, ich bin nicht die Einzige, deren erste Akademie das ist. Aber es gab auch Studenten, die so begeistert von diesen Möglichkeiten waren, dass es teilweise schon ihre siebente Akademie war. Das Flair so einer Akademie kann man nur verstehen, wenn man schon einmal da war. Wenn ca. 90 Studenten aus teils sehr unterschiedlichen Fachgebieten zusammentreffen, die alle sehr engagiert sind und auch alle schon so viel verschiedene Dinge erlebt und gemacht haben, gibt es viele interessante Gespräche und Diskussionen, die mir jede Menge Input gegeben haben und auch verschiedene Denkweisen gezeigt haben.

Die Tage bestanden aus Arbeitsgruppentreffen am Vormittag und Nachmittag, unterbrochen von wirklich sehr leckeren Mahlzeiten. Neben meiner Arbeitsgruppe zu KI gab es noch fünf weitere zu ganz unterschiedlichen Themen, weswegen so viele Studenten aus unterschiedlichen Bereichen dabei waren. Selbst unsere 14- köpfige Arbeitsgruppe war sehr breit aufgestellt. Zunächst beschäftigten wir uns mit Fragen wie „Was ist Künstliche Intelligenz?“ und „Was ist überhaupt Intelligenz?“. Auch die theoretische, mathematische Seite beleuchteten wir, damit alle da etwa auf dem gleichen Stand waren. Jeder in der Gruppe sollte im Vorfeld einen Vortrag vorbereiten, sodass der Kurs auch von jedem mitgestaltet wurde und wir somit ziemlich viele verschiedene Aspekte beleuchten konnten. Wir diskutierten, ob man ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommen sollte, ob KI Arbeitsplätze zerstört oder ob sie nur verschoben werden. Am Mittwoch stand eine Exkursion zur Versicherung HDI in Hannover auf dem Programm. Zugegeben, auch für mich hat Versicherung dieses verstaubte Image von langweiliger Arbeit. Aber nach diesem Besuch hat sich meine Meinung dazu geändert. Es ging um die Schadensermittlung nach Autounfällen, also wie kann man aus den Bildern der Kunden die realistischen Kosten für die Reparatur ermitteln und wie kann man dabei künstliche Intelligenz einsetzen? Eine Software, die so etwas realisiert, bekommt jede Menge Daten eingespeist und soll dann daraus „lernen“, die neuen Bilder einzuschätzen. Doch das ist gar nicht so einfach, schließlich soll die Software ja auch auf alle Details achten. Von Hand dauert diese Arbeit sehr, sehr lange, da man jedes Bild genau analysieren muss und auch jedes kaputte Autoteil einzeln aufgeführt werden muss, und so weiter. Es war auf jeden Fall ein sehr interessanter Einblick.

Zum Ende der Woche beschäftigten wir uns auch mit weiter in der Zukunft liegenden Szenarien. Wird es in 10.000 Jahren überhaupt noch Menschen auf der Erde geben? Wird es eine Super-KI geben, die als Schutzgott agiert und nur das Beste für die Menschheit will? Oder werden wir irgendwann wie Eltern stolz auf unsere Nachkommen sein, die Künstliche Intelligenzen sind? Oder werden wir eine Super-KI versklaven, die für uns technischen Fortschritt erzeugt? Oder vielleicht doch eine ganz andere Variante? An dieser Stelle muss ich auch erwähnen, dass unsere Dozenten, beide Alumni der Studienstiftung, den ganzen Kurs sehr gut gestaltet haben. Die Gruppendiskussionen waren sehr interessant und zur Auflockerung gab es zwischendrin immer mal wieder Memes zur KI zu sehen oder ein Kapitel aus dem Hörbuch „Qualityland“ (sehr zu empfehlen, gerade in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen) zu hören.

Nach den Arbeitsgruppentreffen gab es immer die Möglichkeit, seine Freizeit mit den anderen zu verbringen. Neben Möglichkeiten für z.B. Tischtennis oder Wandern im direkt an die Anlage angrenzenden Wald, gab es sehr viele Ideen von den Teilnehmern selbst, sodass sich immer Leute zum Brettspielen, Acrojoga oder Improtheater gefunden haben. Am Abend gab es immer einen Vortrag von den Dozenten der Arbeitsgruppen.

Leider wurde auch diese Veranstaltung von der aktuellen Corona-Situation überschattet. Es wurden plötzlich Teile Italiens zum Risikogebiet erklärt, weswegen ein paar Teilnehmer und die Zimmernachbarn (darunter auch ich, weil meine Zimmernachbarin einen Asthmaanfall hatte) in Quarantäne gesteckt. Alleine in unseren Zimmern warteten wir darauf, dass irgendwann jemand komplett im Schutzanzug kam, um Rachenabstriche zu machen. Die ganze Stimmung wurde etwas gedrückt. Essen bekamen wir regelmäßig vor die Tür gestellt. Zu diesem Zeitpunkt empfand ich diese ganze Reaktion vielleicht etwas übertrieben, aber im Angesicht der aktuellen Lage, hat die Akademieleitung zum Wohle aller gut entschieden und wir Quarantäne-Leute hatten in dem Moment halt einfach Pech. Zum Glück konnten mir meine Dozenten ermöglichen, mittels Skype und Telefon wenigstens etwas bei der Arbeitsgruppe dabei zu sein. Nach zwei Tagen kam dann zum Glück die erlösende Nachricht, dass alle Tests negativ waren. So konnten wir wenigstens noch alle zusammen den letzten Abschlussabend verbringen. Dabei hat jede Gruppe kurz vorgestellt, was sie gemacht haben, so bekam ich auch einen Einblick, was die anderen die ganze Woche gemacht haben.

Zusammenfassend kann ich sagen, ich möchte diese Erfahrung auf jeden Fall nicht missen. Ich habe so viel gelernt, und bin froh, ein paar praktische Erfahrungen im Gegensatz zu meinem Studium gemacht zu haben. Auf jeden Fall habe ich jetzt mehr Antworten auf die ständige Frage, „Mathe? Was kann man denn damit machen?“. Es war erstaunlich, wie schnell man in so kurzer Zeit, als Gruppe zusammenwachsen kann und der Abschied dann schon schwer fällt. Ich möchte also nach meinem ersten Artikel über die Studienstiftung nochmals Werbung machen. Wenn ihr die Chance habt, engagierte und gute Studenten seid, dann bewerbt euch bei der Studienstiftung. Das ideelle Förderprogramm hat sehr, sehr viel zu bieten.

Bleibt gesund,
Laura

 

Eintrag von Laura, Masterstudium Mathematik, 15.04.2020

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