Heterogenität im Unterricht

Franziska Schreiter ist seit zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung an der Professur Schulpädagogik der Primarstufe. Sie studierte Lehramt für Grundschulen und außerschulische Kunstpädagogik und befasste sich außerdem mit Antidiskriminierungsarbeit und sexueller Bildung in- und außerhalb von Schulen. In diesem Rahmen konzipierte Schreiter zahlreiche Workshops und Bildungsangebote, die außerhalb eines klassischen Lehrsettings liegen und vor allem prozess- als auch zielorientiert funktionieren. Ein ebensolches Seminar zum Thema Heterogenität setzt Schreiter auch an der TU Chemnitz um und berichtet hier über ihr Seminarkonzept. Auf dem TUC-Blog Campus TUschler finden Sie die Perspektive der Studentin Josephine Döring auf das Seminar von Schreiter mit dem Titel „Heterogenität im Unterricht“.

Heterogenität und Inklusion

„Meinem theoretischen Verständnis folgend heißt Inklusion, dass alle Kinder miteinander lernen (können), unabhängig ihrer so genannten kulturellen/sozialen Herkunft, ihres Geschlechts, einer Beeinträchtigung oder (besonderen) Begabung. Diese so genannten Heterogenitätsdimensionen habe ich zum Ausgangspunkt meines Seminars gemacht. Nicht um Unterschiede und Kategorien zu manifestieren, sondern um sie konstruktiv in Frage zu stellen und ihre Verwobenheiten sichtbar zu machen. Ausgangspunkt war ein antidiskriminatorischer Ansatz, da gerade entlang genannter Kategorien Ausschlüsse und abwertende Zuschreibungen stattfinden – auch in der Schule, einem Ort, an dem eigentlich alle Kinder gleich behandelt werden sollten, auch in Anbetracht ihrer individuellen Verschiedenheiten.“

Studierende in ihrer Vielfalt wahrnehmen

„Vielfalt von der Vielfalt aus denken, ist somit eine theoretische wie auch praktische Grundlage des Seminars. Auch die Studierenden haben unterschiedliche Voraussetzungen, lernen auf unterschiedliche Weise und haben unterschiedliche Zugänge zu Themen. Im Seminar sind daher flache Hierarchien grundlegend, um die Partizipation aller anzustreben. Wir duzen uns im Seminar und Nachfragen bzw. eigene Erfahrungsberichte sind stets erwünscht und werden konstruktiv eingebunden und diskutiert. Eine positive Fehlerkultur als Grundlage heißt zudem, dass die Kategorien richtig und falsch zugunsten von Diskussionen und kritischen Beiträgen aufgelöst werden können. Wenn wir von Diskriminierungen sprechen, sollten wir uns zudem immer bewusst sein, dass wir teils stellvertretend über Menschen und deren Lebensrealitäten sprechen, was eine gewisse Machtposition mit sich bringt. Eigene Positionen zu reflektieren, ist damit gleichfalls ein didaktisches Prinzip. Umgesetzt wird dies bspw., indem eigene Vorurteile und Stereotype über Kinder reflektiert werden, indem exemplarisches Handeln als „ist nicht/ist teilweise diskriminierend“ eingeschätzt und diskutiert wird oder Begrifflichkeiten und Theorien vermittelt werden.“

Methodische Umsetzung im Seminar

„Der methodische Ansatz des Seminars ist auf Transfer angelegt, sodass die verwendeten Methoden (teils abgeändert) im schulischen Bereich angewendet werden können. Durch eigenes Erleben soll hierbei der Lerneffekt gesteigert werden, gleichwie die Motivation für die Praxisanwendung.
Anstelle von Referaten kann die Prüfungsvorleistung in ganz unterschiedlichen, selbst wählbaren Formaten, geschehen. Diese variieren von theoretischen Inputs, über das Sammeln von Informationen zu außerschulischen Anlauf- und Beratungsstellen, zu Filmeinführungen, Befragungen von Studierenden, dem Ausarbeiten von Texten, dem Vorstellen von Kinderbüchern und Methoden zu bestimmten Thematiken, der gemeinsamen Planung von Veranstaltungen, Rollenspielen und vorbereiteten Diskussionen. Des Weiteren erfolgt zu jeder Seminarsitzung eine schriftliche Reflexion anhand bestimmter Fragestellungen von Seiten einer*s Studierenden. Die Basis der Zusammenarbeit ist neben Teilhabe auch eine Feedbackkultur, die stets ermöglicht, eigene Themen und Relevanzen zu setzen, aber auch kritische Rückmeldungen zu geben. Vielfalt soll entsprechend nicht nur vermittelt, sondern auch im Seminar erlebt werden.“

Vorbereitung auf Schulpraxis

„Ein Schwerpunktthema ist Schule und Geschlecht: Hierbei geht es um die Vermittlung von Sexualität und Geschlecht, aber auch um die Prävention und Intervention von/bei sexualisierter Gewalt – beides eher randständige Themen im Lehramtsstudium. Gerade Tabus oder fehlende Informationen/Anlaufstellen sind häufige Ursachen für das Nichtthematisieren in Schulen. Dem soll das Seminar Wissen, Methoden und Motivation entgegensetzen, um die Studierenden zu ermutigen, einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag gegen Gewalt und Diskriminierung zu leisten und/oder mit entsprechenden Institutionen zu kooperieren.
Lehre bedeutet für mich, die Studierenden auf die Schulpraxis vorzubereiten, die aus weit mehr als Lehrinhalten und dem Erreichen von Lernzielen besteht. Eigene Einstellungen und ein Umgang mit Schüler*innen, der Unterschiedlichkeiten achtet, aber diese nicht als Grundlagen für Ungleichbehandlung nutzt, ist eine wesentliche Voraussetzungen um mehr Chancengerechtigkeit in den Schulen und der Gesellschaft anzustreben. Die Studierenden dabei zu unterstützen, sehe ich als meine Aufgabe an, weshalb ich auch außerhalb des Seminars Veranstaltungen zu genannten Themen konzipiere bzw. unterstütze und sehr dankbar über das positive Feedback bin, was ich dafür erhalte.“

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