Was ich im Psychologiestudium gelernt habe?

Wie schön, dass du auf diesen Blog-Eintrag gestoßen bist. Möglicherweise interessierst du dich für ein Studium der Psychologie an der TU Chemnitz, möchtest dich über das Fach informieren und hättest gern ein paar Insider-Informationen über das Bachelorstudium bei uns? Perfekt! Dann bist du hier genau richtig.

Heute möchte ich dir gern von all den Fertigkeiten berichten, die du in den kommenden Jahren deines Bachelorstudiums zwar erlernen wirst, die jedoch in keiner Studienordnung der Welt stehen. Damit meine ich all jene Dinge, die über das theoretische Fachwissen hinausgehen. Ich möchte versuchen, all die Situationen zu beschreiben, die dich in deinem Studium zunächst herausfordern könnten und dich dann über dich hinaus wachsen lassen.

Zunächst ein kleiner Rückblick auf mein Bachelorstudium im Fach Psychologie:

Workshops bei TU4U – studienrelevante Fertigkeiten lernen (Fotograf: Steve Conrad)

An der Uni gibt es unterschiedliche Arten von Lehrveranstaltungen: Zum einen die klassische Vorlesung, in der du 90 Minuten lang der Professorin bzw. dem Professor lauschst und zum anderen gibt es Übungen und Seminare, in denen du dich in kleineren Gruppen (ähnlich groß wie eine Schulklasse) mit den Vorlesungsthemen intensiver auseinandersetzt. In der Studienordnung sind alle Vorlesungen und Seminare aufgelistet, die es zu absolvieren gilt, um schließlich erfolgreich das Bachelorstudium abschließen zu können.

Die Seminare:

Zu Beginn meines Bachelorstudiums war ich, bei dem Blick auf die Studienordnung, ganz schön überwältigt von all den Anforderungen. Dabei machten mir vor allem die zahlreichen Seminare Sorgen, denn hier stand in den allermeisten Fällen, dass jeder Studi ein Referat halten muss. Ich dachte mir damals: „Referate, so ein Mist. Meine Knie haben doch auch zu Schulzeiten schon immer gezittert, wenn ich vor einer größeren Gruppe sprechen musste. Wie soll das dann erst an der Uni werden?“.

Wie es dann tatsächlich war:

Ganz besonders in unserem Berufsfeld, der Psychologie, ist es von essenzieller Bedeutung, dass wir Inhalte gut und verständlich rüberbringen können. Absolute Voraussetzung ist dabei, möglichst souverän vor Menschen sprechen zu können – und genau das übst du in deinem Studium durch Referate, immer und immer wieder. Aber keine Sorge: Niemand erwartet, dass du in deinem ersten Semester Reden wie Aristoteles schwingst. Du kannst zudem sicher sein, dass deine Mitstudierenden genauso aufgeregt und genauso Herzklopfen vor ihrem ersten Referat an der Uni haben wie du. Außerdem sind in deinem Studium für die ersten beiden Semester extra solche Seminare eingeplant, in denen du noch keine Benotung für deinen Vortrag bekommst. Das nimmt erst einmal den Druck und verschafft dir die Möglichkeit, dich langsam an die Vortragsweise, wie sie an der Uni erwartet wird, zu gewöhnen und dich in der Gestaltung deiner Präsentation auszuprobieren.
Alles weitere passiert durch all die Übung ganz nebenbei:

  • Du wirst mit der Zeit immer routinierter darin, die Informationen für deinen Vortrag zu recherchieren,
  • Du wirst viel weniger Aufwand für die Ausgestaltung deiner Präsentationsfolien brauchen
  • … und irgendwann wirst du nicht einmal mehr deine Notizen benötigen, sondern völlig frei vor der Seminargruppe sprechen.

Und keine Sorge: Du wirst mit all dem zu keiner Zeit allein gelassen.
An unserer Uni gibt es zahlreiche kostenlose Workshops, die dich bei deinen Anliegen unterstützen. Ich habe z.B. bei TU4U einen Workshop zum Thema „Prüfungsangst“ mitgemacht – dort findest du aber auch viele andere Kurse z.B. rund um die Themen „Hausarbeiten schreiben“ und „Referate vorbereiten“. Du kannst dort auch neue Lerntechniken kennenlernen oder dich individuell zu deinen persönlich relevanten Themen beraten lassen.

Die Vorlesungen:

Am Ende eines jeden Semesters werden die Inhalte der Vorlesungen mit einer Klausur abgefragt. Besonders in meiner allerersten Prüfungsphase (so werden die (ca. 4) Wochen vor den Semesterferien genannt, in denen die Klausuren geschrieben werden) habe ich den Arbeitsaufwand als beinahe überwältigend hoch empfunden. Aus heutiger Perspektive lag dies aber vor allem daran, dass mein tatsächliches Arbeitspensum noch durch weitere Faktoren bestimmt war:

  • Da war zum einen die Ungewissheit, wie die Prüfungen in der Psychologie aussehen / welche Anforderungen gestellt werden.
  • Zum anderen hatte ich immer im Hinterkopf, wie meine Freunde und Familie vor Studienantritt kommentierten: „Psychologie? Da hast du dir aber was schweres rausgesucht.“, „Durch Statistik fallen alle durch, hab‘ ich gehört.“

… Das führte zwangsläufig zu einem durchgehend höheren Stresslevel in den ersten Semestern. Unbegründet, wie sich herausstellen sollte, denn Fleiß und Initiative wird in diesem Studium mit guten Noten belohnt.

Ich halte es für sinnvoll, sich in den ersten Semestern genügend Zeit zu nehmen und ganz bewusst verschiedene Lerntechniken auszuprobieren – das ist mein persönlicher Schlüssel für den Studienerfolg gewesen. Wer seine Lerntechnik gefunden hat, wird den Lernstoff viel effizienter bewältigen und dadurch auch den Arbeitsaufwand gering halten können.
Zudem würde ich empfehlen, bei der Anzahl der Prüfungsleistungen allein auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen und sich nicht zu sehr von Mitstudierenden beeinflussen zu lassen, die sich schon in ihrem ersten Semester für zahlreiche Klausuren anmelden. Denn klar ist: Du wirst auch bei der Aufbereitung und Komprimierung des Prüfungsstoffs mit der Zeit viel routinierter und strukturierter vorgehen. Demnach wird es dir vermutlich auch im höheren Semester deutlich leichter fallen, selbst eine Vielzahl an Prüfungen zu bewältigen.

Das Lernen in der Gruppe hat mir in der Prüfungsphase übrigens immer besonders gefallen. Dabei musste es gar nicht unbedingt um den direkten Austausch über Studieninhalte gehen. Schon allein die täglichen Rituale (sich täglich zur gleichen Zeit an der Bibliothek zu treffen, beieinander zu sitzen, gemeinsam die Pausen zu verbringen) waren sehr motivierend und wertvoll, um auch in der vorlesungsfreien Zeit eine geregelte Tagesstruktur zu erhalten.

Alle (zukünftigen) Psychologie-Studis können sich also auf drei ganz wunderbare Jahre im Bachelorstudium freuen, welches neben der fachlichen und wissenschaftlichen Ausbildung noch eine ganze Menge mehr zu bieten hat und eure Softskills (außerfachliche Kompetenzen) um einige Fertigkeiten reicher macht.

 

Eintrag von Alica, Masterstudium Psychologie, 17.04.2020

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