Stay at home 

Unter diesem Motto startete das Sommersemester 2020. Eine seltsame Vorstellung: leere Vorlesungssäle, keine Schlangen in der Mensa und auch keine Semesterauftaktparty. Stattdessen Online-Vorlesungen und Selbststudium in den eigenen vier Wänden.

Im April 2020 wurde aus dieser Vorstellung Realität. Anstatt jeden Tag in die Uni zu fahren und vor Ort bei Vorlesungen, Seminaren und Praktika dabei zu sein, verfolgte ich in den letzten Wochen meine Lehrveranstaltungen ausschließlich über meinen Computerbildschirm. Ich studiere im sechsten Semester Regenerative Energietechnik an der TU Chemnitz und kann nur sagen, dass ich super erstaunt bin, wie schnell sich so eine neue Situation zu etwas ganz Alltäglichem entwickeln kann.

100 % digital – geht das?

Vor allem zu Beginn des Semesters waren meine Zweifel groß. Wie genau werden die Lehrveranstaltungen ablaufen? Was wird aus den prüfungsrelevanten Praktikumsterminen, bei denen normalerweise Anwesenheitspflicht besteht? Und wird es die Möglichkeit geben, in den Online-Seminaren Fragen zu stellen, so, wie es in den Präsenzveranstaltungen gehandhabt wird?

Nicht nur die Studierenden wurden mit dem neuen Online-Format der Lehre mit neuen Aufgaben konfrontiert. Auch die Dozenten standen vor einer noch nie dagewesenen Herausforderung. Es galt, Webrooms für die einzelnen Lehrveranstaltungen einzurichten, Skripte und Übungsaufgaben online zur Verfügung zu stellen, mündliche Testate im Videochat abzuhalten und sich ein komplett neues Konzept für die Durchführung von Praktika zu überlegen.

Uni- (er)leben mit Abstand

Auch wenn wir zu Beginn des Semesters für fast jedes Modul eine andere Kommunikationsplattform verwendeten und man sich irgendwann nicht mehr sicher war, welcher Webroom nun für welche Veranstaltung genutzt wurde, gelangte man am Ende meistens doch noch auf die richtige Seite. Technische Pannen und stumm geschaltete Mikrophone waren keine Seltenheit, die mit Zusammenarbeit, Verständnis und Humor jedoch meist schnell behoben waren.

Weiterer Vorteil: Der Vorlesungssaal weicht dem Balkon. Foto: Nora Schöttler

Die Online-Lehre hatte natürlich auch viele positive Aspekte. Wenn man es mal nicht schaffte, eine Online-Lehrveranstaltung wahrzunehmen, gab es meist die Möglichkeit, die aufgezeichnete Lehrveranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anzuschauen, zu pausieren und in Ruhe alle wichtigen Fakten mitzuschreiben. Für Langschläfer wie mich kam der weitere Vorteil hinzu, dass es bei einigen Lehrveranstaltungen nicht notwendig war, seine Webcam einzuschalten. Allerdings steigerten diese beiden Aspekte auch das Maß an Eigenverantwortung und Disziplin jedes Einzelnen. Da man keine festen Termine in der Uni hatte, zu denen man erscheinen musste, hing ein erfolgreicher Abschluss dieses Semesters ausschließlich an der eigenen Motivation und Zeiteinteilung. Ich gebe zu, dass ich in diesem Bereich noch einiges aufzuholen habe.

Außerdem fiel natürlich der normale Uni-Alltag komplett weg. Nach und nach ist es wieder erlaubt, sich mit seinen Kommilitonen zu treffen, die man alle viel zu lange nicht gesehen hatte. Von einem normalen Campus-Alltag sind wir jedoch noch weit entfernt. Klar gewöhnt man sich daran, sich seinen Kaffee zu Hause zu kochen, statt in der Pause in der Cafeteria vorbeizuschauen oder über FaceTime mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Aber Fakt ist: Es ist nicht das Gleiche.

Zusammenhalten ist angesagt

Trotzdem ist es für mich wirklich eine tolle Erfahrung gewesen, zu sehen, wie alle, sowohl die Studierenden, als auch die Lehrenden, in diesem Semester an einem Strang gezogen haben, um einen etwas veränderten, aber dennoch geregelten Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten. Ich denke, dass man in solchen Situationen immer ein Stück weit zusammenrücken und dazulernen muss und mit dem Online-Semester 2020 haben wir meiner Meinung nach gezeigt, dass wir das schaffen können und ein gutes Team sind.

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