Herzlichen Glückwunsch – als zweite deutsche Bibliothek erhält die Universitätsbibliothek der TU Chemnitz erneut die begehrte Auszeichnung für die Umsetzung von Offenheit als Prinzip.
Nach den Verleihungen 2016 und 2020 wird ihr diese Ehrung nun zum dritten Mal zuteil und sie konnte damit die Erfüllung der überarbeiteten Openess-Kriterien bestätigen.
„Mit 17 von 28 erfüllten Kriterien und einer Abdeckung aller 7 Themenbereiche zeigt die Bibliothek eindrucksvoll, wie konsequent sie sich für Offenheit und Transparenz einsetzt. Besonders stark ist ihr Ergebnis in den Bereichen Partizipation und Citizen Science sowie Open Access und Open Data.“ (Open Library Badge 2025) Als Best Practice Beispiele für Citizen Science wurden das Projekt „Fäden der Erinnerung“ und die Ausstellung „Stadtgeschichten in Bewegung“ genannt.
Der Erfolg ist ein Konglomerat aus der Unterstützung der Bibliotheksleitung, dem starken Engagement des Open Science Teams und der bereichsübergreifenden Mitwirkung der Mitarbeitenden.
Kooperationen mit universitätsinternen und externen Partnern steigern die Chancen offener Wissenschaft. Es entstehen Netzwerke, die Handlungsfelder nachhaltig erweitern, neue Ideen und Sichtweisen integrieren und Open Science insgesamt regional sowie überregional voranbringen. Besonders deutlich wurde der Prozess anlässlich der Verleihung des Open Science Award 2025 durch die Universitätsbibliothek. Es gab eine überraschend große Anzahl an Bewerbungen aus den unterschiedlichsten akademischen Karrierestufen mit interessanten Projekten über die gesamte Fächerbreite unserer Universität.
Das Open Science Team beteiligt sich aktiv in der Across Allianz zur gemeinsamen Umsetzung von Open Science in den Mitgliedseinrichtungen. Die erstmals überregionale Gestaltung der Internationalen Open Access Week 2025 war ein großer Erfolg. Momentan wird eine ACROSS Open-Science-Policy erarbeitet.
Als Ansprechpartner für alle Fragen zu Open Science steht das Team beratend zur Seite. Sie erreichen uns über os@bibliothek.tu-chemnitz.de.
Der Open Library Badge (OLB) ist das Qualitätssiegel für Bibliotheken, die sich für Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft einsetzen. Gegründet wurde die Initiative 2016 und ist seit 2025 eine Arbeitsgruppe im Deutschen Bibliotheksverband.
Im Nachklang der Open Access Week 2025 und der Verleihung des Open Science Award erinnern wir uns an eine ereignisreiche Woche.
Gemeinsam haben das Open Science Team der Universitätsbibliothek, das Projekt D2C2 und die ACROSS Alliance ein abwechslungsreiches Programm gestaltet. Neben spannenden Vorträgen, konnte man sich an verschiedenen Aktionen beteiligen, wie „Change my mind“ und Open Science Quiz.
Höhepunkt war die Verleihung des Open Science Award (Bild). Potentielle Preisträger und Preisträgerinnen konnten sich selbst bewerben oder von einer anderen Person vorgeschlagen werden. Alle Nominierten reichten im Nachhinein eine Eigenbewerbung ein.
Die Vielzahl beeindruckender Bewerbungen hat uns komplett überrascht und begeistert.
Es schien nahezu unmöglich, nur 3 von Ihnen für einen Preis auszuwählen.
Da aber nicht alle einen Preis erhalten konnten, ist es uns wichtig, alle Projekte in ihrer Einzigartigkeit hier noch einmal in Kurzform vorzustellen. Die Projektbeschreibungen wurden zum überwiegenden Teil aus den eingereichten Bewerbungen bzw. Präsentationen übernommen. Detaillierte Auskünfte geben die jeweiligen Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen sicherlich gern.
[Die hier genannte Reihenfolge sagt nichts über die Wertigkeit der Beiträge aus.]
StochasticDominance ist ein Julia Open-Source-Paket zur besseren Entscheidungsfindung bei Finanzoptionen und ermöglicht eine effiziente Verifizierung und Optimierung unter stochastischen Dominanzbedingungen höherer Ordnung. Durch die Reduzierung unendlicher Bedingungen auf eine endliche Menge macht das Tool fortschrittliche Entscheidungsfindungsmethoden für Forscher:innen und Praktiker:innen zugänglich und praktikabel. (Rajmadan Lakshmanan & Prof. Dr. Alois Pichler)
„PartWiss“ Leitfaden für Partizipation in der Forschung wurde kollaborativ mit über 150 Mitwirkenden gestaltet. Er beschreibt zentrale Aspekte in zehn Handlungsfeldern. Ziel ist es, praktische Hilfestellungen anzubieten und eine Orientierung in der Vielfalt partizipativer Ansätze und Begrifflichkeiten zu geben. Er ist als didaktisch ansprechendes Kartenset gestaltet, um ihn modular nutzen zu können. Auf den einzelnen Karten finden sich zusätzliche Praxishinweise und weiterführende Materialien. (Jun.-Prof. Dr. Andreas Bischof)
Der Wissenschafts-Podcast „Linguistics Behind the Scenes“ beschreibt eine besondere Form, auf Forschung aufmerksam zu machen und sie niedrigschwellig stufenweise zugänglich zu machen. Damit soll das Interesse für linguistische Fragestellungen geweckt werden und gleichzeitig beiläufig über wissenschaftliche Methoden informiert und die wichtigsten Inhalte der Forschung verständlich vermittelt werden. Über Links in den Shownotes auf Spotify etc. können alle Interessierten fast alle der zugrundeliegenden Publikationen lesen und sich selbst ein umfassendes Bild davon machen. Viele zugehörige Artikel und Buchbeiträge wurden als Zweitveröffentlichung im Repositorium MONARCH-Qucosa veröffentlicht. (Prof. Dr. Christina Sanchez-Stockhammer)
PhD-Projekt („Digitally Created Body Positivity“) Frau Yeo promoviert ganzheitlich im Sinne von Open Science und gibt ihre Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an Studierende weiter. In ihrem Forschungsprojekt war sie oft mit einem limitierten Zugang zu Informationen konfrontiert. Verfügbare Materialien hatten eine zu geringe Diversität, geringe Vergleichbarkeit und eingeschränkte Replizierbarkeit. Deshalb hat sie umfangreiche Daten erhoben, Beispielstimuli erstellt und auf OSF (Open Science Framework) gespeichert. Alle empirischen Projekte wurden vorab registriert. Hypothesen, Design und Analyseverfahren sowie Ausschlusskriterien wurden offen gelegt. Für die die Materialien hat sie die am weitesten offene Open Access Lizenz CC BY 4.0 eingeräumt. In ihrem gesamten Forschungsprozess veröffentlicht sie ausschließlich Open Access. Im Rahmen der Betreuung von Abschlussarbeiten wird dieser Ansatz teilweise verpflichtend aber auch mit großer Unterstützung der Studierenden fortgesetzt. (Jiyeon Yeo)
BirdNET; Das Projekt muss man kaum noch vorstellen. Mit über 2 Millionen aktiven Nutzern der App, die in über 80 Forschungsprojekte integriert wurde, zählt es zu den beliebtesten Foschungsprojekten der TU Chemnitz. Das künstliche neuronale Netz, kann mehr als 6.000 Vogelarten erkennen. wird unter einer freien Lizenz bereitgestellt und bildet die Grundlage einer Vielzahl an frei verfügbaren Open-Source-Lösungen. Damit leistet das interdisziplinäre und internationale Team einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität. Einzigartig im Vergleich zu anderen KI-Systemen ist die Transparenz und Reproduzierbarkeit. Der barrierefreie, niedrigschwellige Zugang ermöglicht die Teilhabe sowohl von professioneller Forschung als auch Biologen, Umweltorganisationen und Citizen Science-Projekten. (Dr. Stefan Kahl)
Frau Morgenstern forscht zu Spindynamik in organischen Molekülen und macht alle ihre Ergebnisse Open Access zugänglich. Sie ist Vorbild bei der offenen Bereitstellung von Messdaten, Analyseskripten und der vollständigen Messung sowie des zugehörigen Analyseverfahrens auf GitHub. Diese Aktivität ist beispielhaft für Open Science in der organischen Elektronik. Sie ermöglicht vollständige Reproduzierbarkeit und interdisziplinäre Wiederverwendbarkeit in den Bereichen Physik, Materialwissenschaften und Ingenieurwesen. Darüber hinaus hat sie das elektronische Laborbuch elabFTW in der Forschungsgruppe eingeführt, um eine standardisierte und FAIR-konforme Datendokumentation zu gewährleisten. Dieser Ansatz bricht mit den traditionell geschlossenen Praktiken in diesem Bereich und zeigt, wie Transparenz und Zugänglichkeit den wissenschaftlichen Fortschritt vorantreiben können. (Annika Morgenstern)
Von Feburar bis November 2024 wurde eine Online-Panelstudie zum Einfluss von Deepfakes auf die Wahrnehmung demokratischer Prozesse und Polarisierung erhoben. Der Fragebogen für die Erhebung sowie ein Analyseplan wurden vorab auf OSF präregistriert. Das Ethikvotum zum Vorhaben ist offen zugänglich. Ein Manuskript, inklusive Replikations-Scripts, Datensätzen und Codebook befindet sich im Review. Der Datensatz wurde in der Community beworben und Forschende erhalten einen Datenzugang nach Vorab-Präregistrierung ihrer Fragestellung. Das Projekt wurde ohne Drittmittelanbindung allein von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen initiiert. Es dient als Vorbild für kollaborative, zugängliche Forschung und aktive Unterstützung von Open Science in den Sozialwissenschaften. (Klara Marie Steinmetz)
„Frontiers in Neurorobotics“ ist weltweit die einzige Open Access Zeitschrift im Feld Neurorobotik. Nach schwierigen Anfangsjahren hat sie sich durch die hohe Qualität der publizierten Artikel erfolgreich etabliert und einen Impact Faktor von 2.8, einen CiteScore von 6,1 und insgesamt 25.138 Zitationen erreicht. Herr Professor Röhrbein ist einer der Hauptherausgeber der Zeitschrift und Ansprechpartner für eine Vielzahl an Editoren und Reviewern. Er leistet so einen bedeutsamen Beitrag zur globalen Stärkung der Forschung durch freien Zugang und bestätigt, das Open Access (Open Science) mit sehr guter Qualität verbunden werden kann. Über seine Erfahrungen durfte er auch vor der ERC-Präsidentin und dem Präsidenten der HRK berichten. (Prof. Dr. Florian Röhrbein)
Die Professional Learning Community Open Science etabliert seit fast vier Jahren Open Science (OS) in der Lehre durch ein innovatives „Students as Partners“-Konzept. Als Open Educational Ressources (OER) erstellte Vortragspakete für Studierende der Psychologie machen vom ersten Tag an mit OS-Prinzipien vertraut. Präregistrierungs-Workshops schaffen direkten Praxisbezug. Extracurricular rücken der Journal Club und der Instagram-Account die gesellschaftliche Relevanz von OS-Inhalten in den Fokus und wenden sich direkt an Studierende, Lehrende und Wissenschaftler:innen. Durch den perfekten Mix aus Lehre, Peer-Learning und Wissenschaftskommunikation werden Studierende der Psychologie gezielt an transparente Wissenschaft herangeführt. (Kathrin Fucke)
Die Digitale Gesundheitsanwendung (DiGa) Mawendo ist ein Therapieprogramm für das Heimtraining. Die Trainingspläne enthalten Übungsvideos und basieren auf dem aktuellen Forschungsstand. Ein Team der Professur für Forschungsmethoden und Analyseverfahren in der Biomechanik hat es geschafft nachzuweisen, dass die DiGA im Vergleich zur Standardtherapie (Physiotherapie) überlegen ist. Nur so war die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis möglich. Basis für die Entscheidung war der in MONARCH-Qucosa veröffentlichte Studienbericht des Projektes. Eine englischsprachige Veröffentlichung im „Journal of Medical Internet Research“ erschien mit der Lizenz CC BY 4.0. Die erfolgreiche Registrierung im DiGA-Verzeichnis ermöglicht nun eine Kostenübernahme für die Therapie durch die Krankenkasse für eine Vielzahl von Versicherten. (Dr. Tobias Mayer-Roth)
Mit der Veröffentlichung einer Studie zum Forschungsdatenmanagement (FDM) an deutschen Universitäten in einem Diamond-Open-Access-Journal ist das Forschungsprojekt Vorreiter in den Wirtschaftswissenschaften. Die Zeitschrift „M@n@gement“ ist das erste Open-Access-Journal für Management, Strategie und Organisationstheorie. Die dortige Publikation setzt ein starkes Zeichen für konsequent offene Wissenschaftskultur. Im Artikel wird erstmals die Analyse von Forschungsdatenmanagement mit einer kritischen Perspektive auf die „neoliberale Universität“ verbunden. Maßgeblich ist die Erkenntnis, dass unterschiedliche Fächerkulturen bestimmen, wie offene Datenpraktiken umgesetzt werden. FDM wird durch konkurrierende institutionelle Logiken geprägt und durch Spannungen zwischen Transparenz-, Effizienz- und Wettbewerbsidealen geformt. Die Studie eröffnet neue Diskussionen und zeigt, dass höchste wissenschaftliche Qualität, methodische Transparenz und uneingeschränkter Zugang vereinbar sind und sich gegenseitig stärken können. (Christian M. Huber)
Die Meta-Studie zu makroökonomischen Effekten konventioneller Geldpolitik (MORPEP META-CMP) ist im Bereich Makroökonomik die wahrscheinlich erste Meta-Analyse mit umfangreicher öffentlicher Dokumentation. Über die Präregistrierung des Analyseplans, die KI-gestützte Literatursuche (10.714 Studien), die Dokumentation der Datensuche und Kodierungsinstruktionen, die Versionskontrolle für alle Rohdaten, die Zwischenschritte der Datensatzerstellung, die Datenextraktion bis zur finalen Analyse sind alle Informationen öffentlich einsehbar. Im Beispiel wird eindrucksvoll demonstriert, wie Meta-Analysen transparent und reproduzierbar durchgeführt werden können. Die Erfahrungen werden über den Fachbereich hinaus geteilt und dienen als Orientierungshilfe für die Forschungsgemeinschaft. (Dr. Franz Prante / Prof. Gechert)
Die Digitale, kommentierte und historisch-kritisch perspektivierte Edition des Romans „Ahasver“ (1981) von Stefan Heym stellt einen wertvollen Beitrag zur Verbreitung seines bedeutenden literarischen Werkes dar. Das Projekt bietet erstmals umfassende Einsichten in die Materiallage und enthält detaillierte Kommentare und Analysen. Das Werk bietet niedrigschwellige und intuitive Möglichkeiten des Zugangs für verschiedenste Benutzergruppen. Der Open Access Zugang erfolgt über die drei Abteilungen Textebene, Vermittlungsebene und Überlieferungsebene. Zielgruppe ist sowohl das philologische Fachpublikum wie alle interessierten Leserinnen und Leser. (Tobias Frank)
Der Sammelband zur Kulturhauptstadt Chemnitz 2025. Sozialräumliche Erkundungen beschreibt den Forschungsbeitrag der TU Chemnitz zum Kulturhauptstadtjahr und vermittelt wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema an eine breite Öffentlichkeit. Er vereint lokale zivilgesellschaftliche Aktivitäten und zeigt die starke Verbundenheit der TU Chemitz mit Stadt, Region und Ereignis. Die hier betriebene kommunikative Art von Open Science ermöglicht, die Gesellschaft an Forschung teilhaben zu lassen und von unterschiedlichen Expertisen zu profitieren. Zudem werden soziale Dialogchancen eröffnet, was gerade in Zeiten zunehmender Wissenschaftsskepsis von Bedeutung ist und Vertrauen in Forschung stärken kann. Der Band konnte über das Landesdigitalisierungsprogramm Open Access veröffentlicht werden. (Dr. Ulf Bohmann & Jun.-Prof. Dr. Thomas Laux)
Forschungsprojekt zur Akzeptanz von second-hand Produkten (als Geschenk) Die Ergebnisse zeigen eine soziale Norm, welche second-hand Geschenken entgegensteht und erfassen wann Konsumenten dennoch bereit sind, second-hand Produkte zu verschenken. Materialien, Daten, Analysecodes und Ergebnisreports können durch die Bereitstellung auf dem Open Science Framework (OSF), der Zuordnung von Metadaten und prospektiv DOIs öffentlich zugänglich und auffindbar gemacht werden. Das OSF-Projekt ist darauf ausgelegt, international verständlich und einfach nutzbar zu sein. Die Dateien sind strukturiert abgelegt und beschriftet. Analysecodes in der frei verfügbaren Programmiersprache R stellen sicher, dass Analysen interoperabel und reproduzierbar sind. Präregistrierungen erlauben zudem eine Trennung zwischen konfirmatorischen und explorativen Analysen. (Juliane Weidenhagen)
Das Projekt „Mit LLMs zu aussagekräftigen Metadaten“ adressiert die zentrale Herausforderung der Arbeit mit offenen Daten. Im Optimalfall sind diese so beschrieben, dass sie für alle auffindbar und nachnutzbar sind. Im Projekt werden offene Sprachmodelle (Open Source LLMs) genutzt um DCAT konforme Metadaten automatisch zu erzeugen. Das reduziert manuellen Aufwand, erhöht Qualität und Konsistenz und macht offene Daten für Verwaltung, Forschung und Zivilgesellschaft leichter auffindbar. Die Aktivität verbindet Open Access, Open Data und Open Source in vorbildlicher Weise. Der Ansatz ist gut reproduzierbar und lässt sich leicht auf verschiedene Anwendungsszenarien (Repositorien, OER…) übertragen. (Björn-Lennart Eger)
Für das DFG-geförderte Projekt „Wissen, was falsch läuft“ wurden in den letzten 3 Jahren insgesamt 5 Experimente durchgeführt, mit dem Ziel, transparent und reproduzierbar mehr über menschliche Wahrnehmung und Handlung zu erfahren. Damit werden reichhaltige, multimodale, und hochauflösende Zeitreihen von Verhaltensdaten zugänglich in einem Bereich, wo üblicherweise nur aggregierte Daten verfügbar sind. Gleichzeitig werden detaillierte Analyseskripte und Beschreibungen verfügbar gemacht, wodurch mit den Datensätzen unabhängig gearbeitet werden kann, sei es mit anderen Fragestellungen, Analyse- oder Modellierungsansätzen, oder zur Replikation. Dies ist besonders wertvoll, weil die Messdaten mit sehr präzisem, spezialisiertem high-tech-Equipment und großem personellem Aufwand erhoben wurden. Die Veröffentlichung von Preprints schafft zudem unmittelbaren Zugang zu aktueller Forschung und macht zugleich den Publikationsprozess transparent. (Dr. Karl Kopiske)
Das Projekt BioFab Vending – Nachhaltiger 3D-Druck aus organischen Abfällen wandelt alltägliche Küchenabfälle in biologisch abbaubare Einwegprodukte wie Becher, Teller und Löffel um. Das vollautomatische Open-Source-Hardwaresystem sortiert mithilfe von Sensoren und Bildverarbeitung geeignete Abfälle, trocknet und zerkleinert sie, mischt sie mit biologisch abbaubarem PLA, pelletiert sie und druckt den ausgewählten Artikel in 3D. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft zu fördern, Abfall zu reduzieren und nachhaltiges Konsumverhalten zu unterstützen. (Pranav Avinash Khadkotkar & Saswat Pradhan)
Im ERC-Projekt ACTIONS wurde eine Strategie für Open Science in der Professur für Elektrochemische Sensorik und Energiespeicherung entwickelt und umgesetzt. Dazu gehören Veröffentlichungen im Gold Open Access, das Veröffentlichen zugehöriger Datensätze, das Aufstellen eines ERC-kompatiblen Datenmanagement-Plans und regelmäßige Schulungen. Hervorzuheben ist die Aufarbeitung von Datensätzen nach den FAIR-Prinzipien, was eine deutliche Mehrarbeit darstellt und in den Naturwissenschaften in dieser Form noch nicht oft umgesetzt ist. Diese Open Science Gesamtstrategie ist Vorbild für andere Forschungsgruppen und sichert evidenzbasiertes wissenschaftliches Arbeiten. (Dr. Markus Gößler & Prof. Dr. Karin Leistner)
Die wissenschaftliche Publikationslandschaft steht vor einer der größten Krisen aller Zeiten. Paywalls versperren den Zugang zu öffentlich finanziertem Wissen, predatory Journals überschwemmen die Literatur mit unzuverlässigen Arbeiten, und Paper Mills produzieren massenhaft gefälschte Studien mit KI-generierten Daten, Texten und Bildern. Diese Entwicklungen verschwenden Steuergelder, verzerren Forschungsergebnisse, führen zu irreführenden Experimenten und untergraben das Vertrauen in die Wissenschaft insgesamt.
Die Stockholm-Deklaration, initiiert von der Royal Swedish Academy of Sciences und veröffentlicht in der Royal Society Open Science, ist ein dringender Aufruf zum Handeln. Sie fordert vier Kernprinzipien:
Die Akademie soll die Kontrolle über Publikationen zurückerlangen,
Qualität statt Quantität belohnen,
unabhängige Betrugserkennung etablieren
gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Integrität umsetzen.
Es geht um nachhaltige, non-profit Modelle wie Diamond Open Access, den Abschied von „Publish or Perish“ und den Kampf gegen Fake-Publikationen.
Als Forscher können Sie aktiv mitwirken! Unterzeichnen Sie die Stockholm-Deklaration und schließen Sie sich der globalen Koalition für eine vertrauenswürdige Wissenschaft an.
Eine Studie auf ArXiv besagt, dass die Kosten für APCs im Open Access von 2019 bis 2023 verdreifacht wurden. Dies erfordert offensichtlich eine Lösung, da diese Kosten für Bibliotheken und Universitäten nicht mehr tragbar sind. Diamond Open Access (DOA) Journals gewinnen zunehmend an Bedeutung in diesem Kontext. Diese Zeitschriften bieten sowohl Lesern als auch Autoren kostenfreien Zugang ohne Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APCs). Doch was macht DOA so besonders, und welche Projekte weltweit zeigen, wie erfolgreich dieses Modell sein kann? Dieser Artikel bietet eine Übersicht über erfolgreiche DOA-Initiativen und gibt Einblicke, wie Universitäten dieses Modell intern fördern können.
Was ist Diamond Open Access?
Diamond Open Access bezeichnet ein Publikationsmodell, bei dem wissenschaftliche Zeitschriften kostenlos zugänglich sind und Autoren keine Gebühren zahlen müssen. Laut dem OA Diamond Journals Study (2021) von cOAlition S und Science Europe machen DOA-Zeitschriften etwa 73 % der im Directory of Open Access Journals (DOAJ) registrierten Publikationen aus, wobei sie vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften stark vertreten sind. Finanziert werden sie oft durch Universitäten, Bibliotheken oder staatliche Institutionen, was sie zu einem nachhaltigen und gerechten Modell macht. Nachstehend findet man eine kurze Liste von Projekten in der Welt und in Europa, die sich mit Diamond Journals befassen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
DOA-Projekte weltweit
SciELO (Scientific Electronic Library Online). SciELO ist eine der größten DOA-Plattformen mit über 1.500 Zeitschriften, vor allem aus Lateinamerika, Afrika, Portugal und Spanien. Finanziert durch staatliche und akademische Institutionen fördert SciELO die regionale Forschung und stärkt die Bibliodiversität. Es zeigt, wie globale Sichtbarkeit und lokale Relevanz Hand in Hand gehen können.
Redalyc. Redalyc, ebenfalls in Lateinamerika ansässig, beherbergt über 1.400 DOA-Zeitschriften. Unterstützt von Universitäten und Regierungen bietet die Plattform freien Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten und stärkt die Forschung in ressourcenarmen Regionen.
Open Library of Humanities (OLH). OLH ist ein Vorreiter in den Geisteswissenschaften mit 33 DOA-Zeitschriften. Finanziert durch Mitgliedsbeiträge von Bibliotheken weltweit, nutzt OLH das Open-Source-System Janeway, um Kosten niedrig zu halten. Dieses Modell ist besonders interessant für Universitäten, die in bestehende Plattformen investieren möchten, anstatt eigene zu entwickeln.
African Journals Online (AJOL). AJOL unterstützt über 500 afrikanische Zeitschriften, viele davon im DOA-Modell. Durch Finanzierung von Stiftungen und Institutionen fördert AJOL die Sichtbarkeit afrikanischer Forschung und beweist, dass DOA auch in Regionen mit begrenzten Ressourcen funktioniert.
DOA-Projekte in Europa
OpenEdition Journals (Frankreich). OpenEdition Journals ist eine führende Plattform für Geistes- und Sozialwissenschaften, die zahlreiche DOA-Zeitschriften hostet. Mit der Open-Source-Software Lodel und finanzieller Unterstützung von französischen und europäischen Institutionen fördert sie multilinguale und multikulturelle Forschung.
openjournals.nl (Niederlande). Die Plattform openjournals.nl unterstützt DOA-Zeitschriften in den Niederlanden und wird von akademischen Institutionen und Bibliotheken finanziert. Sie nutzt Open Journal Systems (OJS) und deckt verschiedene Disziplinen wie Sozial- und Geisteswissenschaften ab.
tidsskrift.dk (Dänemark). tidsskrift.dk ist eine dänische Plattform für DOA-Zeitschriften, die vom Ministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. finanziert wird. Sie konzentriert sich auf Sozial- und Geisteswissenschaften und nutzt OJS, um die Zugänglichkeit zu gewährleisten.
Europäische Unterstützung für DOA
Europäische Projekte wie DIAMAS und CRAFT-OA, finanziert durch Horizon Europe, stärken die Nachhaltigkeit von DOA-Zeitschriften. DIAMAS entwickelt institutionelle Publikationsmodelle, während CRAFT-OA mit dem Diamond Discovery Hub (in Entwicklung – Stand: 22.05.2025) die Sichtbarkeit von DOA-Zeitschriften erhöht. Diese Initiativen, zusammen mit der Unterstützung durch Science Europe und die UNESCO-Empfehlung zur Open Science (2021), fördern die Verbreitung des DOA-Modells in Europa.
Es ist nicht immer Diamant, was glänzt
Obwohl das Diamond Open Access (DOA)-Modell für seine ethische und kostenfreie Publikationsweise geschätzt wird, ist Vorsicht geboten, da nicht jeder Verlag, der sich als „Diamond“ bezeichnet, tatsächlich diesen Prinzipien folgt. Einige Verlage nutzen den Begriff „Diamond“, um Autoren und Leser anzulocken, während sie versteckte Gebühren erheben oder die Qualität der Peer-Review vernachlässigen, was den Standards seriöser DOA-Zeitschriften widerspricht. Derartige Praktiken können die Glaubwürdigkeit der Forschung beeinträchtigen und die Prinzipien des offenen Zugangs untergraben. Universitäten und Forscher sollten daher die Transparenz und die Finanzierungsmodelle von Verlagen prüfen und sich auf etablierte Plattformen und Datenbanken wie die DOAJ stützen, um sicherzustellen, dass sie mit seriösen Open-Access-Zeitschriften zusammenarbeiten.
Herausforderungen und Chancen
Trotz ihrer Vorteile stehen DOA-Zeitschriften vor Herausforderungen, wie etwa der Abhängigkeit von Freiwilligen oder fehlenden Langzeitarchivierungsstrategien (57 % der DOA-Zeitschriften haben laut dem OA Diamond Journals Study von cOAlition S und Science Europe [Seite 96] keine solche Strategie). Dennoch bieten sie enorme Chancen: Sie fördern die Bibliodiversität, unterstützen multilinguale Forschung und entsprechen Richtlinien wie Plan S, die offenen Zugang fordern.
Diamond Open Access an der TU Chemnitz
An der Technischen Universität Chemnitz setzen wir uns aktiv für Diamond Open Access ein, um den freien Zugang zu wissenschaftlicher Forschung zu fördern. Die Universitätsbibliothek betreibt eine Plattform für Open-Access-Zeitschriften, die auf der Open-Source-Software Open Journal Systems (OJS) basiert und einigw DOA-Zeitschriften hostet, darunter das innoTRAC Journal, GAMM Archive for Students (GAMMAS) und das Journal of Embedded Selforganising Systems. Diese Zeitschriften decken innovative Themen wie Traktionsmechanismen, angewandte Mathematik und Informatik ab und sind komplett kostenfrei für Autoren und Leser. Durch unsere Open-Access-Policy, die seit 1995 Erst- und Zweitveröffentlichungen im Repositorium MONARCH-Qucosa ermöglicht, sowie durch Schulungen und Beratungen fördern wir die Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit der Forschung unserer Wissenschaftler. Die Plattform unterstützt zudem die Vergabe von Persistent Identifiers wie DOI, um maximale Reichweite und Langzeitarchivierung zu gewährleisten.
Wenn Sie Interesse daran haben, ein Diamond Open Access Journal an der TU Chemnitz zu gründen und Teil dieser zukunftsweisenden Bewegung zu werden, kontaktieren Sie mich bitte über die Universitätsbibliothek, um Unterstützung und weitere Informationen zu erhalten.
In einer Zeit, in der die Kosten für wissenschaftliche Publikationen – sogenannte Article Processing Charges (APC) – immer weiter steigen und oft mehrere Tausend Euro pro Artikel betragen, stehen Forschende und Institutionen vor großen finanziellen Hürden.
Plattformen wie SciPost bieten mit ihrem Diamond Open Access-Modell eine nachhaltige, kostenfreie Alternative, die sowohl Autorinnen als auch Leserinnen entlastet. Für Forschende der Technischen Universität Chemnitz ist SciPost eine zusätzliche Möglichkeit, Forschung zu veröffentlichen.
Was ist SciPost?
SciPost wurde 2016 vom Physiker Jean-Sébastien Caux gegründet und ist eine von Wissenschaftlerinnen geführte Plattform, die sich auf Naturwissenschaften wie Physik, Chemie, Mathematik und Astronomie spezialisiert. Manuskripte können direkt oder über den Preprint-Server arXiv.org eingereicht werden. SciPost setzt auf ein transparentes Open-Peer-Review-Verfahren (peer-witnessed refereeing), bei dem Gutachten nach redaktioneller Prüfung online veröffentlicht werden, wobei Gutachterinnen anonym bleiben oder ihre Namen nennen können. Bis 2023 hat SciPost über 2.000 Artikel veröffentlicht, darunter Arbeiten von renommierten Wissenschaftlerinnen wie dem Nobelpreisträger Giorgio Parisi.
Die Zeitschriften, wie SciPost Physics und SciPost Chemistry, decken ein breites Spektrum ab. Alle Artikel erscheinen unter der Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)-Lizenz, die die Nutzung, Reproduktion und Verbreitung für kommerzielle und nicht-kommerzielle Zwecke erlaubt, sofern die Quelle korrekt zitiert wird.
Warum Diamond Open Access?
Im Gegensatz zu traditionellen Publikationsmodellen, die hohe APCs oder Lesegebühren verlangen, beseitigt Diamond Open Access finanzielle Hürden. SciPost wird durch freiwillige Beiträge von Bibliotheken (die UB Chemnitz ist einer der Unterstützer von SciPost), Universitäten, Förderagenturen und Konsortien finanziert, wie möglicherweise auch von der TU Chemnitz. Dies fördert eine gerechtere Wissenschaftskommunikation und steht im Einklang mit den Prinzipien der Berliner Erklärung über offenen Zugang von 2003, die die TU Chemnitz unterstützt.
SciPost nutzt das PubFracs-System, das die institutionellen Zuschreibungen von Autorinnen gewichtet, um die finanzielle Unterstützung zwischen beteiligten Institutionen aufzuteilen. Die durchschnittlichen Kosten pro Artikel liegen bei etwa 500 Euro.
Vorteile für Chemnitzer Forschende
SciPost bietet zahlreiche Vorteile für Forschende der TU Chemnitz:
Kostenfreies Publizieren(für Autorinnen): Keine APCs, wodurch finanzielle Barrieren entfallen.
Globale Sichtbarkeit: Artikel sind weltweit frei zugänglich, was die Reichweite und Zitierhäufigkeit erhöht.
Hohe Qualität: Die akademische Leitung und das transparente Begutachtungsverfahren garantieren wissenschaftliche Exzellenz.
Die TU Chemnitz unterstützt Open Access durch ihren Publikationsfonds für Veröffentlichungen mit APCs. SciPost hingegen erhebt keine APCs, da es durch institutionelle Beiträge finanziert wird.
Zusammenfassung
SciPost bietet also die Chance, ihre Arbeit global und ohne finanzielle Hürden zu teilen und dabei ein faires, alternatives Publikationsmodell zu unterstützen.
Eigenschaft
Details
Publikationsmodell
Diamond Open Access: kostenlos für Autorinnen und Leserinnen
Finanzierung
Freiwillige Beiträge von Bibliotheken, Universitäten und Konsortien
Begutachtung
Open Peer Review, Gutachten online veröffentlicht
Lizenz
CC BY 4.0, erlaubt Nutzung und Verbreitung mit Quellenangabe
Kosten pro Artikel
etwa 500 Euro (es handelt sich um interne Betriebskosten, die durch institutionelle Mittel gedeckt werden, und nicht um eine Gebühr, die von den Autorinnen erhoben wird)
Road2Openness – gemeinsam in der Open-Science-Strategiewerkstatt – KI: Adobe Firefly / KI-Promter: Tino Riedel
Die Technische Universität Chemnitz ist eine von 5 Hochschuleinrichtungen, die sich erfolgreich um die Teilnahme an der Open-Science-Strategiewerkstatt des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e.V. beworben haben. Im Projekt begleitet sie der Stifterverband ein Jahr lang mit Workshops, Sprechstunden, Austausch und Netzwerkbildung.
Vertreten wird die TU Chemnitz von Frau Professor Strobel, Prorektorin für Forschung und Universitätsentwicklung und Frau Malz als Leiterin der Universitätsbibliothek. Die zielgerichtete Beteiligung der Leitungsebene und der praktischen Perspektive soll zu Synergieeffekten für Open Science (OS) führen.
Vordergründige Aufgabe ist die Erarbeitung einer OS-Policy der TU Chemnitz. Hierzu soll auf bestehenden Strukturen aufgebaut und ggf. die bereits existierende Open-Science-Initiative der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften zu einer universitätsweiten Struktur weiterentwickelt werden.
Spezifische Ziele sind die Verabschiedung einer Open-Science-Strategie, inklusive Empfehlungen zu offenen Lizenzen, offenen Forschungsdaten, einem sinnvollen Einsatz von KI sowie die Schaffung einer organisatorischen Basis für dauerhafte, effektive Organisations-übergreifende Strukturen und Workflows.
Erkenntnisse aus dem Projekt stärken die eigene Expertise zu Open Science, die wiederum in andere Projekte einfließen kann, beispielsweise im europäisch geförderten Projekt „across European Cross-Border University“. Dort beschäftigt sich die Task Group „Across border R&I projects“ u.a. mit der Umsetzung von Open Science in den 10 beteiligten europäischen Universitäten, um nachhaltige Modelle für das Teilen von Wissen in grenzüberschreitenden Regionen zu implementieren.