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Modell der "Alten Aktienspinnerei" im Minna-Simon-Lesesaal der Universitätsbibliothek.

Wo „Fäden der Erinnerung“ zusammengefügt werden …

Fragen Sie sich in alten Gebäuden auch manchmal, was sich innerhalb der Mauern wohl alles zugetragen hat?

Dieser Gedanke beschäftigt uns auch gelegentlich, besonders wenn wir durch die Räume der „Alten Aktienspinnerei“ gehen. Seit fünfeinhalb Jahren beherbergt das Gebäude an der Straße der Nationen 33 die Universitätsbibliothek, und auch wenn wir aus dieser Zeit schon viele amüsante und kuriose Geschichten erzählen können, ist dies nur ein Bruchteil der Geschehnisse, denen die Mauern des Hauses als stumme Beobachter beiwohnten.

Die Aktienspinnerei entstand zwischen 1857 und 1859 infolge der Gründung einer Aktiengesellschaft als damals größte Spinnerei Sachsens mit etwa 60.000 Spindeln. Der Betrieb wurde allerdings sukzessive ab 1897 nach Altchemnitz verlagert und das Areal mit den darauf befindlichen Gebäuden an die Stadt Chemnitz verkauft. Zwischen der Nutzung als Spinnerei und der als Bibliothek erfüllte das Gebäude viele andere Funktionen, zum Beispiel als Quartier für das Figurentheater, die Kfz-Werkstatt des VEB Kraftverkehr Karl-Marx-Stadt, die Stadtbibliothek oder das Wismut-Kaufhaus „Glück Auf“. Leider können uns die Mauern nicht selbst von ihren Erlebnissen berichten, aber glücklicherweise gibt es Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die uns spannende Einblicke in vergangene Zeiten gewähren können.

Um die Geschichten rund um die „Alte Aktienspinnerei“ ans Licht zu bringen und auch für spätere Generationen zu bewahren, wurde im Jahr 2025 das Projekt „Fäden der Erinnerung“ unter Federführung der Universitätsbibliothek in Kooperation mit der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz gGmbH und der Chemnitzer Filmwerkstatt ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projektes führte Heidi Hupfer Gespräche mit Personen, die eine ganz persönliche Geschichte mit dem Haus verbindet. Aufgrund der vielfältigen Eindrücke konnten verschiedene Kapitel der Gebäudehistorie beleuchtet werden: von Aufführungen in der Puppenbühne, Anekdoten aus der Inspektionshalle des Kraftverkehrs, Berichten von unerwünschten Bewohnern in den Zettelkatalogen der Stadtbibliothek, abenteuerlichen Erlebnissen im Alltag des Wismut-Kaufhauses bis hin zu historischen Funden beim Umbau zur Universitätsbibliothek mit angeschlossenem Universitätsarchiv. Dank des Teams der Chemnitzer Filmwerkstatt entstanden aus diesen spannenden Erzählungen bisher insgesamt elf Videos, welche Sie entweder über unsere Webseite oder direkt auf unserem YouTube-Kanal anschauen können.

Wer in den letzten Wochen aufmerksam durch die Universitätsbibliothek gegangen ist, hat vielleicht das ein oder andere kleine Holzmodell des Gebäudes in den Bücherregalen entdeckt. Die Modelle wurden von Dipl.-Ing. Karsten Gerlach der Professur für Montage- und Handhabungstechnik erstellt und repräsentieren jeweils die Erinnerungen einer interviewten Person. Jedes Häuschen wurde an der Stelle im Gebäude platziert, an der die entsprechende Einrichtung damals verortet war. Auf der Oberseite ist je ein QR-Code abgebildet, der Sie direkt zum passenden Interview auf unserer Webseite führt.

An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal bei allen Beteiligten für ihren wertvollen Beitrag vor und hinter der Kamera bedanken.

Am 30.03.2026 präsentierte das Projektteam die bis dato erstellten Ergebnisse im IdeenReich der Universitätsbibliothek. Hierbei wurde zunächst ein Zusammenschnitt der entstandenen Videos gezeigt, um dem Publikum einen kleinen Vorgeschmack auf die festgehaltenen Geschichten zu bieten. Im Anschluss gab es die Möglichkeit, in einer offenen Gesprächsrunde von eigenen Erlebnissen in Verbindung mit der „Alten Aktienspinnerei“ zu berichten. Es war wirklich spannend, von wie vielen weiteren Ereignissen erzählt wurde.

Eine Dame erinnerte sich an einen Besuch mit ihrem Sohn im Figurentheater, bei dem sie die Puppen und die Spielkunst faszinierten. Anscheinend war sie nicht die einzige Erwachsene im Raum, der es so erging, denn die Eltern schienen von der Aufführung begeisterter gewesen zu sein als die Kinder. Aber die Puppenbühne ruft nicht bei jedem Menschen so freudige Erinnerungen hervor, da sie zu DDR-Zeiten der Sammelpunkt für alle zum Wehrdienst einberufenen Männer war, bevor anschließend zur Reichsbahn am Bahnhof marschiert wurde.

Im Publikum waren auch Bibliothekarinnen der Stadtbibliothek, die von einigen außergewöhnlichen Erlebnissen berichteten. Sie erzählten unter anderem vom Auftakt in die digitale Epoche, der aber nicht wie geplant mit funktionierenden Computern, sondern mit einem Stromausfall im gesamten Gebäude begann. Als Anfang der 1990er-Jahre alles für die Arbeit mit technischen Geräten umgerüstet wurde, erfolgte auch die Aufstellung von Computern, sowohl für das Personal als auch für die Nutzenden. Nachdem alle erforderlichen Arbeiten abgeschlossen waren, sollte diese Premiere gebührend zelebriert werden. Die Mitarbeitenden bereiteten hierzu Kaffee und Kuchen für alle Besucherinnen und Besucher vor, doch als die Bibliothek um zehn Uhr öffnete, war es zunächst zappenduster im gesamten Gebäude. Was keiner ahnte war, dass die elektrische Anlage des Hauses mit der plötzlichen Last durch die angeschalteten Computer und den Stromverbrauch der ganzen Kaffeemaschinen überfordert war. Die Besucherinnen und Besucher sahen dies aber glücklicherweise ganz entspannt und so ist dieser Umstieg in die digitale Welt bis heute sehr lebhaft in Erinnerung geblieben.

Auch andere technische Geräte im Haus waren dem Personal anscheinend nicht wohlgesinnt, da zum Beispiel auch der Fahrstuhl zeitweise streikte. Einmal ist eine Bibliothekarin mit einem Herren im Aufzug stecken geblieben, der die Situation aber mit Humor nahm. Er fragte, ob sie schon den Film „Abwärts“ gesehen hätte, in welchem die Seile eines Fahrstuhls langsam reißen und dieser daraufhin in die Tiefe stürzt. Nach diesem scherzhaften Kommentar kam ihr jedes Knarren noch ungeheuerlicher vor und ihr fiel wahrlich ein Stein vom Herzen, als sie nach zwei Stunden endlich den Fahrstuhl verlassen konnte.

Die Chemnitzer Volksbühne reiht sich ebenfalls in die Liste der Institutionen ein, die vorübergehend in der „Alten Aktienspinnerei“ angesiedelt waren. Im Haus war nicht nur die Geschäftsstelle untergebracht, sondern auch einige Zuschauerräume, in denen bis zu 600 Gäste Platz fanden. Die Städtischen Theater Chemnitz nutzen das Gebäude als Interimsstandort ihrer Theaterwerkstätten. In diesen wurden große Bühnenkulissen gefertigt, welche anschließend in einem offenen Wagen und nur bei schönem Wetter ins Opernhaus transportiert werden konnten, da sonst die Farbe abgewaschen worden wäre.

In der letzten Wortmeldung wurde von einer Dame erzählt, die in der Weihnachtszeit ein Set Christbaumkugeln im Wismut-Kaufhaus für nur 1,60 Mark ergatterte. Sie war richtig glücklich über ihren wertvollen Fund und trug die Schachtel den ganzen Heimweg lang ganz bedächtig, sodass der fragile Inhalt nicht kaputt ging. Da die Straßen an diesem Tag sehr glatt waren, ermahnte sie sich die ganze Zeit lang in Gedanken, ja nicht auszurutschen oder hinzufallen. Aber wenn man etwas unbedingt verhindern will, passiert es manchmal leider doch, und so stürzte sie auf den Gehweg. Die Dame brach sich dabei etwas, doch das war für sie nicht weiter tragisch, weil die Kugeln den Sturz unbeschadet überstanden hatten. Auch heute noch schmücken sie jedes Jahr ihren Weihnachtsbaum.

Es ist wirklich faszinierend, was die Mauern der „Alten Aktienspinnerei“ schon alles miterlebt haben – von großen Premieren, hin zu kleinen Freuden und alltäglichen Herausforderungen. Das Projekt führt die einzelnen Fäden der Erinnerung zu einem großen Gesamtbild der Gebäudehistorie zusammen, das sich aus vielen verschiedenen Farbschattierungen und Mustern zusammensetzt.

Haben Sie auch eine Geschichte, die Sie teilen möchten? Falls die Kamera für Sie ein Hindernis darstellen sollte: Keine Angst, Ihre Erinnerungen können auch gern in anderer Form festgehalten werden. Wenn Sie uns Ihre Geschichte erzählen möchten oder Fragen zum Projekt haben, melden Sie sich gern bei unserem Projektteam unter der folgenden Mailadresse: spinnerei@bibliothek.tu-chemnitz.de

Das Bild zeigt einen Ausschnitt der Common Area der Universitätsbibliothek Chemnitz.

Nachts in der Bibliothek – oder: Prüfungsstress 24/7 mal anders

Auch wenn die Prüfungsphase des Wintersemesters vermutlich wie jedes Jahr mit Klausuren, Hausarbeiten und mündlichen Prüfungen vollgepackt gewesen sein dürfte, war sie für uns mit einer besonderen Premiere verbunden. Infolge des wiederholt geäußerten Wunsches unserer Nutzerinnen und Nutzer wurde die 24/7-Öffnung unserer Bibliothek vom 05.02.-13.02.2026 getestet, d.h. das Gebäude war für Angehörige der Technischen Universität Chemnitz durchgängig geöffnet.

Wer unseren Instagram-Kanal im Januar aufmerksam verfolgt hat, konnte an unserer Story-Umfrage bezüglich der bevorstehenden 24/7-Öffnung teilnehmen. Im Schnitt gaben bei jeder Frage 38 Personen ihre Meinung kund und auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ waren, boten sie uns doch ein kleines Stimmungsbild. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass ihr uns als Lernort schätzt und euch bei uns gut für die Prüfungen vorbereiten könnt. Bei den Fragen hinsichtlich der präferierten Lernzeit zeichneten sich deutlich zwei Lager ab: Lernen am Tag vs. Lernen in der Nacht.

Der Vor- und Nachmittag wurde von 62 Prozent der Teilnehmenden als bevorzugte Lernzeit angegeben. Bei unserer Frage „Seid ihr bereit für die 24/7-Öffnung?“ gaben 44 Prozent der Teilnehmenden an, beim Lernen in der Bibliothek am Tag bleiben zu wollen. Im Gegensatz dazu lernen 38 Prozent der Teilnehmenden vorzugsweise in der Nacht. Für diese Gruppe war die 24/7-Öffnung anscheinend besonders interessant, da 56 Prozent der Teilnehmenden sich auf diese freute und die Hälfte davon sogar plante, jetzt nur noch nachts in die Bibliothek zu kommen. Auf die Frage, ob aktuell genügend Zeit zum Lernen in der Bibliothek besteht, antworteten 64 Prozent der Teilnehmenden mit der Aussage, dass dies für sie nicht gilt. Da keine Begründungen genannt wurden, lassen sich die Ursachen nur vermuten. Ein möglicher Faktor könnten die Öffnungszeiten der Bibliothek sein, die während der Prüfungsphase allerdings schon zum wiederholten Mal bis Mitternacht verlängert wurden. Ab dem 05.02.2026 sollten aber alle zumindest neun Tage lang ausreichend Zeit gehabt haben, um sich in der Bibliotheken auf die Prüfungen vorzubereiten.

Den Auftakt der 24/7-Öffnung bildete die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“, zu der sich im Zeitraum von 16-24 Uhr ca. 800 Personen im Gebäude aufhielten. Viele Studierende blieben anschließend einfach vor Ort, um die folgenden Stunden „nachts in der Bibliothek“ zu verbringen. Zwar gab es bei uns keine sprechenden Ausstellungsstücke, aber die Zeit wurde von euch auch so gut genutzt, z.B. für Spielerunden in der Common Area oder für Lernsessions im Schlafsack.

Die Statistik unseres Sicherheitsdienstes zeigt aber, dass die Freude über die durchgängige Öffnung schnell abflaute. In den darauf folgenden Tagen befanden sich ab 0.30 Uhr jeweils nur ca. 30 Personen im Gebäude, ab 4 Uhr waren es sogar nur noch fünf bis zehn Personen. Bestätigt hat sich allerdings, dass sich die verlängerten Öffnungszeiten bis Mitternacht während der Prüfungsphase auszahlen, da zwischen 22-24 Uhr im Schnitt 90 Personen in der Bibliothek lernten; die Höchstwerte lagen bei 128 und 118 Personen.

Insgesamt frequentierten jedoch nur wenige Nutzerinnen und Nutzer die Bibliothek in den Nachtstunden, sodass die Zahlen hinter den Erwartungen zurückblieben. Der Aufwand in Form von Sicherheitspersonal und Stromkosten rechtfertigte sich somit nicht. Aus diesem Grund erachten wir die 24/7-Öffnung für nicht praktikabel; die verlängerte Öffnungszeit bis Mitternacht verzeichnete hingegen wiederholt eine hohe Nachfrage.

Es gilt zwar für die meisten (leider) der Satz „Nach der Prüfungsphase ist vor der Prüfungsphase“, aber genießt die letzten Tage bis zum Semesterbeginn und erholt euch gut!

Zwischen Prüfungsstress und Hausarbeiten – (Über)Leben in der Prüfungszeit

Wer in der letzten Prüfungszeit aufmerksam unseren Instagram-Kanal verfolgt hat oder regelmäßig in der Universitätsbibliothek unterwegs war, hat sicherlich unsere Umfrage rund um das Thema Lerngewohnheiten im Prüfungsstress gesehen. Die Ergebnisse möchten wir nicht vorenthalten, daher haben wir die eingegangenen Stimmen und Meinungen in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Die konkreten Antworten können in der Bildergalerie am Ende des Beitrags angeschaut werden.

Anlässlich der Prüfungsperiode des Sommersemesters 2025 haben wir die Studierenden im Zeitraum vom 21.07.-17.08.2025 nach ihren Eindrücken und Gewohnheiten während der stressigen Zeit voller Klausuren und Hausarbeiten gefragt, um ein kleines Stimmungsbild zu erhalten und den ein oder anderen Austausch anzuregen. Hierzu wurden insgesamt acht Fragen formuliert, wobei dienstags und donnerstags je eine neue Frage veröffentlicht wurde. Am Dienstag konnte die Frage in einer Instagram-Story beantwortet werden; am Donnerstag wurde parallel zur Online-Umfrage ein Flipchart im Foyer der Universitätsbibliothek zur Beantwortung aufgestellt. Die Fragen lauteten:

  • Prokrastinierst du in der Prüfungszeit?
  • Lernst du mit oder ohne Musik?
  • Lerngruppe oder Einzelkämpfer?
  • Was hilft dir gegen Prüfungsstress?
  • Lernst du digital oder analog?
  • Morgenmuffel oder Sonnenschein?
  • Welcher Lernplatz ist für dich gut geeignet?
  • Brichst du Prinzipien in der Prüfungszeit? Wenn ja, welche?

Das Flipchart wurde durchgängig rege genutzt – bei offenen Fragen war die Fläche fast immer vollständig mit Antworten gefüllt und bei Entscheidungsfragen gaben im Schnitt 345 Personen ihre Stimme ab. Auf Instagram war der Rücklauf stark von der Frageformulierung abhängig, da bei offenen Fragen im Schnitt nur drei Antworten eingingen. Die genaue Stimmenanzahl bei Entscheidungsfragen konnten wir aufgrund unserer Statistikeinstellungen leider im Nachgang nicht mehr ermitteln.

Auswertung der Ergebnisse

Die Frage „Morgenmuffel oder Sonnenschein?“ lieferte ein eindeutiges Ergebnis: ca. zwei Drittel (64,5%) der Teilnehmenden schätzten sich als Morgenmuffel ein, d.h. sie arbeiten nachmittags oder abends am produktivsten. Im Vergleich dazu gaben nur 35,5% der Teilnehmenden an, ein „Sonnenschein“ zu sein und schon den Vormittag zum Lernen zu nutzen. Diese Verteilung entspricht unseren Beobachtungen, dass vormittags nur verhaltener Andrang in der Bibliothek herrschte, während am Nachmittag (fast) alle Arbeitsplätze belegt waren.

Wir hatten den Eindruck, dass sich überwiegend allein auf die Prüfungen vorbereitet wurde. Diese Einschätzung wird durch das Ergebnis bestätigt, dass 80% der Teilnehmenden Einzelkämpfer beim Lernen sind. Sie nutzten vermutlich vorwiegend unseren Lesesaal (16%) und die Arbeitsplätze in den Flügeln (54%), die sich aufgrund ihrer ruhigen Arbeitsatmosphäre gut für das selbstständige Arbeiten eignen. Im Gegensatz dazu gaben 20% der Teilnehmenden an, die Prüfungsvorbereitung in Lerngruppen zu absolvieren. Sofern sie die Bibliothek als Treffpunkt genutzt haben, wurde vermutlich die Common Area (22%) gewählt, deren ungezwungene Atmosphäre und Raum für Austausch perfekte Voraussetzungen für diese Form des Arbeitens bietet. Doch auch unser Lesegarten wurde von 8% der Teilnehmenden als gut geeigneter Lernplatz eingeschätzt, was sich bei dem warmen Sommerwetter auch anbot – und für eine bewegte Pause stand zum Beispiel gleich unsere Tischtennisplatte bereit.

Die knappe Mehrheit (52%) der Teilnehmenden lernt bevorzugt digital, wohingegen 48% analoge Lernmaterialien favorisieren. Ein ähnlich knappes Ergebnis lieferte die Frage, ob mit oder ohne Musik gelernt wird: 52% der Teilnehmenden lernen in Stille, während 40,5% mit Musik im Hintergrund arbeiten. Bei 15% der Teilnehmenden, die bei dieser Frage das Flipchart genutzt haben, ist die Präferenz von der Situation abhängig – so haben wir die Klebepunkte auf der Trennlinie zwischen den beiden vorgegebenen Antwortmöglichkeiten interpretiert.

Musik eignet sich aber auch gut zum Entspannen oder um Frust abzubauen – je nachdem, welches Genre man hört. Musik wurde nämlich mehrmals als Mittel gegen Prüfungsstress genannt, neben weiteren kreativen Beschäftigungen wie malen, zeichnen und stricken. Einige lenkten sich mit Spielen oder Unterhaltungsshows wie Little Britain und Mr Bean ab, während andere Zeit mit Familie und Freund*innen verbrachten. Andere Teilnehmende wurden aktiv, um den Kopf freizubekommen, zum Beispiel durch Sport, Spaziergänge, Tanzen oder Shopping. Außerdem wurden auch Klassiker geäußert wie Essen, Spaßgetränke, jedwede Form von Koffein und die gute alte Prokrastination – wer kennt sie nicht? In der Prüfungsperiode machen dann sogar aufräumen, Wäsche waschen und Altglas wegbringen Spaß – oder man scrollt durch Social Media, bis man erschrocken feststellt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wenn der Stress an einem Punkt doch zu viel wird, hilft es einigen Teilnehmenden, ihren Gefühlen durch weinen oder ausrasten freien Lauf zu lassen. Manchmal hilft anscheinend nur noch Sarkasmus, was die Antwort „Exmatrikulation“ veranschaulicht. Neben den bereits genannten Hilfsmitteln waren Pausen für viele Teilnehmende sehr wichtig, was sich durch folgende Antworten äußerte: Pausen, Zeit für sich selbst einplanen, langsamer Tagesbeginn, Power Naps, abschalten und ausreichend Schlaf.

Aber gerade die Dinge, die gegen Prüfungsstress helfen, werden anscheinend dennoch oft vernachlässigt. Dies wird von den Ergebnissen der Frage „Brichst du Prinzipien in der Prüfungszeit? Wenn ja, welche?“ untermauert: Obwohl Pausen als sehr wichtig erachtet wurden, werden sie im Prüfungsstress zeitweise übergangen, wobei sich Freizeit und Schlaf ebenso dem Lernpensum unterordnen müssen. Auch die Gesundheit wird an zweite Stelle gesetzt, was sich durch Auslassen von Sporteinheiten oder eine ungesunde Ernährungsweise aufzeigt. Einige Teilnehmende greifen im Stress auch mal auf eine Beruhigungszigarette zurück.

Vielleicht findet ihr euch in der ein oder anderen Antwort wieder und konntet einige neue Ideen gegen Prüfungsstress sammeln. Wir hoffen, ihr habt die Prüfungszeit gut überstanden und konntet in den Semesterferien neue Energie tanken. Wir wünschen euch alles Gute für das neue Semester und denkt in stressigen Zeiten daran, dass es vielen anderen Studierenden genauso geht. 🙂

Last but not least: Vielen Dank an alle Teilnehmenden, die sich die Zeit für die Beantwortung der Fragen genommen haben!

Bildergalerie: Stimmenverteilungen und Antworten

Open Access: Ja – aber nicht um jeden Preis!

Open Access Week 2024

Open Access Week 2024 – Change my mind!

Die Diskutanten sind sich einig. „Open Access ist wichtig und richtig“ – aber nicht um jeden Preis.

Angehörige der TU Chemnitz aus Forschung und Lehre, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, Studentinnen und Studenten trafen sich vergangene Woche mit dem Open Science Team im Rahmen der Internationalen Open Access Week.

Am Montag startete Magdalena Lemke von der Open Science Initiative der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften im Rahmen einer Veranstaltung der studentischen Initiative Kritische Einführungstage“ (KRETA) mit einer skeptischen Frage und reflektierten Antwort: „Wissenschaft für Alle? Open Science und kapitalistische Strukturen“. Im Workshop wurden nicht nur spannende Informationen über die Ziele von Open Science, die Geschichte von Open Access und aktuelle Entwicklungen vermittelt – auch kritische Themen, wie hohe Veröffentlichungsgebühren und die erneut entstehende Monopolstellung einzelner Verlage, wurden lebhaft diskutiert.

Einen Tag darauf stellte das Open Science Team in der Mensa eine mehr oder minder provokative These in den Raum „Alle Forschungsergebnisse sollten öffentlich sein. CHANGE MY MIND!“ Diese Aussage sorgte für Gespräche – manche waren sofort überzeugt, andere hinterfragten die These und sprachen über Hürden und Bedenken. So entstand ein wertvoller Austausch, der einen gegenseitigen Einblick in die Publikationskultur und -praxis verschiedener Fachbereiche einerseits und in die (Open-Science-)Services der Bibliothek andererseits ermöglichte.

Am Donnerstag traf sich das Open Science Team mit eingeladenen Rednern und allen Interessenten zu einer kontroversen Diskussion. Die Redebeiträge beinhalteten sowohl Kritik an überhöhten Preisen für Open-Access-Artikel als auch an der z.T. mangelnden Qualität von Peer-Review-Verfahren die sowohl auf Open-Access-Zeitschriften als auch auf Nicht-Open-Access-Zeitschriften zutreffen kann. Insbesondere die Geschäftspraktiken des Open-Access-Verlages MDPI wurden kritisiert. Die massenweise Zusendung von E-Mails an Publizierende mit Einladungen zur Veröffentlichung, Editorentätigkeit oder Begutachtung wurden als besonders lästig empfunden. Andererseits veröffentlicht der Verlag auch anerkannte Zeitschriften mit hohem Impact und dem DOAJ-Seal (DOAJ: Directory of Open Access Journals) als Gütesiegel. Deshalb wird eine besonders aufmerksame Prüfung der jeweiligen Zeitschrift angeraten.

Extrem hohe Artikelgebühren, wie bei Nature, könnten bestimmte Nutzergruppen von der Veröffentlichung ausschließen. In diesem Zusammenhang wird auf den hohen editorischen Aufwand des Verlages verwiesen. Forschungsergebnisse können auch ohne Kosten aktuell auf Preprintservern frei zugänglich gemacht werden. In der Regel sind diese aber nicht begutachtet. Verlage und/oder die Akademien der Wissenschaften könnten ergänzend dazu besonders hochwertige wissenschaftliche Publikationen in speziellen Ausgaben anbieten und mit Zusammenfassungen Mehrwert generieren.  Die besonders schwierigen Publikationsbedingungen für Promovenden wurden ebenfalls angesprochen. Hoher Zeitdruck nötigt eventuell zur Auswahl von Verlagen mit kurzen Begutachtungszeiten. Eine Meldung aus dem Publikum verwies auch auf kumulative Arbeiten, die rechtskonform veröffentlicht werden müssen. Schlussendlich musste die spannende Diskussion aus Zeitgründen vorerst beendet werden. Die Veranstaltung war ein erfolgreicher Start für einen gemeinsamen Austausch, der unbedingt fortgesetzt werden sollte.

Die Preisverleihung für Open-Access-Vorreiter an der TU Chemnitz bildete den Abschluss und Höhepunkt der Aktivitäten innerhalb der OA-Week. Preise in verschiedenen Kategorien belohnten das Engagement auf den verschiedenen Wegen des Open Access: dem Grünen Weg (Veröffentlichungen in Repositorien, 2023), dem Goldenen Weg (Veröffentlichungen in Gold-Open-Access-Zeitschriften, 2023) und dem Diamantenen Weg (Management der Open-Access-Zeitschrift „Zeitschrift für Semiotik“) die in gedruckter Form beim Stauffenburg Verlag erscheint. Den Herausgebern, Professor Fricke und Dr. Siefkes,  wurde damit für die erfolgreichen Verhandlungen für die zeitversetzte Open-Access-Publikation der Ausgaben, gedankt.

Geehrt wurde auch die erste, von der Universitätsbibliothek geförderte, Open-Access-Monographie „Deutsche Jüd_innen in Chile: Bürger:innenwerdung im Kontext von historischen Verflechtungen und Rassismusformationen“ von Frau Dr. Ana Maria Troncoso. Das Buch ist in Kürze im Transcript-Verlag mit der Lizenz CC BY 4.0 verfügbar.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die interessanten Gespräche, Meinungen und Diskussionen und freuen uns darauf, Open Science gemeinsam weiter voran zu bringen.

Die Internationale Open Access Week 2021 an der TU Chemnitz – ein Rückblick

Die Internationale Open Access Week (IOAW ) 2021 wurde in diesem Jahr unter dem Motto „It Matters How We Open Knowledge: Building Structural Equity.“ veranstaltet. Der Aufruf resultiert aus einer UNESCO-Empfehlung zu Open Science, die noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Das Anliegen unterstreicht den globalen Rahmen, in dem offene Wissenschaft als Standard etabliert werden soll.
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17. Literarisches Quintett


Wir tun es wieder! Nach langer Pause wird es spannend, da es in zweierlei Hinsicht eine Premiere für das erfolgreiche Format geben wird.

Die 17. Folge der beliebten Literatursession findet am Mittwoch, den 10.11.2021, um 19.30 Uhr in der neuen Universitätsbibliothek in der Alten Aktienspinnerei (Eingang Straße der Nationen) statt.

Bitte beachten Sie, dass eine Teilnahme (30 Personen) nur mit Voranmeldung und unter Beachtung der 3-G Regel möglich ist.

Die Veranstaltung wird gestreamt.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.tu-chemnitz.de/tu/pressestelle/aktuell/10971