TUCdigital

Digitale Hochschulbildung an der TU Chemnitz

Anmerkungen und offene Fragen zu den Tagen der digitalen Hochschulbildung

Im Anschluss an die Tage der digitalen Hochschulbildung ist es ein großes Anliegen, die Rückmeldungen von Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitenden der TU Chemnitz in den weiteren Prozess zur Etablierung der digitalen Hochschulbildung an unserer Universität, aber auch der Ausbildung einer Strategie zur Digitalisierung der Hochschulbildung aufzunehmen. Aus diesem Grund werden in den folgenden Montagen an auf diesen Seiten regelmäßig Rückmeldungen und Anregungen veröffentlicht. Sie sind herzlich eingeladen, am Diskurs teilzunehmen und Ihre Anregungen an janine.funke@verwaltung.tu-chemnitz.de zu schicken. 

von Dr. Thomas Franke (Professur Chemische Physik)

1.) Organisatorisches

Ich würde es außerordentlich begrüßen, wenn solche wirklich spannenden, interessanten und auch sehr wichtigen Tagungen zukünftig in die vorlesungsfreie Zeit gelegt werden könnten. Diejenigen Lehrenden, die engagiert auf dem Gebiet der Hochschuldidaktik arbeiten, haben meistens auch sehr viele Lehraufgaben, was nicht rein zufällig ist. Ich habe bestimmt die Hälfte der Seminare nicht besuchen können, weil ich meiner Hauptaufgabe, nämlich der eigenen Lehrverpflichtung nachgehen musste. Meinem Kollegen aus der Vorlesungssammlung Physik ging es ähnlich. Mir ist bewusst, dass es auch Argumente gegen die vorlesungsfreie Zeit gibt. Nach meinem Dafürhalten überwiegen jedoch die Argumente dafür.

2.) Stellenwert der Präsenzveranstaltungen

In der Keynote und auch in der abschließenden Podiumsdiskussion wurde u. a. gefragt:
a) Wieviel Digitalisierung braucht die / unsere Hochschule?
b) Welchen Stellenwert hat zukünftig insbesondere die Präsenzveranstaltung „Vorlesung“, bzw. wo und in welcher Form erfolgt die aktive Wissenskonstruktion?

Frage a) wurde aus meiner Sicht nicht oder zumindest nicht befriedigend beantwortet, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich auch nicht geht. Frage b) liegt nach der Abschlussdiskussion in der Verantwortung des jeweiligen Dozenten. Also bleibt alles so, wie es ist?! Hier sehe ich grundlegenden Handlungsbedarf. Welches Gremium wird hier entscheidenden Einfluss auf Inhalt und Form der Lehrveranstaltungen nehmen?
Welches Lehrangebot soll zukünftig (online) bereitgestellt werden?
Ich stehe auf dem so genannten kleinen Dienstweg fast täglich im Erfahrungsaustausch mit Kollegen auf der gleichen Ebene. Einen Input seitens der Leitung habe ich bisher noch nicht erfahren.
In der Einführungsveranstaltung wurde sehr schön herausgearbeitet, wie die Vorlesung quasi im Mittelalter entstand, nämlich wirklich als das Vorlesen von Informationen, die den Studierenden nicht anders zugänglich waren. Aus dem heutigen Überangebot an Informationen zu schließen, dass diese ursprüngliche Vorlesung damit abgeschafft werden sollte, halte ich für völlig falsch. Heute, und das hat auch Frau Prof. Bendixen sehr schön betont, kommt es vielmehr darauf an, dass Überangebot für unsere Hörer zu filtern. Man muss den Lernenden sagen, was wichtig ist und worauf sie sich konzentrieren müssen.

3.) Digitalisierung und Qualität der Lehre

Digitalisierung bedeutet nicht unbedingt eine Qualitätsverbesserung für die Vorlesung und endet auch nicht bei der Erstellung attraktiver Powerpointfolien oder gar Videos. In den Jahrzehnten meiner Lehrtätigkeit habe ich basierend auf der Gesamtheit der Evaluierungen und TAP-Befragungen die Erfahrung gemacht, dass es gerade in Mathematik und den Naturwissenschaften darauf ankommt, den Lehr- bzw. Lernstoff in der Vorlesung zu entwickeln. Wenn man hierbei statt der Kreide an der Tafel oder einem Stift beim Whiteboard ein Smart Podium verwendet, ist das völlig in Ordnung. Wichtig ist aus meiner Sicht für den Lernprozess nach wie vor, dass man als Hörer selbst Aufzeichnungen macht und damit aktiv an der Veranstaltung teilnimmt. Die Lehrenden, die mit Präsentationen nur Zeit sparen möchten, schießen am Ziel vorbei. In der Physik kann man pro Vorlesung etwa vier bis sechs Manuskriptseiten oder zwölf bis vierzehn Präsentationsfolien in 90 Minuten bringen, alles andere ist ein Film und kann vom Studierenden nicht erfasst werden.

4.) Digitalisierung und Hörsaalausstattung

Aus der Sicht der Physik muss auch an die Hörsaaltechnik gedacht werden. Wir benötigen eine moderne und zuverlässige Technik und müssen auch auf Rückfalllösungen vorbereitet sein. Das wird enorme Kosten verursachen. Es bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang dies gerechtfertigt ist.

5.) Digitalisierung per Dienstanweisung?

Bei einer Rückschau auf die Teilnehmenden stellt sich mir persönlich die Frage nach der Erreichbarkeit sämtlicher Lehrkräfte.
Ich glaube kaum, dass man den Digitalisierungsprozess mittels Dienstanweisung durchsetzen kann. Es sollte die Motivation der aktuell in der Lehre eingesetzten Lehrkräfte stimuliert werden.

6.) Rechtliche Situation bei digitalen Prüfungen

Bei der Diskussion der rechtlichen Situation bei digitalen Prüfungen gebe ich zu bedenken, dass man erst die technische Realisierung prüfen und erproben sollte. Erst dann kann man über einen Einsatz in der Praxis nachdenken. Momentan ist eine niveauvolle Physikklausur digital nur mit ungerechtfertigt sehr hohem Aufwand theoretisch und praktisch eigentlich gar nicht möglich.

7.) Gesamtfazit

Trotz der aufgeworfenen und aus meiner Sicht noch über einen längeren Zeitraum offenen Fragen bin ich erfreut, dass wir an unserer Universität eine Plattform gefunden haben, über Fragen der digitalen Hochschulbildung zu diskutieren. Daran sollte unbedingt angeknüpft werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert